Der Erfolgsfaktor Powerplay

8. Jänner 2011, 16:15
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Ob in Interviews oder Kabinenansprachen, weltweit werden Trainer auf den verschiedensten Leistungslevels nicht müde, die Bedeutung des Überzahlspiels im Eishockey zu betonen. Wie es um das Powerplay der zehn EBEL-Klubs bestellt ist, verrät ein genauerer Blick in die Statistik.

Von der NHL bis hinunter in die Hobbyligen, auf jeder Leistungsebene im Eishockey betonen Trainer die Bedeutung des Überzahlspiels als grundlegende Basis für den Erfolg eines Teams. In der EBEL ist das nicht anders, auch hier besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Ausnützen numerischer Vorteile am Eis und der Tabellenplatzierung.

Eine Wiener Spezialität

55 Treffer in 194 Überzahlspielen, mit einer Effektivität von 28,35 Prozent ist das Powerplay der Vienna Capitals auch heuer wieder das beste der Liga. In jeder der mittlerweile fünf Spielzeiten seit der internationalen Öffnung der EBEL im Sommer 2006 führte der Klub aus der Bundeshauptstadt die Liga in dieser Wertung an, erzielte in diesem Zeitraum in 280 Spielen ganze 401 Powerplaytreffer (25,33%). In der laufenden Saison ist es vor allem das kongeniale Duo Fortier/Gratton, das dem Wiener Überzahlspiel seine Gefährlichkeit verleiht: Mit 14 bzw. 11 Powerplay-Treffern liegen die beiden Franko-Kanadier in der diesbezüglichen Torschützenliste auf den beiden ersten Rängen, gemeinsam verbuchen sie bereits 45 Scorerpunkte in Überzahl. Von ihnen profitieren auch die statistischen Kennzahlen der im Powerplay aufgebotenen Verteidiger, die sich häufig das zweite Assist gutschreiben lassen können. So haben etwa Dan Bjornlie und der teilweise auch im Sturm eingesetzte François Bouchard jeweils mehr als die Hälfte ihrer Punkte im Überzahlspiel gesammelt.

Trattnigs 24 Powerplay-Punkte

Auch der ligaweit punktbeste Spieler im Powerplay ist ein Abwehrspieler, er kommt jedoch nicht aus Wien sondern vom EC Salzburg. Nationalspieler Matthias Trattnig, vor zwei Jahren vom Forward zum Defender umfunktioniert, kann seine Scorerqualitäten auch in seiner neuen Rolle kaum verbergen, alleine im Powerplay kommt er heuer bereits auf 24 Zähler (8 Tore, 16 Assists), was einem Anteil von 63,2 Prozent an seinen gesamten Scorerpunkten entspricht.
Erst am Freitag assistierte er wieder zu einem Salzburger Treffer bei numerischer Überlegenheit, dem 406. seit 2006 - in absoluten Zahlen der Spitzenwert unter allen EBEL-Teams. Doch die Red Bulls bekommen - nicht zuletzt aufgrund ihrer dynamischen und beweglichen Spielweise, die Gegner häufig dazu verleitet, Strafen zu nehmen - auch überdurchschnittlich viele Gelegenheiten, Powerplay zu spielen. Seit der Internationalisierung der Liga spielte der EC Salzburg im Schnitt 5,81 Mal pro Partie in Überzahl, ein Wert, der lediglich vom KAC (5,98) übertroffen wird.

Nur Rang sieben für den Tabellenführer

Beim Rekordmeister zählt das Powerplay heuer allerdings zu den großen Schwächen, mit einer Effektivität von 18,92% liegt der Tabellenführer lediglich auf Rang sieben der Überzahlwertung. Wie in der allgemeinen Scorerliste, wo sich mit David Schuller erst auf Rang 27 der erste Spieler der „Rotjacken" findet, hinken die Klagenfurter auch bei den Powerplay-Torschützen hinterher, die Topscorer Shantz und Craig (jeweils sechs Überzahltreffer) landen außerhalb der Top 10 der EBEL. Bemerkenswert: Auch beim KAC sammelten mit Kirk Furey (0+13) und Sean Brown (1+11) bisher zwei Verteidiger die meisten Punkte im Powerplay.

Ein Blick in die jüngere Vergangenheit spricht im Übrigen gegen einen 30.Titel für Klagenfurt: Mit Ausnahme des EC Salzburg im Jahr 2008 erreichte in den vergangenen sieben Spielzeiten jeder spätere Meister zumindest die viertgrößte Powerplay-Effektivität der Liga.

Ausländische Teams seltener in Überzahl

Betrachtet man den Zeitraum seit der Öffnung der EBEL für nicht-österreichische Teams im Jahr 2006, fällt auf, dass die ausländischen Teams weniger Überzahlmöglichkeiten erhalten als die österreichischen. Während die aktuell sechs einheimischen Klubs im Schnitt 5,55 Mal pro Spiel in den Genuss einer numerischen Überlegenheit kommen, erhalten die vier Klubs aus Slowenien, Ungarn und Kroatien lediglich 4,73 Powerplays pro Spiel. Umgelegt auf einen 54 Runden umfassenden Grunddurchgang und die durchschnittliche Powerplay-Effektivität der ausländischen Klubs berücksichtigt, fehlen am Saisonende so jedem nicht-österreichischen Team 7,89 Tore - ein Wert, der durchaus ein entscheidender Faktor im Kampf um einen Play-Off-Platz sein kann.
Ein Teil dieser Differenz lässt sich zweifellos aus der qualitativ schwächeren Besetzung der Kader der ausländischen Klubs ableiten. Doch gerade in Anbetracht so manch wundersamer Strafsenatsentscheidung gegen nicht-österreichische Klubs im Laufe der vergangenen Jahre hinterlässt auch diese Statistik einen etwas fahlen Beigeschmack.

Im Allgemeinen auffällig: Auch wenn es in der laufenden Saison mit 9,68 so wenige Überzahlsituationen pro Spiel wie noch nie seit der Internationalisierung der EBEL gibt (Anm.: Ein Rückgang von knapp 22 Prozent gegenüber der Saison 2006/07), fallen pro Spiel im Schnitt 2,16 Tore bei numerischer Überlegenheit. Das sind so viele wie seit vier Jahren nicht mehr, was die Bedeutung des Powerplays für Erfolg oder Misserfolg eines Teams unterstreicht. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 8.Jänner 2011)

  • Mit 24 Punkten ist Matthias Trattnig ligaweit der Topscorer im Powerplay. Sein nächster Überzahltreffer wird bereits der 50. seiner EBEL-Karriere sein.
    foto: timo savela

    Mit 24 Punkten ist Matthias Trattnig ligaweit der Topscorer im Powerplay. Sein nächster Überzahltreffer wird bereits der 50. seiner EBEL-Karriere sein.

  • Bereits 19 Punkte sammelte Roland Kaspitz bei numerischer Überlegenheit. Im Spiel 5-gegen-5 gelangen dem VSV-Center in 36 Spielen jedoch erst drei Tore.
    foto: johann pittner

    Bereits 19 Punkte sammelte Roland Kaspitz bei numerischer Überlegenheit. Im Spiel 5-gegen-5 gelangen dem VSV-Center in 36 Spielen jedoch erst drei Tore.

  • Die EBEL-Topscorer im Powerplay.
    grafik: derstandard.at/hannes biedermann

    Die EBEL-Topscorer im Powerplay.

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