Schauspieler verdienen meistens mies

9. Jänner 2011, 17:47
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"Schauspieler in Deutschland: viel Glamour, wenig Geld" - Hälfte der Befragten verdient 20.000 Euro brutto oder weniger im Jahr

Münster - Die meisten Schauspieler in Deutschland verdienen miserabel. Das zeigt eine Studie der Universität Münster. Mehr als 700 Darsteller von Theater, Film und Fernsehen wurden für die Untersuchung befragt. "Die Hälfte verdient 20.000 Euro brutto oder weniger im Jahr", erläuterte eine Sprecherin. "Fast 60 Prozent der Befragten waren in den vergangenen zwei Jahren weniger als sechs Monate beschäftigt." Nach Schätzungen arbeiten in Deutschland 20.000 bis 25.000 Menschen als Schauspieler.

Die Untersuchung, die mit dem Titel "Schauspieler in Deutschland: viel Glamour, wenig Geld" überschrieben ist, hat die münstersche Forschungsgruppe am Institut für Soziologie im Auftrag des Bundesverbands der Film- und Fernsehschauspieler erstellt. "Lediglich 4,6 Prozent aller Befragten kommen zusätzlich in die Lage, Arbeitslosengeld I zu beziehen. Für alle anderen fehlt nach wie vor die Absicherung", erklärte Prof. Andrea D. Bührmann, Leiterin des Projekts.

Mitte 2009 wollte die deutsche Bundesregierung mit einer Arbeitslosengeld-Reform die soziale Benachteiligung von Schauspielern aufheben. Die Regierung erkannte damit de facto die strukturelle Benachteiligung kurzzeitig Beschäftigter an. Beschäftigten mit kurz befristeten Verträgen, dazu zählen zahlreiche Schauspieler, sollte dadurch zum Beispiel der Bezug von Arbeitslosengeld I erleichtert werden. Die notwendige Wirkungen sind der Studie zufolge aber nicht eingetreten.

Für die Untersuchung befragten die Forscher 710 Schauspielerinnen und Schauspieler nach ihrer finanziellen Situation und den Auswirkungen der Arbeitslosengeld-Reform. Ingo Naujoks, der 2004 den Deutschen Comedypreis für seine Rolle in der Serie "Bewegte Männer" erhielt, äußerte in der Umfrage Wut und Enttäuschung: "Es kann nicht sein, dass wir ausschließlich in den "Solidaritäts-Topf" einzahlen und nichts rausbekommen ­ so definiert sich nicht Solidarität." (APA/dpa)

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