Hoteliers suchen Heil in mehr Betten

10. Jänner 2011, 18:08
4 Postings

Profitabilität vieler Beherbergungs­betriebe ist trotz guter Auslastung schwach - "Mehr Zimmer unter einem Dach" lautet die Devise

Die Profitabilität vieler Beherbergungsbetriebe ist in Österreich trotz guter Auslastung schwach. "Mehr Zimmer unter einem Dach" lautet jetzt die Devise. Damit sollen zum Teil teure Investitionen schneller zurückverdient werden.

***

Wien - Mehr Gäste unter einem Dach bei gleichbleibend viel oder nur geringfügig mehr Personal in Küche, Service oder auf der Etage: Immer mehr Hoteliers in Österreich scheinen darin eine Möglichkeit zu sehen, zum Teil teuer investiertes Geld in überschaubarer Zeit wieder zurückzuverdienen.

"Viele Milliarden sind in den vergangenen Jahren in die Verbesserung der Qualität von Hotels investiert worden - in die Zimmerrenovierung genauso wie in den Bau oder die Vergrößerung von Wellnessanlagen. Seit zwei, drei Jahren ist aber wieder ein Trend hin zu Kapazitätserweiterungen zu beobachten", sagte Wolfgang Kleemann von der Tourismusbank ÖHT in einer Pressekonferenz am Montag.

Dies sei eine gute und richtige Strategie, ergänzte sein Kollege in der Geschäftsführung, Franz Hartl. Ob ein Hallenbad, eine Sauna oder eine Beauty-Abteilung theoretisch von 80 Gästen genutzt werden könne oder von 180, mache für den Hotelier hinsichtlich der Kosten keinen großen Unterschied. Ertragsseitig spiele es hingegen sehr wohl eine Rolle, ob 80 oder die doppelte Zahl von Gästen unter einem Dach beherbergt werden könnten.

Während in Österreich von 2005 bis 2009 die Zahl der gewerblichen Betten (Hotels der Kategorie Ein- bis Fünf-Sterne) um gut 40.000 auf rund 566. 500 gesunken ist, dokumentieren Zahlen der ÖHT nun einen gegenläufigen Trend. So hat die Tourismus-Spezialbank im Jahr 2009 Unternehmen mit insgesamt 70.283 Betten finanziert. Nach der Investition wiesen diese Betriebe 76.283 Betten auf, um 6000 mehr als vorher.

Obwohl die Tourismusbranche die Wirtschaftskrise vergleichsweise gut verdaut habe und die Preise im Vorjahr über alle Betriebe hinweg sogar leicht anheben konnte, habe sich an der finanziellen Schieflage vieler Häuser wenig geändert. "Andere Kostenposten sind stärker gewachsen als die Inflation", sagte Hartl. "Die Energiepreise sind der allgemeinen Teuerung um mehr als 20 Prozent davongezogen, die Kosten für Werbung um 15 Prozent und die für das Personal um gut 7,0 Prozent."

Finanzierungskosten steigen

Daten für 2010 lägen noch nicht vor, am Ungleichgewicht zwischen Ausgaben und Einnahmen dürfte sich aber kaum etwas geändert haben. Jeder zweite Betrieb benötigt für die Kreditrückzahlung mehr als die vorgesehenen 15 Jahre, gut ein Viertel schafft das nicht einmal innerhalb von 25 Jahren. Dabei werden die Finanzierungskosten steigen. "Da sollte sich niemand Illusionen machen", sagte Hartl. Zum einen sei den Betrieben die Möglichkeit genommen, in eine Fremdwährungsfinanzierung auszuweichen. Außerdem hätten Kredite mit Tilgungsträgern wegen der Vermögenszuwachsbesteuerung massiv an Attraktivität eingebüßt. Zudem werde die Europäische Zentralbank eher früher als später an der Zinsschraube drehen und damit die Zeit des billigen Geldes beenden. Nicht zuletzt müssten Tourismusbetriebe, die auf langfristige Finanzierungen angewiesen sind, zum Teil jetzt schon erhebliche Risikoaufschläge seitens der Kommerzbanken in Kauf nehmen.

Mit Insolvenzen in größerer Zahl rechnen die ÖHT-Geschäftsführer dennoch nicht. Am kritischsten sei die Situation für kleinere Gastronomiebetriebe, etwa zeitgeistige Szenelokale, sagte Kleemann. Noch mehr als früher komme es nun darauf an, das Geld klug zu investieren. Wie schon im Vorjahr dürfte die Branche auch heuer wieder rund drei Mrd. Euro ausgeben. 830 bis 840 Mio. Euro davon deckt die ÖHT ab, die im Eigentum der Bank Austria, der Erste-Bank-Gruppe und des Raiffeisen-Sektors steht.

Erst im Dezember hat die ÖHT einen Vertrag mit der Europäischen Investitionsbank geschlossen, der ihr den Zugriff auf ein günstiges Darlehen über 110 Mio. Euro sichert. Hartl: "Je günstiger wir uns selbst finanzieren, desto billiger wird es für unsere Kunden." (stro, DER STANDARD, Printausgabe, 11.1.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Besser mehr Betten, als mehr Leute pro Bett.

Share if you care.