Moser Holding sucht Partner allein für Vertrieb

10. Jänner 2011, 12:48
posten

Petz erwartet Ergebnis "über Erwartungen" - Verhandlungen mit Mediaprint über Hauszustellungen laufen - Partnersuche weiterhin kein Thema

Bei der Moser Holding ("Tiroler Tageszeitung") rechnet man auch heuer mit einem Ergebnis "über den Erwartungen". Wie Vorstandsvorsitzender Hermann Petz im Interview mit der APA sagte, sei der Konzern wie viele andere Medienhäuser 2010 deutlich besser als im krisengeplagten Jahr 2009 gelegen.

Die Moser Holding verhandelt derzeit mit der Mediaprint über eine gemeinsame Hauszustellung in Tirol, so Petz, DER STANDARD berichtete bereits über die Verhandlungen. Geplant ist eine Gesellschaft mit einem jeweiligen Hälfteanteil, der die Produkte aus beiden Häusern vertreibt. Noch gebe es kein grünes Licht, betonte der Moser-Chef. "Die Gespräche sind aber soweit fortgeschritten, dass ich davon ausgehe, dass es sich im ersten Quartal entscheiden wird."

Sparpotenziale und Synergien müssten bei Tageszeitungen vor allem bei Druck und Vertrieb gehoben werden, sagte Petz. "Sonst kommt die nächst größere Kostenposition und das ist die Redaktion. Dort ist allerdings auch das Alleinstellungsmerkmal des jeweiligen Produkts gegeben." Bei der Moser Holding setzt man eben auf den Vertrieb: "Zwei Zustellsysteme ist in etwa so wie zwei Arlbergtunnel zu haben".

Vertriebswege

Stichwort Vertrieb: Vor Weihnachten startete die "Tiroler Tageszeitung" auch mit einer eigenen Ausgabe auf Apples iPad. Petz hält die neuen Tablet PCs, ob von Apple oder mit Googles Betriebssystem Android für eine Ergänzung zur Printzeitung. "Ich glaube persönlich aus verschiedenen Gründen an die Zukunft der gedruckten Zeitung. Es geht wohl nicht in erster Linie darum, dass das iPad die gedruckte Zeitung ersetzt." Bei der TT biete man zukünftig zwei Arten von Abonnements an. "Das erste inkludiert alle medialen Kanäle incl. aller Applikationen und Print. Die zweite Art des Abos wird so gestaltet sein, dass man alles außer Print bekommt."

Wie viele Kunden die Zeitung tatsächlich auf einem Tablet PC lesen, spielt für Petz derzeit noch nicht die entscheidende Rolle, wie er sagte: "Das Businessmodell ist abgesichert, wenn für ein Abo ohne Printausgabe ein Preis erzielt werden kann, der dem bisherigen Abopreis abzüglich der anteiligen Kosten für Druck und Logistik entspricht." Die Parameter ändern sich, sobald Investitionen im Druckbereich anfallen. Petz: "Unsere Maschinen drucken noch über Jahre, diese Frage stellt sich also derzeit nicht."

Paid Content nicht ausgeschlossen

Petz schließt auch Paid Content auf tt.com in Teilbereichen nicht aus, wobei er diesen eher als Bonus für Abonnenten vermarkten will: "Es könnte so gelöst sein, dass der Abonnent mehr bekommt, der Nichtabonnent aber trotzdem kostenlosen Zugriff auf eine sehr gute tirolspezifische Seite hat. Darüber, welches System sich bei Paid Content durchsetzt, wird 2011 sicher eine breite Diskussion stattfinden."

Für die neuen Medienformen wie etwa zahlungspflichtige Applikationen auf iPad & Co. wünscht sich Petz im Übrigen Augenmaß vom gebührenfinanzierten ORF. "Der öffentlich-rechtliche Anbieter tut sich leichter, etwas gratis anzubieten, weil es ja schon mit Gebührengeldern bezahlt ist. Und wenn das Produkt dann zeitungsähnlich ausschaut, was ja sehr leicht der Fall sein kann, dann fängt es sicher an, problematisch zu werden."

