Früher erkennen

"Schaufensterkrankheit" ist nicht harmlos

10. Jänner 2011, 12:27
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    foto: dr. chemelli

    (vorher)

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    foto: dr. chemelli

    (nachher)

    Die beiden Bilder zeigen eine Katheterangiographie eines 60-jährigen Mannes mit Schmerzen in der linken Waden nach einer Gehstrecke von 150 Metern.

    Vorher zeigt eine hochgradige Einengung der linken Beckenarterie (Pfeil) verursacht durch
    eine Gefäßverkalkung.

    Nachher zeigt die Kontrollangiographie nach Implantation eines Stents (Gefäßstütze) und
    nachfolgender Gefäßdehnung. Die Gefäßeinengung ist vollständig beseitigt mit normaler
    Durchblutung der linksseitigen Beckengefäße.

Der Name dieser Gefäßerkrankung klingt harmlos, für die Betroffenen bedeutet sie aber eine massive Einschränkung der Lebensqualität

Beobachtungen dieser Art haben die meisten Menschen bereits gemacht, oft auch in der eigenen Familie: Ein alter Mensch geht ein Stück, bleibt stehen, scheinbar um zu verschnaufen und geht weiter, wieder ein Stück. Wenn der erste Stopp schon nach wenigen hundert Metern kommt, dann sollte man einen Arzt aufsuchen, denn es könnte sich um die sogenannte Schaufensterkrankheit handeln, wobei das Schaufenster oft als Ausrede dient stehen zu bleiben - darauf machen Spezialisten der Tiroler Landeskrankenanstalten (TILAK) in einer Aussendung aufmerksam.

Gefährliche Engstellen in den Gefäßen

Es ist nicht wirklich das Verschnaufen, weshalb Betroffene stehen bleiben. Es ist ein Krampf in den Beinen. Grund sind arteriosklerotische Verengungen in den Gefäßen, im Volksmund auch Verkalkungen genannt. Bei Bewegung hat das zur Folge, dass die Beine nicht mehr ausreichend durchblutet sind und ein Krampf auftritt. Diese Engstellen können beseitigt werden, indem die Gefäße gedehnt werden und bei Bedarf eine Metallstütze (Stent) erhalten.

Navigieren - dehnen - stützen

Bei arteriosklerotischer Verengung (Verkalkung) der Beckenarterie führen Mediziner der interventionellen Radiologie einen Draht durch einen Zugang in der Leiste bis zu der Engstelle, dehnen das Gefäß mit Hilfe eines kleinen Ballons auf und führen dann eine kleine metallene Gefäßstütze (Stent) ein. Der Patient ist während dieser Prozedur wach, lediglich die kleine Einstichstelle an der Leiste ist lokal betäubt.

Befindet sich die Verengung des Blutgefäßes beispielsweise im Unterschenkel, bleibt die Behandlungsmethode gleich, lediglich der Weg zur kritischen Stelle ist weiter. Um diesen Weg zu planen erstellen die Radiologen im Vorfeld, mit Hilfe von Kontrastmittel und Röntgendurchleuchtung eine "Gefäß-Landkarte". Diese  dient zur Navigation während des Eingriffs, wobei auch dabei die Position des Drahtes immer wieder mittels Röntgen kontrolliert wird.

Haben Patienten einen sogenannten Dialyse-Shunt (permanenter Zugang im Unterarm für die regelmäßige Durchführung einer Blutwäsche), kann sich dieser Zugang im Laufe der Zeit verengen und muss wieder gedehnt werden. Insgesamt führt das Team der Interventionellen Radiologie der TILAK und der medizinischen Universität Innsbruck pro Jahr über 1.000 derartige Eingriffe durch. (red)

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Stent hilft bei Schaufensterkrankheit

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Live aus dem OP

Am 14. Jänner werden drei derartige Eingriffe im Rahmen des IROS 2011-Kongresses (Gemeinsame Jahrestagung der österreichischen, deutschen und schweizerischen Gesellschaften für interventionelle Radiologie in Salzburg) direkt von den Angiographieräumen der Innsbrucker Klinik live nach Salzburg übertragen.

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15 Postings
Benny Bear
01
11.1.2011, 10:31
Training wichtig!

