Öfter 'Nein' sagen und weniger aufschieben

9. Jänner 2011, 16:39
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Mit falsch formulierten Vorsätzen stellt man sich selbst ein Bein, erklärt Coach und Unternehmensberater Leopold Faltin

Der Jänner gibt nach Jahresabschluss und Inventur auch Gelegenheit für sanfte Psychohygiene im eigenen Job. Nicht nur das "Rauchenaufhören" bietet sich als Vorsatz fürs neue Jahr an, auch im Beruf verlangt so manche Eigenheit nach Rundumerneuerung.

"Vorsätze sind dem Wesen nach Ziele - oder sollten es sein", weiß der Wiener Coach und Unternehmensberater Leopold Faltin, ansonsten verkämen sie zum Ritual, nur weil es alle tun. Schon beim Formulieren gibt es einige Stolpersteine, die zum Scheitern prädestinieren. Ihnen kann aber durchaus intelligent aus dem Weg gegangen werden. Faltin hat dazu gleich mehrere Empfehlungen parat (alle Tipps sind hier zu lesen). Konjunktive wie "würde" oder "hätte gerne" sind nicht ratsam und möglichst konkret und positiv formuliert sollte das angestrebte Ziel sein. "Zur täglichen Erinnerung kann auch eine eingescannte handschriftliche Notiz als Icon auf dem Desktop fungieren", meint der erfahrene Coach. Gelegentlich seien Ziele auch auf Sinnhaftigkeit zu überprüfen - Interessen ändern sich schließlich im Laufe der Zeit.

derStandard.at/Karriere hat Leopold Faltin gebeten, sich fünf bekannte Vorsätze genauer anzusehen und vorzuschlagen wie es besser funktionieren könnte, dass aus der Wunsch-Theorie auch gelebte Praxis wird.

Ein viel getätigter Vorsatz unter Führungskräften lautet: 'Ich will mehr delegieren und nicht immer glauben, alles selbst machen zu müssen.' Angenommen, dass Vertrauensmangel gegenüber den Mitarbeitern das individuelle Hindernis ist, könne die individuelle Zielsetzung folgendermaßen lauten: "Ich habe Vertrauen in meine Mitarbeiter, übertrage ihnen zunehmend mehr Aufgaben und freue mich mit ihnen an ihren Erfolgen", so Faltin.

Die Umsetzung geschehe in Schritten entlang der Beantwortung folgender Fragen, meint der Coach: Was tue ich nicht gern und/oder nicht gut? Wem gegenüber habe ich genug Vertrauen, solche Aufgaben zu übertragen? Was bezweckt diese Aufgabe und wie erkläre ich das den Mitarbeitern? Was davon (inkl. gemeinsam erstelltem Zeitplan und Ablauf bei komplizierteren Aufgaben) kann ich ihnen voll und ganz überlassen? Wie stelle ich sicher, dass die Aufgabe auch vereinbarungsgemäß erledigt werden kann? Wie wahre ich dabei maximale Eigenverantwortlichkeit Mitarbeiter?

Ein Vorsatz, der wohl niemandem ganz fremd ist, lautet 'Ich will nicht mehr alles in letzter Minute machen und mir die Zeit besser einteilen.' Faltins Übersetzung des Vorsatzes in ein erreichbares Ziel: "Ich setze mir Termine, die mir Spielraum für eine letztmalige Überarbeitung lassen."

Hier sei es wichtig, bei größeren Aufgaben genügend kleine Teilaufgaben zu bilden, um leicht realisierbare Schritte zu erhalten. Etwa: "Die Struktur des Artikels habe ich bis zum Vormittagskaffee, die Sammlung von Rohtextpassagen bis Mittag, einen noch lückenhaften Gesamtentwurf bis 16 Uhr und den Artikel quasi fertig bis 18 Uhr. Bis zur Abgabe am nächsten Tag um neun Uhr ist immer noch Zeit ein paar Änderungen anbringen. "Die sind dann immer öfter gar nicht mehr notwendig und die Zeit kann anderweitig genützt werden. Wirkt auch Wunder gegen Verschieberitis."

'Ich will gelassener sein und positiv denken.' Auch ein löblicher Wunsch. "Ich sehe immer öfter das Angenehme, Interessante und Sinnvolle meiner Aufgaben und lasse das alles geduldig an mich herankommen." So ähnlich sollte dieser Vorsatz auf Ratschlag des Coaches umformuliert werden.

