Wirt'n tischen positive Rauchverbots-Bilanz auf

10. Jänner 2011, 12:54
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Ein generelles Rauchverbot mögen sich die Gastronomen nicht vor­stellen, das befürchtete Lokalsterben ist ausgeblieben

Wien - Mit dem neuen Jahr ist auch in Sachen Rauchen in manche europäische Länder wieder Bewegung gekommen. Spanien entschied sich für die strenge Variante und den absoluten Nichtraucherschutz: Der Tabakgenuss ist nun in allen geschlossenen und öffentlich zugänglichen Räumen absolut untersagt. Die Gaststätten dürfen auch keine Raucherzimmer einrichten oder in Raucherclubs umbenannt werden. In den Niederlanden hingegen ruderte man ein bisschen zurück: In kleinen Beisln und Cafes darf der Konsument wieder zum Glimmstängel greifen. Gesundheitsministerin Edith Schippers erklärte, das Rauchverbot werde in allen familiengeführten Kneipen und Cafes aufgehoben, die kleiner als 70 Quadratmeter seien. Was die Ministerin damit erreichen wollte: den Verbrauchern eine größere Wahlfreiheit zu geben.

Keine Betriebsschließung

Hierzulande ist der Zorn, der vielfach die Diskussionen um das Thema auf beiden Seiten anheizte, mittlerweile ein bisschen verraucht. Seit dem Ende der Übergangsfrist mit 1. Juli 2010 hat sich die öffentliche Diskussion ziemlich beruhigt. Wenn auch manch Traditions-Kaffeehaus mit dem Wintereinbruch massive Umsatzrückgänge beklagte und Befürchtungen rund um die Zukunft des "klassischen Wiener Cafés" laut wurden, so haben doch die meisten heimischen Betriebe ihre Hausaufgaben zum Großteil gemacht. Rund 4.000 Strafverfügungen waren laut WKÖ zur Disziplinierung notwendig. In der Gesamtheit der heimischen Gastronomie zeigte man sich heute bei einer Pressekonferenz in Wien relativ besänftigt. Die Diskussion und daraus folgende gesetzliche Normen haben zwar offenbar Betrieben wie Konsumenten einiges an Nerven gekostet, das angekündigte Dahinsiechen der Lokale ist aber ausgeblieben. Weit über 2.000 Betriebe seien es in Irland gewesen, als das totale Rauchverbot in Kraft trat, um die 7.000 hätte es in Österreich getroffen, wäre man hierzulande ebenso restriktiv an die Sache herangegangen, so WKÖ-Fachverbandsobmann Helmut Hinterleitner.

Konsumenten schrauben Ausgaben zurück

So sei von den heimischen Betrieben einiges an Geld in die Hand genommen worden - zwischen 1.000 und 20.000 Euro, je nach Betrieb -, um qualmfreie Beisln, Wirtshäuser, Restaurants oder eben rauchfreie Zonen in selbigen zur Verfügung zu stellen. Sahen sich anfangs viele Betriebe überfordert mit dem Nichtraucherschutz, so zeigt sich der Großteil der Gastronomen mit der jetzigen Regelung zufrieden, so Hinterleitner. Auch wenn grundsätzlich in den letzten Jahren die Konsumenten krisenbedingt ihre Ausgaben in Restaurants und Beisln laut dem Fachverbandsobmann zurückschraubten, will man diese Einsparungen nicht auf das heimische Rauchverbot zurückführen. Absolute Umsatzzahlen konnte die Branche heute nicht präsentieren, die letzten Zahlen (7,9 Milliarden Gesamtumsatz) stammen aus dem Jahr 2007.

Kein totales Rauchverbot

Grundsätzlich sei das Thema eines, das eher betriebstypisch zu sehen sei, sagte Hinterleitner im Gespräch mit derStandard.at. Während Restaurants eher von "rauchfrei" profitieren würden, sei eben auch nicht übersehbar, dass in Bars oder manchen Cafés die rauchfreien Zonen eher leer stünden. Umsatzeinbußen hätte es vor allem in jenen 70.000 Gastronomiebetrieben gegeben, in denen die Speisenverabreichung nicht im Vordergrund stehe: in Bars, Diskotheken und Beisln. Eine Botschaft wollte die Branche aber heute auch loswerden: Das totale Rauchverbot will man nicht. Abgesichert sehen sich die Wirte in dieser Richtung auch durch eine WKÖ-Umfrage (Das market-Institut befragte in einem Telefoninterview 400 Österreicher zum Thema Auswirkungen des Tabakgesetzes nach sechs Monaten - siehe dazu auch: Nichtrauchen - ein halbes Jahr ohne), die man heute präsentierte. Aus der lesen die Interessensvertreter der Gastronomen heraus, dass im Prinzip jetzt vieles gut ist. Von den Konsumenten werde wahrgenommen und wertgeschätzt, dass sich in Sachen Nichtraucherschutz einiges getan habe. Die vielfach als "schlampig" postulierte heimische Kompromisslösung stoße demnach bei mehr als zwei Dritteln der Bevölkerung auf Gegenliebe. "Wir waren mit unserer österreichischen Lösung auf dem richtigen Weg", so Hinterleitner. Prävention müsse weiter betrieben werden, "aber nicht auf dem Rücken der Gastronomie". (Regina Bruckner, derStandard.at, 10.1.2010)

WISSEN

Kleine Lokale mit weniger als 50 Quadratmetern dürfen den Konsum von Tabakwaren uneingeschränkt erlauben. Sie können zwischen Raucher- oder Nichtraucherlokal wählen. Größere Gaststätten dürfen das Rauchen in einem oder mehreren Zimmern abseits des Hauptraumes gestatten, wenn es eine feste Abtrennung durch Wände und Türen gibt. Beim Öffnen darf Rauch in geringem Ausmaß ausdringen, Türen dürfen nicht ständig offen stehen. Nichtrauchern ist ein Gang durch Raucherräume - beim Betreten, dem Weg zur Toilette - zumutbar. Der Raucherbereich darf nicht mehr Verabreichungsplätze umfassen als der qualmfreie Bereich. Betriebe in denen bau-, denkmalschutzrechtliche oder feuerpolizeilichen Gründe die Errichtung eines Raucherraums verbieten, darf Zigarettenkonsum uneingeschränkt erlaubt werden.

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    Das in Österreich geltende Rauchverbot in Lokalen verbietet Tabakkonsum im Hauptraum aller Betriebe mit mehr als 50 Quadratmetern Verabreichungsfläche, in denen Speisen oder Getränke verkauft werden. In einem abgetrennten Zimmer bleibt der Genuss einer Zigarette gestattet und draußen vor der Tür sowieso.

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    Wird gegen die Rauchverbotsbestimmungen verstoßen, drohen Wirten Strafen in der Höhe von bis zu 2.000 Euro, bei mehreren Verstößen bis zu 10.000 Euro. Gäste, die verbotenerweise eine Zigarette anzünden, müssen bis zu 100 Euro bezahlen, Wiederholungstäter bis zu 1.000 Euro.

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