Richtig, die Muskelfunktion ist wirklich wichtig bei der Schaufensterkrankheit. Studien haben gezeigt, dass die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen, durch die chronische Unterversorgung mit Sauerstoff beschädigt werden. Dies dürfte wohl durch freigesetzte Radikale verursacht werden. Auf jeden Fall nützt die alleinige Aufdehnung der Gefäßverengungen nicht viel, wenn nicht zusätzlich versucht wird, durch Training die Funktion der Mitochondrien zu verbessern.

muscle-doc
00
11.1.2011, 05:44
Wichtig ist auch die Muskelfunktion

Patienten mit der "Schaufensterkrankheit" leiden oft nicht nur allein an Verengungen an den Blutgefäßen, sondern auch an zusätzlichen Erkrankungen, die Schmerzen beim Gehen verursachen, wie z.B. an Arthrose der Knie- und Hüftgelenke oder Bandscheibenvorfälle. Manchmal ist gar nicht so offensichtlich, welche der Erkrankungen wirklich zu dem Symptom "Schmerz beim Gehen" führt. Aber es gibt eine neue Methode, die zumindestens die Wirksamkeit von Verengungen an zuführenden Arterien im Muskel messen kann. Mittels einer Phosphor Magnetresonanz Spektroskopie am arbeitenden Muskel kann nicht-invasiv der mitochondriale Sauerstoffumsatz gemessen werden. Dadurch kann nachgewiesen werden, ob die Sauerstoffversorgung im Muskel unzureichend ist.

hot doc
00
11.1.2011, 09:33

also, wesentlich preiswerter und schneller geht ein abi, die vergleichende blutdruckmessung an arm- und beinarterien.

aber zu ihrer (vermutlich noch experimentellen) mri: gibts das auch für den herzmuskel?

muscle-doc
00
11.1.2011, 11:11

Sie haben recht, der ABI ist preiswerter, allerdings wie die Angiografie auch nur ein hämodynamischer Parameter, der bei Patienten mit Mediasklerose nicht verwertbar ist. Bei Diabetes Patienten werden deshalb häufig Werte von mehr als 1,5 gemessen, obwohl signfikante Engstellen vorliegen. Der Normwert liegt ja ca. bei 1,2, während Patienten mit symptomatischer peripherer Verschlusskrankheit Werte von unter 0,9 aufweisen. Hämodynamische Parameter sagen auch nur bedingt etwas über die Muskelfunktion aus. Das Testen der Muskelfunktion an sich ist bei solchen Patienten teilweise recht schwierig, da ja hier als Parameter die Laufstrecke herangezogen wird (Arthrose im Knie?).
Für den Herzmuskel ist das noch Zukunftmusik (1-2 Jahre glaube ich).

hot doc
00
11.1.2011, 12:00

interessiert mich jetzt trotzdem. können sie mir links zu studien posten? danke.
übrigens gibts für diabetiker noch die alternative des guten alten gesenius-kellner-oszillographen.

astemp79
00
10.1.2011, 20:46
Einfache Vorbeugung:

Chinesische Bewegungsabfolgen (TaiChi, Qi-Gong, KungFu), spezielles "medizinisches Qi-Gong", Yoga.

Rechtzeitig beginnen - täglich 15 min. Üben verhindern derartige degenerativen Erkrankungen.

kh g
10
11.1.2011, 10:52
Und Red Bull verleiht Flügel

marty fink
01
10.1.2011, 23:27
Und immer auf die Chakren aufpassen...

Bonair
00
10.1.2011, 22:58
Rechtzeitig beginnen - täglich 15 min. Üben verhindern derartige degenerativen Erkrankungen.

Die Zeit ist wesentlich klüger investiert, wenn man diese 15 Minuten einfach nur geht.

(Abgesehen davon scheinen Sie keine sehr genaue Vorstellung vom Terminus "degenerative Erkrankung" zu haben.)

kiwi99
00
11.1.2011, 09:41

bedauerlicherweise verhindert das nicht die Folgen dieser Erkrankung, auch wenn sie hundert Tibeter antreten lassen ...

ois dann
 
00
11.1.2011, 05:46

Und was, bitte, soll an Ihrem Vorschlag "wesentlich klueger" sein? Wenn jemand so wenig geht, dass 15min mehr einen Unterschied machen, dann ist er entweder extrem faul oder sitzt eh schon im Rollstuhl. Mit Tai-Chi oder Yoga uebt man eben Bewegungsablaeufe die der typische Zivilisationskrueppel ueberhaupt nicht mehr macht. Da koennen auch 15 min einen grossen Unterschied machen.

Matthias Schindler
21
10.1.2011, 23:53

Sie scheinen keine Vorstellung von guter Prävention zu haben.

kh g
11
11.1.2011, 11:22
Und Sie keine Ahnung von Medizin.

Ein Homöopath wie er im Buch steht.

hot doc
02
10.1.2011, 20:14
und was ist daran neu?

das hat der andreas grüntzig schon 1974 in zürich gemacht.
und jetzt können es die tiroler radiologen auch? supi.

übrigens geht aus dem artikel nicht hervor, warum die schaufensterkrankheit nicht harmlos ist: die verkalkung macht vor den beinarterien nicht halt, und diese menschen haben ein hohes risiko, einen herzinfarkt oder schlaganfall zu erleiden. wenn sie nicht die entsprechende medikamentöse begleittherapie bekommen.

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