Vorsicht bissig

Biss mit Folgen

9. Jänner 2011, 17:17
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    foto: apa/stefan hesse

    Von Hunden geht das höchste Beißpotenzial aus, ihre Bisse entzünden sich aber nicht so leicht.

Verletzungen durch Tiere passieren oft aus heiterem Himmel- Sie können gefährliche Entzündungen auslösen, denn in vielen Mäulern verstecken sich Krankheitserreger

Er wollte nicht nur spielen. Vielleicht hat der Fahrradfahrer den Hund gereizt oder erschreckt. Jedenfalls hat der Köter zugebissen. Nicht stark, nur die Eckzähne haben sich in die Haut gebohrt. Was tun? Zum Arzt gehen oder reicht Desinfektionsmittel? Der Hundebesitzer entschuldigt sich und versucht, die Verletzung zu verharmlosen. Nicht hilfreich.

Niemand weiß genau, wie häufig sich solche Szenen ereignen, berichtet wird immer nur über die schlimmen Fälle mit Gruselpotenzial. Dabei ist die Dunkelziffer hoch. "Gebissen wird oft, aber passieren tut recht selten was", sagt Wolfgang Graninger, Leiter der Abteilung Infektiologie und Tropenmedizin des Universitätsklinikums Wien. Es komme eben darauf an, von welchem Tier man erwischt wird, so der Mediziner.

Die Verletzungen an sich bereiten meist keine ernsthaften Probleme, das größte Risiko liegt bei einer möglichen Infektion. Und da gibt es erhebliche Unterschiede. Von Hunden zum Beispiel geht zwar das höchste Beißpotenzial aus, ihre Bisse entzünden sich allerdings nicht so leicht. Sie verursachen eher offene Wunden, die stark bluten. Dadurch werden gefährliche Bakterien schneller ausgeschwemmt und können sich nicht festsetzen.

Katz und Maus

Ganz anders ist es, wenn Mieze mal nicht nur die Zähne zeigt, sondern diese auch benutzt. "Die Katze beißt klein rein, aber dafür ist ihr Biss umso gefährlicher", erklärt Wolfgang Graninger. Die nadelscharfen Fangzähne dringen tief ein und drücken so die Keime hinunter ins Fleisch. Durch den engen, sich rasch schließenden Wundkanal tritt oft kaum Blut aus. Solche Verletzungen werden schnell ignoriert - mit manchmal verheerenden Folgen. Katzen können genauso wie Hunde in ihrem Maul ein wahres Heer aus möglichen Krankheitserregern beherbergen. Selbstverständlich schnappen auch andere Haus- und Wildtiere immer wieder mal zu. Nager verursachen jedoch weitaus weniger Entzündungen, als man vermuten würde. Bei Rattenbissen, so Graninger, gibt es fast nie Komplikationen. Ganz infektionsträchtig seien dagegen die Bisse von Homo sapiens selbst. "Der, der andere beißt, hat meist eine schlechte Zahnpflege", sagt Graninger.

Viele der auf tierischen und menschlichen Gebissen lauernden Keime können sich äußerst aggressiv gebärden. "Eine Infektion tritt normalerweise innerhalb von 24 Stunden auf." Bei einem schlimmen Verlauf kann es später zu einer Sepsis (Blutvergiftung) kommen. "Besonders übel sind Bissverletzungen im Gesicht, da entwickeln sich Entzündungen doppelt so schnell", betont Graninger. Der Hintergrund: Gesichtspartien seien besonders gut durchblutet, was wiederum der Ausbreitung von ins Gewebe eingedrungen Bazillen Vorschub leiste. Tückisch ist auch eine Bakterienspezies namens Pasteurella multocida. Sie kann sich überall im Körper einnisten. Bei einer älteren Wiener Dame löste P. multocida nach einem Katzenbiss eine gefährliche Endokarditis aus. Die Erreger waren in ihr Herz gelangt und vermehrten sich dort. Eine intensive Antibiotika-Therapie und eine Operation retteten der Frau das Leben.

Clostridium tetani, der Verursacher des gefürchteten Tetanus, kann ebenfalls durch Bisse übertragen werden. Diese Bakterienspezies gedeiht nur unter sauerstofffreien Bedingungen. Tiere nehmen Tetanus-Sporen vom Boden auf, und sie überdauern als harmlose Kommensale in deren Mäulern. Sobald die Keime aber unter Luftausschluss in eine Verletzung geraten, beginnen sie sich fortzupflanzen. Ohne Impfschutz erkrankt das Bissopfer an Wundstarrkrampf. Nicht selten tödlich.

