75 Prozent von Europas Gletschern könnten verschwinden

10. Jänner 2011, 11:40
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Aktuelle Studie prognostiziert regional unterschiedliche Eisverluste bis zum Ende des Jahrhunderts

Paris - Eine aktuelle Studie geht davon aus, dass Europa in Zukunft einer der von der Gletscherschmelze am stärksten betroffenen Kontinente sein wird. Laut der Untersuchung, die im US-Fachmagazin Nature Geoscience veröffentlicht wurde, könnte die globale Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts drei Viertel aller europäischen Gletscher zum Abschmelzen bringen.

Weltweit könnte dieser Prognose zufolge das Volumen von Gletschern und Eiskappen bis zum Jahr 2100 um 15 bis 27 Prozent zurückgehen. Die massiven Eisschilde Grönlands und der Antarktis, in denen 99 Prozent des weltweiten Süßwassers gebunden sind, bezogen die Forscher nicht in die Auswertung ein.

Regional unterschiedliche Auswirkungen

"Eisverluste dieses Ausmaßes werden beachtliche Auswirkungen auf die regionalen Wasserverhältnisse und die Verfügbarkeit von Wasser haben", heißt es in der Studie der Geophysiker Valentina Radic und Regine Hock der Universität von Alaska. Dabei würden einige Weltgegenden deutlich stärker betroffen sein als andere - abhängig von der Höhe der Gletscher, der Beschaffenheit des Bodens oder regionalen Unterschieden beim Temperaturanstieg.

Die europäischen Alpen erwartet den Forschern zufolge ein Gletscher-Rückgang um 75 Prozent, Neusseeland werde 72 Prozent seiner Eisflächen verlieren. In den Hochgebirgen Asiens würden dagegen bis 2100 nur zehn Prozent der Gletscher schmelzen.

12 Zentimeter bis mehrere Meter

Allein das Schmelzwasser des untersuchten Eisverlusts könnte die Meeresspiegel um zwölf Zentimeter ansteigen lassen, sagten die Forscher voraus. Sollten auch die in dar aktuellen Studie nicht berücksichtigten Eisschilde Grönlands und Antarktis schmelzen, dann dürfte der Pegel der Ozeane um mehrere Meter ansteigen. Neben dem Schmelzwasser ist auch die durch die Erderwärmung erzeugte Ausdehnung des Wassers ein wichtiger Faktor für den Anstieg der Meeresspiegel.

Die Forscher von der Universität von Alaska basierten ihre Berechnungen auf ein Computermodell, das sie aus zwischen 1961 und 2004 erhobenen Daten von mehr als 300 Gletschern erstellten. Bei der künftigen Erderwärmung bezogen sich die Wissenschafter auf ein Szenario des Weltklimarats IPCC, das einen Anstieg der Temperatur um 2,8 Grad Celsius bis zum Ende des 21. Jahrhunderts vorhersagt. (red/APA/AFP)

  • Die Pasterze am Großglockner um 1900...
    foto: sammlung der gesellschaft für ökologische forschung

    Die Pasterze am Großglockner um 1900...

  • ... und rund hundert Jahre später. Der Eisschwund in Europas Hochgebirge könnte nach der aktuellen US-Studie bis 2100 rund 75 Prozent betragen.
    foto: gesellschaft für ökologische forschung / wolfgang zängl

    ... und rund hundert Jahre später. Der Eisschwund in Europas Hochgebirge könnte nach der aktuellen US-Studie bis 2100 rund 75 Prozent betragen.

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