Älter oder jünger, jedenfalls unkaputtbar

7. Jänner 2011, 18:52
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Alle gut gerutscht? Wir sind sogar ausgerutscht!

Die Urlauber haben uns Sorgen gemacht und wir haben ausführlich über deren Schwierigkeiten auf den Flughäfen berichtet - abgesagte Flüge, lange Nächte auf kalten Hallenböden, schlechte Versorgung. Aber ein paar Winterstürme machen die Branche nicht kaputt, wir wussten auch über deren enorme Wachstumsmöglichkeiten zu schreiben: "Das Potenzial ist enorm: Während es etwa in den USA derzeit drei Flughäfen pro Einwohner gibt, ist es in Asien nur ein halber." Befürchtungen aus der Leserschaft, die USA könnten nur noch aus einer Rollbahn bestehen, für anderes bliebe kein Platz mehr, können leicht zerstreut werden. Gemeint waren drei Flugzeugplätze pro Einwohner, es geht also um das Beförderungspotenzial von Fluggesellschaften - anfangs ist das auch ganz richtig so dagestanden, dann hat jemand Schwierigkeiten mit der Bezugsgröße Flugzeugplätze pro Einwohner gehabt und die Sache verschlimmbessert.

Jedenfalls gilt auch für uns: So jung kommen wir nimmer z'samm. Das ist gut so, hat man diese Neujahrsbotschaft vor Augen: "Der durchschnittliche Standard-Leser ist erst 40,7 Jahre alt - es heißt also noch ein paar Jährchen durchtauchen, bis der Himmel endlich voller Geigen hängt." Das war gestern, die Statistik sagt uns, dass die durchschnittliche Leserin oder der durchschnittliche Leser 42,8 Jahre alt sind. Wenn also richtig ist, was wir dem Economist entnommen haben, dass das Leben ab 46 Jahren richtig schön wird, dann ist unsere Leserschaft den guten Zeiten etwas näher gekommen.

Dass es dabei immer wieder auch Streit gibt, gehört dazu, und wenn es Ehekräche sind - auch gut. Wenn es nicht um den Krach als Lärm, sondern um die Auseinandersetzung geht, kennt der Duden die Mehrzahlform Kräche, auch wenn das eine harte Prüfung für das Sprachempfinden ist.

An dieser Stelle ist eine Anmerkung zum Bildungssystem anzubringen. Wir erinnerten an die Großtat der Regentin Maria Theresia, 1774 die allgemeine sechsjährige Schulpflicht eingeführt zu haben. Die Erweiterung dieses bildungspolitischen Programms zur achtjährigen Schulpflicht im Jahr 1869 kann sie aber kaum noch veranlasst haben, sie starb 1780. Acht Jahre Grundschule verdanken wir Kaiser Franz Joseph I.

Ein Blick weiter zurück, wir schrieben über eine Sternexplosion, "die vor 957 Jahren etwa 6500 Lichtjahre von der Erde entfernt stattfand". Die Rechnung hat ihre Richtigkeit, wenn man akzeptiert, dass als Geburtsjahr einer Supernova das Jahr ihrer Entdeckung auf der Erde angenommen wird.

Einem Rückblick war zu entnehmen, dass Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi im vergangenen Jahr trotz vieler Affären unkaputtbar war. Vielleicht bedarf die Beschreibung von Ausnahmeerscheinungen ja eigener Wortschöpfungen, unkaputtbar hat sicher Potenzial. (Otto Ranftl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.01.2011)

 

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