Dreijähriger zu Tode geprügelt

9. Jänner 2011, 17:38
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Lebensgefährte der Mutter flüchtete, als die Rettung kam

Bregenz - Ein dreijähriger Bub ist am Samstagabend in Bregenz an schweren Misshandlungen gestorben. Nach derzeitigem Ermittlungsstand dürfte das Kind vom Lebensgefährten der Mutter zu Tode geprügelt worden sein. Die Mutter war zum Tatzeitpunkt in der Arbeit. Die Polizei bestätigte am Sonntag einen entsprechenden Bericht auf vorarlberg.orf.at. Der mutmaßliche Täter ist seit Samstagabend flüchtig. Der Mann war in der Vergangenheit bereits mehrfach wegen schwerer Gewaltdelikte aufgefallen.

Der Notruf war gegen 19.30 Uhr bei der Rettung eingegangen. Dieses Telefonat dürfte der Verdächtige geführt haben. In der Wohnung in Bregenz-Vorkloster fanden die Notärzte dann den Dreijährigen regungslos am Boden liegend vor. Sie versuchten, das Kind zu reanimieren, es starb jedoch an seinen schweren Verletzungen. In der Wohnung befand sich auch der sechsjährige Bruder - dieser war ebenfalls verletzt. Zum Tatzeitpunkt passte der 25-Jährige alleine auf die Kinder auf, die Mutter arbeitet im Gastgewerbe.

Verdächtiger flüchtete

Derzeit geht die Kriminalabteilung davon aus, dass der 25-jährige Lebensgefährte der Mutter der beiden Kinder dringend tatverdächtig ist. Beim Eintreffen der Notärzte befand sich der Mann noch in der Wohnung, dann flüchtete er. Nach dem Mann wird nun europaweit gefahndet. Bei dem Gesuchten handelt es sich um den 25-jährigen Milosav M. Der arbeitslose Mann war in der Vergangenheit bereits mehrfach wegen schwerer Gewaltdelikte aufgefallen, hieß es.

Die Buben und deren Mutter dürften schon öfters vom Tatverdächtigen geschlagen worden sein, erläuterte Chefermittler Norbert Schwendinger. Darauf würden auch ältere Verletzungen hindeuten, die an den Körpern beider Kinder gefunden wurden. Den Behörden und der Polizei seien die Misshandlungen der Kinder durch den Mann jedoch bisher nicht bekannt gewesen.

Die Frau sei ebenfalls Gegenstand der Ermittlungen, hieß es Sonntagnachmittag. Der Leichnam des Dreijährigen wird laut Polizeiangaben obduziert, um die genaue Todesursache festzustellen. Die Kindsmutter und ihr sechsjähriger Sohn werden derzeit ärztlich und psychologisch betreut. Eine Vernehmung sei derzeit nicht möglich, so die Polizei.

Gewalt in der Familie

Der Vorarlberger Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch sprach von einem "dramatischen Einzelfall". Ein Fall von Kindesmisshandlung mit tödlichem Ausgang sei ihm in Vorarlberg in den vergangenen zehn Jahren nicht bekannt. Gewalt an Kindern stelle jedoch ein häufiges Problem in Familien dar: In Vorarlberg nehme die Jugendwohlfahrt jährlich in 50 bis 60 Fällen Kinder wegen "Gefahr in Verzug" aus der Familie. Damit muss nahezu jede Woche ein Kind in Vorarlberg seine Familie zu seiner eigenen Sicherheit verlassen. (APA, red, DER STANDARD-Printausgabe, 10.1.2011)

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