Drei Tote und hunderte Verletzte bei Protesten

9. Jänner 2011, 16:55
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Revolte gegen hohe Lebensmittelpreise - 763 Polizisten verletzt - Hunderte Festnahmen

Algier - Bei den Protesten gegen die hohen Lebensmittelpreise in Algerien wurden drei Menschen getötet und 826 weitere verletzt, 763 davon Polizisten. Dies gab Innenminister Dahou Ould Kablia am Sonntag bekannt. Die drei jungen Männer waren am Freitag bei Demonstrationen in den Orten Msila, Tipaza und Boumerdes getötet worden, sagte der Minister, der eine harte Bestrafung der Unruhestifter ankündigte. Hunderte Menschen seien festgenommen worden. Bei landesweiten Aktionen wurden nach einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur APS Regierungsgebäude sowie Bank- und Postfilialen geplündert. Die Polizei bezog in der Nähe von Moscheen Stellung. Um die Gewalt einzudämmen, wurden Fußballspiele abgesagt.

Regierung will Preise reduzieren

Die Regierung beschloss indes Maßnahmen zur Begrenzung des Preisanstiegs, etwa eine Senkung der Einfuhrzölle und Steuern für Zucker und Speiseöl. Dies soll die Preise um 41 Prozent reduzieren. Man sei entschlossen zu weiteren Maßnahmen, "um die Kaufkraft der Bürger angesichts von Preiserhöhungen zu erhalten", hieß es.

Augenzeugen berichteten, auch am Sonntag habe es Proteste gegeben. Im Küstenort Bouira griffen Demonstranten am Vormittag eine Polizeistation an, die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. In Tizi Ouzou im Osten des Landes wurden mehrere Gebäude von Banken und Versicherungen verwüstet. Auch aus der Stadt Bejaia wurden Ausschreitungen gemeldet. Die Preissteigerungen waren anscheinend nur der Auslöser der Unruhen. Hohe Jugendarbeitslosigkeit und schlechte Wohnbedingungen sorgen schon seit längerem für Unmut in der Bevölkerung des autoritär regierten Landes.

Die UNO-Ernährungsorganisation FAO hatte am vergangenen Mittwoch bekanntgegeben, dass die Lebensmittelpreise weltweit auf einen Höchststand geklettert sind. Vor drei Jahren hatte eine ähnlich dramatische Entwicklung zu Unruhen etwa in Haiti, Ägypten und Kamerun geführt und Forderungen nach einer stärkeren Regulierung der Agrarmärkte geweckt. (APA/Reuters/AFP/dpa )

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    Proteste in Annaba, Ostalgerien.

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