Früher Homo sapiens lebte nicht länger als der Neandertaler

10. Jänner 2011, 20:00
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Geringere Lebenserwartung offenbar nicht am Aussterben des Homo neanderthalensis schuld

Washington - War die geringere Lebenserwartung der Neandertaler an ihrem Aussterben schuld? Diese Hypothese dürfte nach den neuesten Untersuchungen des US-Forschers Erik Trinkaus von der Washington University in St. Louis widerlegt sein. Der Anthropologe untersuchte systematisch alle fossilen Überreste beider Menschengruppen, die rund 150.000 Jahre lang zunächst in Afrika und dann auch in Europa und Asien gleichzeitig existierten und - zumindest in Europa - auch sexuellen Kontakt miteinander hatten.

Trinkaus fand in beiden Populationen sowohl die ziemlich gleiche Anzahl von Überresten, die entweder von 20 bis 40 Jahre alten oder über 40 Jahre alten Frühmenschen stammten, wie er in der US-Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) schreibt. Und das wiederum deute darauf hin, dass die ersten modernen Menschen nicht älter wurden als die vor rund 30.000 Jahren ausgestorbenen Neandertaler.

Was aber war es dann, das unsere nächsten Verwandten damals hinraffte? Wenn es einen demografischen Vorteil für die frühen modernen Menschen gegeben habe, so Trinkaus, war dieser eher das Ergebnis einer höheren Fruchtbarkeit der modernen Menschen oder einer geringeren Kindersterblichkeit. Allerdings räumt der Forscher auch ein, dass die verfügbaren Fossilienfunde die damaligen Populationen und ihre Lebenserwartungen wohl nicht vollständig abbilden. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 11.01.2011)

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