Partnersuche weiterhin kein Thema

Nach der im Dezember 2009 überraschend geplatzten Fusion mit der Styria Media Group will die Moser Holding weiterhin keine neuen Partner suchen, betonte Petz. "Die Moser Holding ist in der selbstständigen Form - übrigens mit einer Eigenkapitalquote von über 50 Prozent - sehr gut aufgestellt." Eine neuerliche Fusionierung mit anderen Häusern habe die Eigentümerfamilie für die kommenden Jahre ausgeschlossen.

Plangemäß laufen die Vorbereitungen für den für Herbst 2012 vorgesehenen Umzug der "Tiroler Tageszeitung" in das Innsbrucker Stadtzentrum, wie Petz sagte. Alle in Innsbruck ansässigen Medien der Moser Holding sollen an den Standort Brunecker Straße kommen, so der Vorstandsvorsitzende. Dort ist außerdem ein vollintegrierter Newsroom geplant.

Die Umbauten im gemeinsam mit der Styria betriebenen Gratiszeitungsring RMA - der Vorstand wurde komplett ausgetauscht - begründet Petz mit einem "Neustart" nach dem Platzen der "großen Lösung mit der Styria".

Die Moser Holding hat ihren Bilanzierungszeitraum außerdem im Vorjahr umgestellt und beendet ihr Geschäftsjahr nun immer mit 30. Juni. "Ich habe immer mehr Vorteile in einem abweichenden Wirtschaftsjahr (Ende des Geschäftsjahres mit 30. Juni, Anm.) gesehen, weil man nicht zur gleichen Zeit wie alle anderen den Jahresabschluss macht." Mit einer Neustrukturierung des Konzerns Moser Holding auf vier Säulen habe sich das angeboten, sagte Petz. Die Moser Holding besteht nun aus den Divisionen "Medien Tirol", Druckereien, dem Engagement in Oberösterreich, und der Beteiligung am gemeinsam mit der Styria betriebenen Gratiszeitungsring RMA ("Regionalmedien Austria").

Verhandlungen über KV neu sollen 2011 abgeschlossen werden

Die Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) über den neuen Journalisten-Kollektivvertrag, die Petz für die Verleger führt, sollen heuer endlich einen Abschluss finden, kündigte er an. Mit dem bisherigen Stand ist Petz zufrieden. "Es ist schon etwas weitergegangen." Man habe jedoch vereinbart, dass über Teilergebnisse nichts kommuniziert wird. "2011 wird da sicher ein Schicksalsjahr. Wenn man im ersten Halbjahr nicht zu einer konkreten Lösung kommt, ist es unrealistisch, dass wir in den Folgejahren einen Abschluss schaffen werden.

Der neue KV soll für die VÖZ-Mitglieder gelten, "nicht jedoch für Tochter-, Schwester- oder Muttergesellschaften der VÖZ Mitglieder". Diese könnten laut Petz dem VÖZ als außerordentliche Mitglieder beitreten. Dann würde auch für diese der Kollektivvertrag originär gelten, sagte er.

Petz verbindet eine langjährige Freundschaft mit dem abgewählten ORF-Informationsdirektor Elmar Oberhauser. Dessen Ausscheiden unter Zwang beurteilt er kritisch: "Sowohl privat wie beruflich kann man sicher sagen, dass diese Ablöse nicht als Ruhmesblatt in die Geschichte des ORF eingehen wird. Mir tut es persönlich sehr leid, dass das so stattgefunden hat. Hätte ich es irgendwie vermitteln können, hätte ich das gerne vermieden im Interesse der handelnden Personen, des ORF und der gesamten Medienlandschaft." (Philipp Wilhelmer/APA)

Share if you care.