Maßnahmen setzen

Für die Behandlung von Tierbissen gibt es einige entscheidende Regeln, erklärt Graninger. Die Wunden dürfen nie zugenäht werden, betont der Experte vehement. "Auch nicht im Gesicht." Als Erste Hilfe sollten die Verletzungen mit reichlich fließendem Wasser ausgewaschen werden. Anschließend desinfizieren, und zwar bevorzugt mit Jod. Verletzte Glieder stellt man am besten ruhig.

In den meisten Fällen ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Graninger mahnt: Beim ersten Anzeichen einer Entzündung muss der Patient sofort Antibiotika verabreicht bekommen. Schwellungen, Rötungen und das typische Pochen an der Wundstelle sind deutliche Warnsignale. Manche Mediziner empfehlen sogar, bei jedem Tierbiss sofort mit einer Antibiotika-Behandlung zu beginnen. Gegen die übertragenen Bakterien sind zum Glück das klassische Penicillin und verwandte Mittel normalerweise noch wirksam.

Es gibt allerdings noch eine andere drohende Gefahr: die Tollwut. Sie wird von Viren ausgelöst und kann somit nicht mit Antibiotika bekämpft werden. In Österreich ist Tollwut dank flächendeckender Immunisierung von Wild- und Haustieren praktisch ausgestorben, doch in anderen Ländern ist die Seuche nach wie vor weit verbreitet. "In Indien explodiert gerade die Tollwut", warnt Graninger. Vor allem auf Fernreisen sei deshalb Achtsamkeit geboten. Ein junger Österreicher, der vor kurzem in Marokko von einem kleinen Hund gebissen wurde, infizierte sich so mit dem Virus. Er starb nach seiner Heimkehr. Befallene Tiere - auch wild lebende - verlieren die Scheu vor Menschen. Wer von so einem Vierbeiner erwischt wird, muss sich sofort gegen Tollwut impfen lassen. Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, gibt es kaum noch Rettung. (Kurt de Swaaf, DER STANDARD Printausgabe, 10.1.2011)

 

Zum Thema Bissverletzungen:

"Der Hund reißt, die Katze beißt"

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Posting 1 bis 25 von 26
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Elisabeth1201
01
11.1.2011, 00:25
Bisse

Was zahlt die Pharma/Ärztelobby für solch doofe Artikel? Klar, Bisse können sich infizieren - die meisten Bissopfer von Hunde und Katzen sind aber Hunde und Katzen........ Und, wenn's Mensch mal trifft, der hat eine unbehaarte Haut und wird doch sicher die Wunde desinfizieren oder bei Entzündungen zum Arzt marschieren.
Höchst tierfeindlich und auch falsch, soviel ich weiss, denn Nagetierbisse sind für Menschen viel "giftiger" als Raubtierbisse à la Hund + Katz. Sagt meine Tierärztin und ich war schon mehrfach Bissopfer von geretteten Mäusen - war tatsächlich weit schlimmer als mal ein Kratzer oder Biss von Hund + Katz. Ziehe seither beim Mäuseretten Handschuhe an, eh klar.

Poldi Fesch
00
10.1.2011, 14:55
das ist

eine Einschaltung der pharmazeut. Industrie, sollte man noch irgendwo dazuschreiben.

Terence Moonseed
01
10.1.2011, 17:02

BITTE geh nach einem Tierbiss nicht zum Arzt. Der Genpool wird sich freuen.

Poldi Fesch
00
10.1.2011, 17:05
ganz sicher

nicht, ist mir zu muehsam. Schon die oede Befragung, wann, wo wie

Schnapphahn
22
10.1.2011, 14:02
Der will doch nur spielen

Ein freundliches Kerlchen da oben auf dem Bild.

Kra Wuzikabuzi
02
10.1.2011, 13:09
..drum hab ich keinen komodo-waran.

Sand
61
10.1.2011, 10:17
Wie schneiden die EU-Länder ab, in denen statt Jod die billigere und umweltschonende NaCl-Lösung verwendet wird?

Poldi Fesch
00
10.1.2011, 14:57
ich verwend

meist ein kl flascher Hochprozentigen. so kann man von innen u. auszen desinfizieren

mosaic9
02
10.1.2011, 13:44
davon hab ich noch nie was gehört...

