Rettungsschirm für Portugal "nur Zeitfrage"

7. Jänner 2011, 19:07
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Die Risikoaufschläge auf West­europas Staatsanleihen steigen deutlich, Ökonomen rechnen mit einer bevorstehenden Rettung

Wien - Die europäischen Kapitalmärkte und der Euro haben die erste Woche des neuen Jahres schwach gestartet. Die Gemeinschaftswährung ist seit Neujahr um knapp drei Prozent gefallen. Ebenso haben die Staatsanleihen von stark verschuldeten Euro-Staaten in der vergangenen Woche Verluste eingefahren.

Diese Verluste sind groß genug, dass die Risikoaufschläge für Staatsanleihen in Westeuropa höher geworden sind als für osteuropäische Staaten (siehe Grafik). Die Risikoaufschläge von Credit Default Swaps (Kreditausfallversicherungen) auf westeuropäische Staatsanleihen liegen mit 217 Basispunkten erstmals über jenen für Osteuropa.

Negative Dynamik

Getrieben werden die Zinsaufschläge von Portugal. Für den südeuropäischen Staat haben sich die Zinsen auf zehnjährige Staatsanleihen auf den Rekordstand von 7,1 Prozent erhöht. Das ist der höchste Wert seit Einführung des Euros. Ministerpräsident José Sócrates betonte zwar, dass die jüngsten Budgetzahlen positiver ausgefallen sind. Auch das Wachstum lag 2010 nach Schätzung der Zentralbank zwischen 1,3 und 1,4 Prozent. Doch an den Märkten wird spekuliert, dass das Land ob seiner hohen Schulden von über 80 Prozent der Wirtschaftsleistung unter den EU-Rettungsschirm schlüpfen muss. Jürgen Michels, Europa-Volkswirt bei Citigroup, geht davon aus, dass die Rettung Portugals "nur eine Zeitfrage" sei: "Portugal wird schnell gezwungen sein, den Rettungsschirm in Anspruch zu nehmen." Denn insbesondere der verschuldete private Sektor würde dem Staat noch Probleme bereiten, so Michels.

Am Freitag sorgte zudem die Schweizerische Nationalbank für Druck auf die Anleihen. Die Zentralbank akzeptiert portugiesische Anleihen nicht mehr als Sicherheiten, ein Schritt, der im Dezember bereits für irische Papiere gesetzt wurde. Sicherheiten bei Zentralbanken müssen sowohl Bonitäts- wie auch Liquiditätsstandards erfüllen.

Die negative Dynamik ist nicht auf Portugal beschränkt. Auch belgische Bonds geraten unter Druck. Der zehnjährige Zinsaufschlag ist im Zuge der politischen Krise auf über 1,1 Prozent gegenüber Deutschland gestiegen.

Vorteil der weichen Währung

Der Euro wurde in dieser trüben Nachrichtenlage auf unter 1,30 gegen den US-Dollar gedrückt. Doch langfristig gesehen sei das eine zu geringe Abwertung, um die Euro-Peripherie wettbewerbsfähig zu machen. So warnt Charles Gave vom Hongkonger Analysehaus Gavekal vor einem zu starken Euro: "Wenn der Euro bei 1,30 stehenbleibt, steht der Eurozone ein turbulentes Jahr bevor." Denn die Unternehmen der PIGS-Staaten könnten ihre Wettbewerbsfähigkeit mit einem schwächeren Euro wiedererlangen. Dafür bräuchte es eine Abwertung von zumindest 15 bis 20 Prozent, so Gave. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9.1.2011)

  • Für Portugal (Bild: Lissabon) haben sich die Zinsen auf zehnjährige 
Staatsanleihen auf den Rekordstand von 7,1 Prozent erhöht.
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    Für Portugal (Bild: Lissabon) haben sich die Zinsen auf zehnjährige Staatsanleihen auf den Rekordstand von 7,1 Prozent erhöht.

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