Nur der Kneissl-Chef sieht bald Geld fließen

7. Jänner 2011, 18:36
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Andreas Gebauer über Konkursanträge in Tirol und nichtvorhandene Privatgeschäfte in der Mongolei

Wien - Andreas Gebauer sieht sich mit Kneissl zu Unrecht im Schussfeld der Kritik: Er hätte es sich einfach machen können und Konkurs anmelden, "aber ich tue nichts anderes, als den Betrieb am Leben zu erhalten und dafür zu sorgen, dass Lieferanten zu ihrem Geld kommen", sagt der Chef des Skiproduzenten dem STANDARD, nachdem er sich zuvor über Wochen so gut wie jeder Aussage über Kneissls finanzielle Turbulenzen entzogen hatte. Sein Standpunkt: Die Frist, wonach Scheich Al Jaber der Firma bis zum Jahreswechsel 1,2 Millionen Euro fürs Überleben zusicherte, gab es nie. Geld werde nächste Woche fließen - ein erster Schritt, dem weiteres Kapital folge. Al Jaber hätte Kneissl längst verkaufen können, hätte er das gewollt, Interessenten gebe es mehr als genug.

Er habe einen Teil der Gläubiger der Tirol GmbH bereits befriedigt, mit anderen Ratenzahlungen vereinbart. Die Ansprüche mancher Lieferanten erkenne er nicht an, entsprechende Verfahren seien gerichtsanhängig. Kneissl Tirol habe bei Lieferanten alles in allem Außenstände von "nur etwa einer Million Euro". Diese aber seit eineinhalb Jahren, klagen Gläubiger. Der frühere Eigentümer Fritz Unterberger hat gegen Kneissl erneut einen Konkursantrag gestellt, bestätigt Gebauer. Die Hochfügener Liftgesellschaft löst die Mietverträge mit Kneissl auf, fließt bis 10. Jänner kein Geld in die Starlounge, für die sie ein Gebäude baute - "einvernehmlich", sagt Gebauer.

Die Arbeit dürfte ihm auch ohne die Skifirma nicht ausgehen. Modefirmen und Architekten berichten über frühere Aufträge für ihn für ein mongolisches Textilwerk, in dem Gebauer als Investor die Fäden ziehe. Bindeglied sei die Handelsfirma Colana, an der er beteiligt ist. Unter der Marke Ezio Foradori, die früher Tiroler Loden gehörte, werde Cashmere erzeugt. Österreicher lieferten dafür dem Vernehmen nach Pläne für Factory-Geschäfte und Textilmuster. Er sei privat öfters in der Mongolei, was aber keinen was angehe, sagt Gebauer. Er besitze dort keine Firma, investiere nichts, sei in der Mongolei geschäftlich nicht tätig. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9.1.2011)

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