Mit Kleinigkeiten beginnen - die lassen sich selbst in Momenten der Verzweiflung noch immer finden. Hier gelte der fundamentale Grundsatz, dass die Energie der Aufmerksamkeit folgt: das, was gesehen, beachtet und gewürdigt wird, nimmt zu. Wer nur auf Fehler schaue, wird nur diese zum Wachsen bringen. Wer auf diesen Grundsatz vertraut, der/dem fällt der Erfolg wie von alleine in den Schoß, so Faltin.

Ein Schicksal, mit dem viele hadern: nicht 'Nein' sagen können. "Ich kenne meine Bedürfnisse und Grenzen und verteidige sie so, dass mich andere auch verstehen." So lautet die optimale Formulierung, meint Faltin.

In dem Zusammenhang sei vor allem zu erforschen, welche Bedürfnisse erfüllt beziehungsweise nicht erfüllt sind und welche Grenzen durch wen (selbst oder andere) verletzt werden, weil man nicht 'Nein' sagt. Das erfordere einen guten Kontakt mit dem eigenen Selbst. "Manche nennen es auch Bauchgefühl. Es hat jedenfalls immer mit Emotionen und nur selten mit dem Kopf zu tun."

Im nächsten Schritt gehe es darum, Wahrnehmungen, Bedürfnisse und Emotionen konkret und ohne Bewertung des Gegenübers auszudrücken und dann eine ebenso konkrete Bitte dazu zu äußern, wie etwa: "Ich bin es echt leid, Aufträge immer viel zu knapp zu bekommen - ich brauche dafür durchschnittlich ... Zeit. Bitte geben Sie mir diese". Diese Art der Kommunikation tue der eigenen Psychohygiene gut, weil sie Emotionen als natürlich zulässt. Sie sei auch die einzige Form, die Chancen hat, beim Gegenüber jene Empathie zu mobilisieren, die für die Erfüllung der Bitte unverzichtbar ist. "Auch hier ist es gut, mit Kleinigkeiten zu beginnen - etwa das verkrustete Kaffeehäferl der Kollegin nicht selbst auszuwaschen, sondern die obige Kommunikationstechnik daran zu erproben."

Wenn Unzufriedenheit im derzeitigen Job an der Tagesordnung ist und der Vorsatz lautet 'Ich will etwas ändern, nicht nur jammern', wird das nicht von heute auf morgen passieren. Auch hier gilt der Erfolg der kleinen Schritte: "Ich erkenne immer deutlicher den Sinn und Zweck meiner Arbeit und leiste täglich einen kleinen und doch wichtigen Beitrag dazu", rät Faltin als Zielformulierung.

"Bei Unzufriedenheit im Job gehe es immer darum, dass Sinn und Zweck der Arbeit nicht gesehen werden. Entweder, weil er nicht da ist (das ist dann wirklich der falsche Job), oder weil man sich selbst keine genügend attraktive Aufgabe gegeben hat - die den Job zur Erfüllung macht. Es erfordert einige Selbstreflexionsfähigkeit, hier alleine ans Licht zu finden." Das funktioniere, indem man sich im Selbstcoaching folgende Fragen stellt und sie auch gewissenhaft beantwortet: An welchem Endprodukt arbeite ich mit? Bin ich damit einverstanden? (Wenn nein, dann ist es der falsche Job). Was würde ohne mich (und ohne Ersatz) nicht oder nur unvollständig gelingen? (Wenn hier nichts Substanzielles kommt, ist es auch der falsche Job). Was befähigt mich, genau das zu leisten? Wo und wie kann ich diese Fähigkeiten noch besser einsetzen oder zur Wirkung bringen? Was kann ich dazu verändern? Wer wird mir dabei helfen? Wie bringe ich diese Person dazu, das für mich zu tun? Wann rede ich mit ihr darüber? Lösungsorientiertes Coaching pur, meint Faltin.

Wünschen will gelernt sein

Jeder einzelne der fünf betrachteten Neuerungs-Wünsche ist schon alleine aufgrund der Formulierungen nicht unmittelbar als Ziel geeignet. Mit falsch formulierten Vorsätzen oder Zielen stelle man sich ganz einfach selbst ein Bein, weil unser Unbewusstes viel pragmatischer mit Sprache umgeht als unser Verstand. Selbst das Wünschen will also gelernt sein, ist Faltin überzeugt.

"Alle erwähnten Themen sind übrigens Burnout-relevant und die Tipps dazu sind auch Strategien gegen Burnout", betont der Coach und spricht damit an, dass hinter guten Vorsätzen sehr wohl ein Sinn und häufig auch eine gefühlte Notwendigkeit steckt. (Marietta Türk, derStandard.at, 10.1.2011)

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Website von meincoach.at

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    Das neue Jahr mit Vorsätzen zu beginnen, bringt auch Tücken mit sich

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