"Hoher Konsens bei Gesamt- und Ganztagsschule"

10. Jänner 2011, 16:20
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Das "Who-is-Who" der Bildungspolitik traf beim Vernetzungstreffen für das Bildungsvolksbegehren aufeinander

Müde und starre Blicke begrüßten die Journalisten am Montag-Abend in der Ovalhalle im Museumsquartier in Wien. Nach fünf Stunden Diskussion um die Themen des Bildungsvolksbegehrens schien die Luft bei einigen schon draußen zu sein. Der Initiator Hannes Androsch hielt um sieben Uhr sein Schlusswort, das nicht viel anders klang als seine Rede zu Beginn der Veranstaltung. Er betonte einmal mehr, dass das Volksbegehren ein „Anschub für politische Entscheidungsträger" sein soll. „Es ist klar, dass wir das Bildungsniveau für alle heben wollen", so der ehemalige SPÖ-Finanzminister.

Bildungsexperte Bernd Schilcher skizzierte im Gespräch mit derStandard.at welche Themen in der - nicht öffentlichen - Diskussion besonders oft vorgekommen seien. „Es gibt einen hohen Konsens bei der gemeinsamen Schule und bei der Ganztagsschule", sagt er. Die Teilnehmer mussten auf Kärtchen schreiben, welche Reformvorschläge sie haben. Die Gemeinsame Schule kam laut Schilcher dreizehn Mal und die Ganztagsschule zehn Mal vor, auch eine höhere Schulautonomie war vielen ein Anliegen.

„Kein Wischi-Waschi"

Schilcher wird auch Teil jener - kleineren Gruppe - sein, die den Text des Volksbegehrens auf Basis des am Montag Diskutierten schreiben wird. „Die Herausforderung wird sein, dass der Text so formuliert wird, dass ein breiter Konsens herrscht, aber trotzdem kein Wischi-Waschi herauskommt", sagt er. "Fixer Punkt" wird nach Einschätzung Beppo Mauharts - der das Volksbegehren ebenfalls unterstützt - die Ganztagsschule sein, bei der sich Unterricht, Freizeit und Betreuung abwechseln. "Ganz sicher nicht" enthalten sein werde dagegen die Forderung, dass es nur eine Gesamtschule geben dürfe - so weit sei man in Österreich noch nicht, schätzte Mauhart die Stimmung ein.

„Zivilgesellschaft funktioniert anders"

Thomas Wallerberger vom ÖH-Vorsitzteam ist mit dem Vernetzungstreffen weniger zufrieden. „Zivilgesellschaft funktioniert anders", sagt er zu derStandard.at. Die Betroffenen würden wenig zu Wort kommen. Er hätte beispielsweise nicht gewusst, dass nur eine kleine Gruppe und nicht alle Organisationen gemeinsam den Text für das Volksbegehren formulieren. „Da oben stehen alte Männer, die mir erklären wollen, wie Bildungspolitik zu funktionieren hat", so Wallerberger.

Für ihn „muss die Gesamtschule" im Begehren stehen. Er befürchtet, dass viele Organisationen abspringen werden, wenn Androsch deren Beteiligung nicht zulässt. „Er braucht die Organisationen für die Mobilisierung", sagt er. Das Volksbegehren ist für den Studierendenvertreter erst mit einer Million Unterschriften ein Erfolg.

Nächstes Treffen am 2. Februar

Geendet hat das Vernetzungstreffen wie es begonnen hat: Mit den Klängen des Soundtracks von Mission Impossible. Das nächste Mal werden die Teilnehmer am 2. Februar aufeinander treffen. Dann wird der Text des Volksbegehrens bereits formuliert sein und es wird diskutiert werden, welche Aktivitäten gestartet werden sollen.

Unmittelbar nach dem Treffen soll laut Androschs Mitstreiter Beppo Mauhart mit der Sammlung der nötigen 8.032 Unterstützungserklärungen begonnen werden. Die Unterschriftswoche könnte dann bereits im Mai stattfinden. (lis, derStandard.at, 10.1.2011/APA)

  • Androsch will der Politik einen "Anschub" für Reformen im Bildungsbereich geben.
    foto: standard/cremer

    Androsch will der Politik einen "Anschub" für Reformen im Bildungsbereich geben.

  • Androsch mit Philosoph Konrad Paul Liesmann und Mathematiker Rudolf Taschner.
    foto: standard/cremer

    Androsch mit Philosoph Konrad Paul Liesmann und Mathematiker Rudolf Taschner.

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