Helden des Alters

9. Jänner 2011, 18:59
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In "Stöckl am Samstag" wurden drei über 80-jährige Menschen vorgestellt, die noch berufstätig sind

Man soll das Alter ehren. Nicht nur die Doku zum 80. Geburtstag des Pianisten Alfred Brendel Sonntagfrüh auf ORF 2 gab dazu Anlass, sondern auch - Überraschung - Interviewerin Barbara Stöckl in "Stöckl am Samstag". Diesmal bemühte sich die Talkerin nicht um salbungsvolle Nostalgie oder euphemistisches Streicheln der betagten Seelen (letztes Thema war "Weihnachten - wie es früher war"). Stöckl stellte einfach drei über 80-jährige Menschen vor, die noch berufstätig sind und Freude daran haben.

Das muss man nicht nur als Beitrag zur Pensionsdebatte lesen: Zu zeigen, dass nicht nur für Jopi Heesters ein erfülltes Leben im fortgeschrittenen Alter möglich ist, eröffnet im ORF-Seniorenprogramm, das Schöner-leben-Tipps mit Schlagermusik und albernen Spieleshows (Bingo) abrundet, geradezu neue Perspektiven.

Wenn eine Psychiaterin, die seit 1949 ordiniert, erzählt, wie viele alte Menschen depressiv sind, tut sie das an der richtigen Stelle. Offenheit (20-jährige Affäre des verstorbenen Mannes, der seiner erfolgreichen Frau nicht gewachsen war) und Selbstbewusstsein (ihr Berufsleben habe sie "tadellos bewältigt") kann sie sich leisten. Wann sonst, wenn nicht mit 93? Eine 88-jährige Anwältin aus Wiener Neustadt zählt darauf, dass ihr der Nachwuchs sagt, wenn "ich es geistig nicht mehr dapack'". Und Firmengründer-Enkel Karl Manner gab ohne Umschweife zu, dass ihm die Schnitten eher aus den Ohren stauben und dass er, deshalb ist er hier, eben Repräsentationsaufgaben wahrnehmen müsse.

Stöckl mag nicht die einfühlendste Moderatorin sein. Als Vermittlerin in einer heterogenen Zielgruppe mit fortgeschrittenen Alter kann sie aber gute Dienste leisten. (Alois Pumhösel/DER STANDARD; Printausgabe, 10.1.2011)

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