...das Kochsalzlösung ein Desinfektionsersatz für Jod sein soll.

Sand
20
10.1.2011, 10:59
Lieber rotes Stricherl!

Was, findest Du, ist am Posting überflüssig? Die Kochsalzlösung als solche oder die Behauptung, dass diese billiger und umweltschonender ist als Jod?

ayur veda (m.)
21
10.1.2011, 13:06

überflüssig ist, dass du dich selbst bepostest.

eine echte memme eben...

Sand
00
10.1.2011, 13:19
jod und ayurveda

???

Kra Wuzikabuzi
00
10.1.2011, 13:49
wo kommt den das wort jodeln her ?

::-))
15
10.1.2011, 08:58
ein menschenbiss

ist um das tausendfache gefährlicher. allein schon wenn der mensch das maul aufmacht wird es gefährlich. siehe strache und co.

Kra Wuzikabuzi
00
10.1.2011, 13:49
sie verwechseln bellen mit beissen.

. Diogenes
00
10.1.2011, 07:44
Der, der andere beißt, hat meist eine schlechte Zahnpflege

?

Heinz Anderle
 
00
10.1.2011, 06:50
Capnocytophaga canimorsus.

Ein besonderes Schatzerl unter den Hundebißkeimen, da meist erst spät diagnostiziert - manchmal zu spät.

Dr. rer. nat. Heinz Anderle, Freigeist

Gobi Todic
01
10.1.2011, 00:05
So langs kein Komodowaran war

braucht man sich nicht zu stressen -> Panikmache.

http://file1.npage.de/000172/47... waran.jpeg

gratis trinken
00
10.1.2011, 13:12

die sind ja bekannt für ihre schlechte mundhygiene

h 90
00
10.1.2011, 03:28

In Thailand und Malaysien gibts kleinere Versionen des Viehs. Die sind recht zutraulich. Mitten in Bangkok werdens von Chinesen gerne mit gekochten Eiern gefuettert.
(Die asiatische Version vom wiener Tauben fuettern).
Die in Bangkok beissen scheinbar nicht.

tablespace65
94
Unverständliche und inakzeptable Panikmache!

Dass man einen Tierbiss nicht auf die leichte Schulter nehmen soll, ist schon richtig, und eine fachmännische Untersuchung/Behandlung durchaus berechtigt. Dass aber sofort die großen "Antibiotikum-Keule" geschwungen wird, ist wohl zu viel des Guten!

Die Forderung, "bei jedem Tierbiss sofort mit einer Antibiotika-Behandlung zu beginnen", kann man wohl nur als einen Medizinier-Scherz (oder eine unüberlegte Pharma-PR-Kampagne) werten! Wenn ich mir überlege, wie oft ich von meinen beiden Hauskatzen (reine Wohnungskatzen) schon gebissen und gekratzt wurde, dann wäre ich jetzt schon ein "lebendes Antibiotika-Lager"...

ein blauer bär - das ist ja gimp!
00
11.1.2011, 08:30
das hab ich auch jahrelang gesagt ...

... bis sich voriges jahr meine (wohnungs-)katze in panik in meinen unterarm verbissen hat. das war ein deutlicher unterschied zu den mehr spielerischen bissen, die sie mir davor beigebracht hat.

nachdem ich nicht gleich ins krankenhaus gefahren bin, haben sich die wunden natürlich nach 36 stunden gewaltig entzündet, ich hatte fast 40 fieber sowie eineinhalb wochen lang einen unterarm-gips, und mein körper wurde grosszügigst mit antibiotika versorgt.

Neuer Nick neues Glück
11
10.1.2011, 14:20

"Wenn ich mir überlege, wie oft ich von meinen beiden Hauskatzen (reine Wohnungskatzen) schon gebissen und gekratzt wurde"

Liest du den armen Tieren deine Postings vor?

pereswon
11
10.1.2011, 13:36
Was genau für Katzen haben Sie????

Ich hab mein Leben mit Hauskatzen verbracht, aber so heftig gebissen, dass sich die Zähne in mein Fleisch gebohrt haben - und genau um solche Bisse gehts hier, wurde ich echt noch nie.

tablespace65
00
10.1.2011, 19:43

Man braucht ja nur zu versuchen, eine Katze ein wenig auf/an ihrem Bauch zu kraulen, wenn sie das nicht will :-)

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