Bund, Land und Stadt einigen sich auf Westringerl

10. Jänner 2011, 17:37
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Und er kommt doch: Zehn Jahre lang lagen die Pläne für einen Linzer Westring in der Schublade, jetzt einigten sich Bund, Land und Stadt auf die Realisierung einer abgespeckten Variante mit Sparpotenzial

Wien/Linz - "Wohin müss' ma jetzt eigentlich?" - Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) war vor Beginn des mit Spannung erwarteten Westring-Gipfels am Montag im Parlament hörbar orientierungslos. Doch letztlich fanden sich der Landeschef und sein Begleittross - darunter der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch (SP), SP-Chef Josef Ackerl und Baulandesrat Franz Hiesl (ÖVP) - doch noch am Ort des Geschehens ein. Erwartet bereits von Bundeskanzler Werner Faymann, Ministerin Doris Bures (beide SPÖ), Vizekanzler Josef Pröll und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (beide ÖVP). Hinter verschlossenen Türen ging es dann in die entscheidende Verhandlungsrunde, die - anders als das Krisentreffen im November - von Harmonie geprägt gewesen sein dürfte.

Zumindest ließen dies nach gut einer Stunde glückliche Politikergesichter erahnen. Geworden ist es eine klassisch österreichische Lösung: Der Linzer Westring wird in einer Variante gebaut, mit der Land und Stadt leben können. Und eine Reduktion der hohen Kosten - 527 Millionen Euro für 4,3 Autobahnkilometer - um gut ein Drittel lässt Ministerin Bures frohlocken. Das umstrittene Projekt wird in abgespeckter Form und auf Etappen realisiert. Verzichtet wird zur Gänze auf den Nordteil der A26, offen ist derzeit noch, ob eine eigentlich geplante Westbrücke als Anschluss an die Mühlkreisautobahn (A7) kommt. Realisiert wird hingegen als erste Bauetappe die vierte Donaubrücke, dann der Abschnitt mit dem Tunnel durch Freinberg.

"Eine ideale Lösung"

Damit soll der Westring nun deutlich "billiger" werden: Jene 300 Millionen Euro, die der Bau der Nordspange gekostet hätte, fallen weg, da dieser Abschnitt der A26 aus dem Bundesstraßengesetz gestrichen wird. Zusätzliche 170 Millionen Euro Ersparnis speisen sich aus Sicht des Bundes einerseits aus 80 Millionen Euro, die das Land Oberösterreich aus seinem Straßenbaubudget bezahlt, und andererseits aus der Tatsache, dass der Neubau der Westbrücke um 90 Millionen Euro terminlich vorerst nach hinten verschoben wurde. Die Gesamtkosten würden sich von 527 auf 357 Millionen Euro verringern, ist Bures überzeugt.

"Für uns ist das eine ideale Lösung. Mit dem Aus für den Nordteil haben wir kein Problem. Ganz im Gegenteil: Durch den Bauverzicht ist jetzt viel Dampf draußen. Es muss jetzt keiner mehr Angst haben, dass mehr Verkehr aus dem Norden durch Linz rollen wird", zeigt sich der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch im Standard-Gespräch mit dem Kompromiss zufrieden.

Offen ist hingegen noch, wann mit dem Bau der Donaubrücke begonnen werden kann. Pühringer: "Das traue ich mir im Moment noch nicht zu sagen." Abwarten müsse man die behördlichen Verfahren, die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) sowie die Reaktion der Projektgegner. "Aber die erste Jahreshälfte 2015 scheint realistisch zu sein", so Pühringer.

Kritik an der Einigung kommt erwartungsgemäß von den Grünen. "Der ausgehandelte, sogenannte Kompromiss ist eine krasse Fehlentscheidung", ärgert sich Grünen-Chef Rudi Anschober. Das vorhandene Verkehrsproblem in Linz könne so nicht gelöst werden, sondern werde weiter verschärft. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Printausgabe, 11.1.2011)

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