Sheriff: Attentäter offenbar geistig verwirrt

10. Jänner 2011, 07:24
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Polizei spricht von Einzeltäter - War von Uni verwiesen worden, weil er für andere Studenten eine Gefahr sein könnte

Tucson - Bei dem Anschlag auf die US-Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords in Tucson handelte es sich offenbar um die Tat eines geistig verwirrten Einzeltäters. Wie der ermittelnde Sheriff Clarence Dupnik am Sonntag dem Sender Fox sagte, besteht seitens der Ermittler kein Zweifel, dass es sich um die Tat eines "einzelnen, sehr gestörten Individuums" handelte. Es stehe zudem fest, dass die demokratische Abgeordnete das Ziel des 22-jährigen mutmaßlichen Attentäters Jared Lee Loughner war, sagte Dupnik unter Verweis auf einen entsprechenden Brief Loughners.

"Versank in Krise"

"Ich glaube er versank langsam in einer psychotischen Krise. Etwas in ihm ist gebrochen. Er war nicht immer so", schrieb eine frühere Klassenkameradin, Caitie Parker, am Sonntag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Demnach habe Loughner zuletzt gerne über Prophezeiungen der Maya diskutiert, denen zufolge die Welt 2012 untergehen werde. Parker schrieb weiter, Loughner habe die Punkband "Anti-Flag" gemocht und linken Sichtweisen zugestimmt.

"Ich plante voraus"

Bei einer Durchsuchung der Wohnung von Loughners Familie in der Wüstenstadt im US-Bundesstaat Arizona entdeckte die Polizei in einem Safe einen Umschlag, auf dem "Ich plante voraus", "Mein Mordanschlag" und "Giffords" stand. Zudem fand sie einen Brief von Giffords, in dem diese Loughner für die Teilnahme an einer politischen Kundgebung im August 2007 dankte.

Waffe im örtlichen Waffengeschäft gekauft

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft kaufte der mutmaßliche Attentäter die Pistole, mit der er am Samstag Giffords schwer verwundete und sechs weitere Menschen tötete, im November in einem örtlichen Waffengeschäft. Zwei Monate zuvor war er demnach von der Universität verwiesen worden, da Bedenken bestanden, dass er eine Gefahr für die anderen Studenten bedeuten könnte.

Keine Komplizen

Die Polizei geht mittlerweile nicht mehr von einem Komplizen aus. Die Bundespolizei FBI erklärte am Sonntag, einen zunächst verdächtigten Mann gründlich vernommen zu haben. Der Verdacht der Komplizenschaft habe sich dabei jedoch nicht bestätigt, so dass der Mann freigelassen worden sei. Es gebe derzeit keinen Grund mehr zu der Annahme, dass noch andere Menschen an dem Attentat beteiligt gewesen sein könnten, hieß es.

Bei dem Angriff auf die Kongressabgeordnete in Tucson im Bundesstaat Arizona waren sechs Menschen getötet worden. Die angeschossene Parteifreundin von US-Präsident Barack Obamas war am Sonntag noch in einem kritischen Zustand, aber ansprechbar. Die Polizei hatte zunächst die Fahndung nach einem mutmaßlichen Komplizen des als psychisch labil eingestuften Tatverdächtigen eingeleitet, der von einer Überwachungskamera nahe des Tatorts gefilmt worden sei. Der mutmaßliche 22-jährige Todesschütze ist mittlerweile angeklagt worden. (APA/Reuters)

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    Vor dem US-Capitol hängen die Flaggen auf Halbmast.

  • Lichtermeer und Trauernde vor dem Büro der Abgeordneten Gabrielle Giffords.
    foto: epa/gary m williams gary m williams

    Lichtermeer und Trauernde vor dem Büro der Abgeordneten Gabrielle Giffords.

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    Auch vor dem Krankenhaus wird der lebensgefährlich verletzten demokratischen Abgeordneten gedacht. Giffords ist mittlerweile aus dem Koma erwacht. Ihre Ärzte sind "vorsichtig optimistisch".

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    Gabrielle Giffords bei der Angelobung des neu gewählten US-Kongresses am 5. Jänner.

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