Das umstrittene FPÖ-Erbe des BZÖ

  • Noch wollen Gerald Grosz (links) und Josef Bucher gemeinsam abheben. 
Angeblich möchte Bucher aber den lauten Grosz am liebsten aus dem Ballon
 werfen und allein aufsteigen.
    foto: apa/leodolter

    Noch wollen Gerald Grosz (links) und Josef Bucher gemeinsam abheben. Angeblich möchte Bucher aber den lauten Grosz am liebsten aus dem Ballon werfen und allein aufsteigen.

Schon wieder kommt das BZÖ wegen angeblicher FPÖ-Abweichler ins Gerede - Dazu plagen die Orangen Geldnöte

Wien - Kein Geld, aber jede Menge Nachred'. Die kleine orange Oppositionspartei kommt nicht zur Ruhe. Das BZÖ (Bündnis Zukunft Österreich) muss wegen knapper Finanzmittel den Gürtel immer enger schnallen, und jetzt zu Jahresbeginn kommen die Orangen überdies wegen angeblicher Parteiabspaltungen ins Gerede.

Grosz hat seinen Ranzen noch nicht gepackt

Parteichef Bucher hatte angemerkt, dass jene in seiner Partei, die noch immer mit der FPÖ liebäugeln, von dannen ziehen sollen. Und dabei fiel auch der Name des steirischen Parteichefs Gerald Grosz. Der Nationalratsabgeordnete war schon im letzten Jahr mit Bucher wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Parteilinie zusammengekracht. "Wir haben uns aber ausgesprochen", sagte Grosz am Freitag im Gespräch mit dem STANDARD. Mutmaßungen, er werde jetzt aus der Partei geworfen, seien "absolut unrichtig". Grosz: "Nein, ich habe meinen Ranzen noch nicht gepackt. Sepp Bucher hat mir versichert, dass er in der Zeitung 'Österreich' falsch wiedergegeben worden sei. Es gibt keinen Richtungsstreit." Auch er sei wie Bucher der Meinung, dass sich die Partei "rechts der Mitte" etablieren und sich von der Strache-FPÖ distanzieren müsse.

Nicht aber von den "freiheitlichen Idealen", fügte Grosz hinzu. Grosz: "Alle, auch Bucher, waren einmal bei der Haider-FPÖ. Das sind unsere Wurzeln." Das sei auch die politische Basis, auf der weitergearbeitet werden müsse.

Kein einziger oranger Landtagssitz

Vorerst muss das BZÖ jedenfalls noch den Sparstift ansetzen. Deswegen hat Bundesobmann Josef Bucher auch keinen Chauffeur, deswegen gibt es auch nur sehr kleine Büros und nur noch wenige bezahlte Funktionäre.

In ihrer letzten Bastion in Kärnten erreichte das BZÖ 2009 noch satte 45 Prozent. Kurze Zeit später, im Dezember, spalteten sich Landeshauptmann Gerhard Dörfler, Uwe Scheuch und eine Handvoll BZÖ-Mitglieder jedoch ab, übernahmen mit der Freiheitlichen Partei Kärntens (FPK) die bisherigen BZÖ-Sitze - und nahmen den Orangen jegliche verbleibende Einflussmöglichkeit. Seither gibt es sie nur noch auf Bundesebene. 16 Sitze im Nationalrat, viel mehr ist nicht übrig vom ehemaligen Glanz der einstigen Regierungspartei. Bei den letzten Wahlen schaffte es das Bündnis nicht mehr über die notwendigen Prozenthürden, die für einen Sitz in einem Landtag nötig sind.

Bis 2012 soll BZÖ schuldenfrei sein

In Wien erreichten sie gerade einmal 1,3 Prozent. Auch in der Steiermark reichte es nicht: Mit drei Prozent hinkte Spitzenkandidat Gerald Grosz aus dem Rennen. Danach stichelte er im Duett mit Klubobmannstellvertreter Peter Westenthaler lautstark gegen die Bundeslinie.

Parteichef Josef Bucher hält sich jetzt an den neuesten Umfragen fest, die dem BZÖ mit bis zu acht Prozent auf Bundesebene schmeicheln. Bei der letzten Nationalratswahl 2008 kamen 10,7 Prozent zusammen - damals noch mit Haider als Galionsfigur.

Bucher unterschreibt seit Monaten jede Rechnung persönlich. Sein Ziel: Das BZÖ soll 2012 schuldenfrei sein. Dann fällt der Startschuss für die Nationalratswahl. Die letzte Chance für die Partei, nicht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. (Julia Herrnböck, Walter Müller/DER STANDARD-Printausgabe, 8./9.1.2011)

 

 

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