Südsudan stimmt über Unabhängigkeit ab

9. Jänner 2011, 18:02
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Referendum dauert bis Samstag - Clooney und Carter vor Ort

Juba - Mit großer Begeisterung aufseiten der Bevölkerung hat im Südsudan am Sonntag das Referendum zur Unabhängigkeit des Gebiets vom Rest des Sudans begonnen. Rund vier Millionen Südsudanesen waren aufgefordert, bis kommenden Samstag ihre Stimme abzugeben. "Das ist der historische Moment, auf den die Bevölkerung des Südsudans gewartet hat," erklärte der südsudanesische Präsident Salva Kiir. Begleitet vom Jubel Hunderter Wähler gab er in einem Wahllokal seine Stimme ab.

Sichtlich bewegt gedachte Kiir auch der zwei Millionen Opfer des Bürgerkriegs von 1983 bis 2005. "Ich bin sicher, dass sie nicht umsonst gestorben sind," sagte er der Menge. Spontan stimmten Frauen Gesänge an, ein Mann hielt ein Transparent mit der Aufschrift "Die Straße der Unabhängigkeit - Eine neue Nation auf dem afrikanischen Kontinent" in die Höhe. Viele hatten bereits mitten in der Nacht vor den Wahllokalen darauf gewartet, ihre Stimme abgeben zu können. Sie habe nicht einmal schlafen können, solange habe sie diesen Tag herbeigesehnt, sagte die schwangere Rachel Akech. "Ich bin nun bereit, zu wählen," erklärte die 30-Jährige.

Clooney und Carter beobachten

Begleitet wurde das Geschehen auch von Hollywoodstar George Clooney und dem früheren US-Präsidenten Jimmy Carter, die für ihr Engagement in der Region bekannt sind. Bisher sei die Abstimmung ruhig und friedlich verlaufen, sagte Carter, dessen gleichnamige Organisation den Ablauf des Referendums beobachtet. "Das ist ein großer Tag für die ganze Welt", sagte Clooney.

Auch etwa 117.000 im Norden lebende Flüchtlinge aus dem Südsudan ließen sich für die Wahl registrieren. Jedoch fürchten viele Vergeltungsakte von Nordsudanesen, sollten sie ihre Stimme abgeben. Wahlhelfer sowie ein Beobachter in einer Schule in Khartum berichteten, bisher seien keine Wähler gekommen. Anderorts hätten nur wenige ihre Stimme abgegeben. Er habe gegen die Unabhängigkeit votiert, erklärte der 65-jährige Alldod Akon Deng, der aus dem Süden stammt. Er sei seit 1964 in Khartum. Seine Kinder seien alle dort geboren, weswegen er für die Einheit gestimmt habe.

Es wird erwartet, dass mit dem Referendum die Unabhängigkeit des mehrheitlich christlichen Südens vom mehrheitlich muslimischen Norden beschlossen wird. Der Norden hat versprochen, eine Loslösung des Südens friedlich zu akzeptieren. Das Referendum ist Teil eines Friedensabkommens aus dem Jahr 2005. Das Abkommen beendete damals den über zwei Jahrzehnte andauernden Bürgerkrieg, der mehr als zwei Millionen Menschen das Leben kostete.

Während die USA dem Sudan bei einem reibungslosen Verlauf des Urnengangs weitere Finanzhilfen in Aussicht stellten, warnte der dortige Machthaber Omar al-Bashir vor einer Teilung des Landes. Der Süden sei nicht in der Lage, "für die Menschen zu sorgen oder einen Staat oder eine Amtsgewalt zu bilden", sagte Bashir dem Sender Al Jazeera. Er äußerte sich besorgt über mögliche Instabilität im Süden, die sich auch auf den Norden auswirken würde. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon und EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton riefen zu einem friedlichen Urnengang auf. Der zentralsudanesische katholische Bischof Macram Max Gassis äußerte die Befürchtung vor einer "humanitären Tragödie", weil der Süden den für den Fall der Trennung erwarteten Flüchtlingsstrom aus dem Norden nicht werde aufnehmen können.

Der Sudan ist das flächenmäßig größte afrikanische Land. Die Bewohner des Südens werfen dem muslimisch geprägten Norden vor, sich an den südlichen Erdöleinnahmen zu bedienen, ohne in den verarmten Süden zu investieren. Im Falle einer Unabhängigkeit würde ein Drittel der Landfläche des Sudan sowie ein Großteil der Ölfelder an den Süden fallen. Konkrete Verhandlungen über die Verteilung der Öleinnahmen, den offiziellen Grenzverlauf sowie Staatsbürgerschaftsrechte stehen noch aus. Ebenfalls unklar ist der Name des neuen Süd-Sudan, der schon in wenigen Monaten das 193. Mitglied der Vereinten Nationen werden könnte. Im Gespräch sind "Neu-Sudan Equatoria", "Juwama" oder "Nilrepublik".

Für die sieben Tage dauernde Abstimmung haben sich 3,9 Millionen der etwa 8,7 Millionen Einwohner im Süden des Landes registrieren lassen. Das Geschehen wird von mehr als 4.000 örtlichen und internationalen Beobachtern vor Ort mitverfolgt. Offizielle Ergebnisse des Referendums werden nicht vor Februar erwartet.

Die Vorfreude der Südsudanesen auf das Referendum wurde am Samstag von tödlichen Auseinandersetzungen zwischen Rebellengruppen und dem Militär in der erdölreichen Region Unity State überschattet. Nach Angaben südsudanesischer Beamter kamen mindestens sechs Menschen ums Leben. Auch in der Region Abyei wurde von Zusammenstößen berichtet. Dort sei es möglicherweise zu Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern eines arabischen Stammes aus dem Norden und schwarzen Südsudanesen gekommen, hieß es. Zur Anzahl der Toten wurden widersprüchliche Angaben gemacht. Nach Angaben von Nicht-Regierungsorganisationen flammten im Schatten des Referendums auch die Kampfhandlungen in der Krisenregion Darfur wieder auf, mehr als 30.000 Menschen seien auf der Flucht. (APA/dapd/dpa)

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