Kämpferin für Einwanderer und Cowboys

9. Jänner 2011, 18:13
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Demokratin Gabrielle Giffords wurde Opfer eines Attentats

Erst vor Tagen stand sie am Pult des Repräsentantenhauses, um aus der Verfassung vorzulesen. Die Republikaner wollten diesen theatralischen Akt, um in Erinnerung zu rufen, wie sich die Gründerväter Amerika vorgestellt hatten. Gabrielle Giffords ließ sich nicht lange bitten. Das Grundgesetz den Konservativen zu überlassen kam für sie nicht infrage.

Die 40-Jährige, auf die am Samstag geschossen wurde, gehört zu den wenigen Demokraten, denen es im November gelang, in heftig umkämpften Wahlkreisen den Angriff von rechts abzuwehren. Trotz Wirtschaftskrise, Frust und Proteststimmung behielt sie im achten Bezirk von Arizona die Oberhand gegen einen Rivalen, der die Tea Party hinter sich wusste, für den Sarah Palin trommelte, der auf der Welle des rebellischen Zeitgeists zu surfen schien. Das Kunststück gelang ihr in einer Gegend, in der traditionell die Konservativen den Ton angeben. Das hat damit zu tun, dass Giffords gern gegen den Strich bürstet und sich nicht so leicht einsortieren lässt.

Einerseits befürwortet sie nahezu unbeschränkten privaten Waffenbesitz, will die Nationalgarde verstärkt an der Grenze zu Mexiko einsetzen und die Patrouillen besser ausrüsten, was auf der Linie der Law-and-order-Fraktion liegt. Mit den "blue dogs" , Demokraten der Mitte, fordert sie fiskalische Disziplin. Andererseits kämpfte sie für Barack Obamas Gesundheitsreform, worauf im Frühjahr jemand die Scheibe ihres Wahlkreisbüros zerstörte - ob mit Steinen oder einem Revolver, ist bis heute nicht geklärt. Unbeirrt tritt sie für eine Einwanderungsreform ein.

Das bringt jene auf die Palme, die alle illegalen Immigranten am liebsten sofort aus dem Land werfen würden. Giffords ließ sich auch nicht durch Drohungen schrecken. "Wenn man einen Distrikt repräsentiert, zu dem die Wildweststadt Tombstone gehört, dann überrascht einen nichts mehr" , witzelte sie.

Im Herbst 2006 war Giffords die erste Jüdin, die für Arizona ins Parlament zog. Zu ihren ersten Amtshandlungen gehörte es, einen nationalen Gedenktag zur Feier der Cowboys anzuregen. Mit einem Fulbright-Stipendium studierte sie in Mexiko, übernahm für kurze Zeit das Reifengeschäft ihres Vaters, bevor sie in die Politik ging. "Es würde mich nicht überraschen, wenn sie die erste oder zweite Präsidentin der Vereinigten Staaten würde", sagt Ex-Arbeitsminister Robert Reich, einer ihrer Bewunderer. Verheiratet ist Giffords mit Mark Kelly, einem Astronauten. (Frank Herrmann/DER STANDARD, Printausgabe, 10.1.2011)

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