Reichlich Stoff fürs Kino

11. Jänner 2011, 10:16
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Die Filmschau "African Threads and Laces" setzt sich mit dem Zusammenhang zwischen Mode und afrikanischer Identität auseinander

Wien - Postangestellte verladen schwere Pakete und Kisten: 1970 wurde der Stoff Für die Mode der Welt in Vorarlberger Stickereibetrieben hergestellt, eine TV-Reportage dieses Titels widmete sich dem Phänomen. Im Völkerkundemuseum stellt man derzeit unter dem Titel African Lace nigerianische Mode und die bis heute dafür verarbeiteten Stickereiwaren aus Vorarlberg vor. Der kurze historische Imagefilm wiederum ist Teil der Filmreihe African Threads and Laces, die nun parallel zur Ausstellung angelaufen ist.

In der Schau wird der Fokus erweitert auf die Frage nach dem identitätsstiftenden Stellenwert von Mode und Kleidung - nicht zuletzt auch "als Sinnbild postkolonialen afrikanischen Selbstbewusstseins". Zwölf Programme versammeln insgesamt neunzehn Arbeiten aus fünf Jahrzehnten: So nähert sich etwa Andrew Dosunmus Dokumentation Hot Irons (1998) den afroamerikanischen Haarkünstlern in der Motorcity Detroit, die mit höchster Kunstfertigkeit Haare formen, ondulieren, auftürmen, färben und mit ihren waghalsigen Kreationen schließlich im "Hair War" antreten, der mit einer üblichen Friseurmesse nur bedingt zu vergleichen ist.

Hot Irons wird zusammen mit Agnès Vardas Black Panthers von 1968 gezeigt. Das Thema "Haare" findet sich aber auch in Me broni ba (2009) wieder, einem experimentellen Essay der jungen Filmemacherin Akosua Adoma Owusu: Aufnahmen aus Ghana, von Beauty-Salons, wo Frauen sich die Haare machen lassen, von kunstvollen Flechtarbeiten, die Mädchen an Barbiepuppen vornehmen, verknüpfen sich allmählich mit einer Off-Erzählung, die von einer Migrationserfahrung handelt, welche ganz wesentlich an den Haaren der "anderen" hängt.

Spielfilme aus der boomenden Produktion Nigerias sind ebenso zu sehen (30 Days; Women's Cot) wie Dokumentationen zur Dandy-Kultur der Sapeure - insgesamt ein vielfältiges, lohnendes Programm. (Isabella Reicher, DER STANDARD - Printausgabe, 11. Jänner 2011)

Metro-Kino, bis 2. Februar

  • Zwischen Frisierkunst und haarigen Mädchenfantasien: "Me broni ba" von 
Akosua Adoma Owusu.
    foto: filmarchiv

    Zwischen Frisierkunst und haarigen Mädchenfantasien: "Me broni ba" von Akosua Adoma Owusu.

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