Gewalt in Algerien hält an

7. Jänner 2011, 18:53
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Auch am Freitag gab es Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und Polizei in mehreren Städten

Algier - Der Zorn über gestiegene Lebensmittelpreise und eine hohe Arbeitslosigkeit hat sich in Algerien auch am Freitag in gewaltsamen Protesten entladen. In mehreren Städten kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und der Polizei. Die UNO warnte, dass steigenden Lebensmittelpreise wie vor zwei Jahren weltweit zu blutigen Hungerunruhen führen könnten.

Im Armenviertel Belouizdad (Belcourt) der Hauptstadt Algier bewarfen Gruppen von Jugendlichen die Polizei mit Steinen und Glasflaschen. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas gegen die Demonstranten ein. Auch in der bisher von den Protesten verschonten Stadt Annaba im Osten des Landes kam es im Anschluss an das muslimische Freitagsgebet zu Zusammenstößen, nachdem Jugendliche Steine auf Polizisten geworfen hatten, die ein Verwaltungsgebäude schützten.

Ähnliche Szenen gab es in der westlichen Küstenmetropole Oran, wo Dutzende Jugendliche Polizisten mit Steinen angriffen und daraufhin mit Tränengas beschossen wurden. Nach nächtlichen Unruhen war es am Freitagvormittag in Algier zunächst ruhig geblieben.

Kabinett berät

Die Proteste dauern seit mehr als einer Woche an. In einer ersten offiziellen Reaktion auf die Unruhen sagte der Jugendminister Hachemi Dijar, "Gewalt hat noch niemals Ergebnisse gebracht". Handelsminister Mustapha Benbada kündigte für Samstag Beratungen des Kabinetts über Maßnahmen zur Eindämmung der Preissteigerung an.

Die Wut der Demonstranten entzündete sich an den Anfang des Monats stark gestiegenen Preisen für Grundnahrungsmittel, richtet sich jedoch auch gegen die hohe Arbeitslosigkeit. Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge sind 75 Prozent der Algerier jünger als 30 Jahre, mehr als 20 Prozent von ihnen sind arbeitslos. Nach Angaben der algerischen Gewerkschaft der Händler und Handwerker stiegen die Lebenshaltungskosten zuletzt um 20 bis 30 Prozent. Am stärksten betroffen seien die Preise für Zucker und Öl.

Die UNO-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO) zeigte sich am Freitag beunruhigt über den weltweiten Anstieg der Preise von Lebensmitteln in den vergangenen sechs Monaten. Der Preis für Grundnahrungsmittel sei auf dem höchsten Stand seit 1990 und damit höher als zur Zeit der weltweiten Hungerunruhen 2008. Dieser Preisanstieg sei "sehr beunruhigend, da er Millionen Menschen trifft, vor allem wenn er Grundnahrungsmittel wie Getreide betrifft", sagte der FAO-Getreideexperte Abdolreza Abbassian in Paris. (APA)

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    Gewaltsame Proteste in Algier; nach Angaben einer algerischen Gewerkschaft stiegen die Lebenshaltungskosten zuletzt um 20 bis 30 Prozent.

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