Der Krebsnebel gibt Rätsel auf

7. Jänner 2011, 12:15
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Wegen seiner Konstanz galt er als "Standardkerze" - doch eine plötzliche Strahlungsänderung irritiert Astrophysiker

Innsbruck/Washington - Der Krebsnebel gilt als eines der besterforschten Objekte der Astrophysik. Seine Strahlung und damit auch seine Helligkeit gelten als so konstant, dass sie seit jeher als eine Art "Standardkerze" herangezogen wurden. Doch nun berichtet ein Team von Astrophysikern, dem auch Olaf Reimer von der Uni Innsbruck angehört, dass im September eine dramatische Intensitätsveränderung in der Gammastrahlung des Krebsnebels beobachtet wurde (Science online).

Klar ist, dass der Krebsnebel der Rest einer gigantischen Sternexplosion darstellt, die vor 957 Jahren etwa 6500 Lichtjahre von der Erde entfernt stattfand. Im Zentrum des Nebels befindet sich ein rotierender Neutronenstern (Pulsar), der die Quelle von hochenergetischen Elektronen und Positronen ist.

Bei den dramatischen Gammastrahlenausbrüchen wurden die Teilchen innerhalb weniger Tage mindestens auf Petaelektronenvolt-Energie (PeV=1015 eV) beschleunigt - das sind damit die höchstenergetischen Teilchen, die an einem astronomischen Objekt beobachtet wurden. Und genau das gibt den Astrophysikern Rätsel auf, wie Reimer erklärt.

Aufgrund der Kurzfristigkeit der Intensitätsänderung muss die Energie aus einem verhältnismäßig kleinen Gebiet im Krebsnebel entstammen. Die Frage ist, wie die Elektronen auf ihrer Bewegung entlang der Magnetfeldlinien in so kurzer Zeit zu derartigen Energien beschleunigt werden konnten.

Klar scheint nur, dass der Krebsnebel nicht mehr vorbehaltlos als Vergleichsmaß benutzt werden kann. Und wenn Standardkerzen flackern, so Reimer, "deutet sich auch das Ende einer Epoche an, in der wir die Hochenergiephänomene am Himmel einfach noch nicht genau genug charakterisieren konnten". (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 7. 1. 2011)

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    Der Krebsnebel galt bis jetzt als Musterbeispiel an Konstanz. Die wurde nun durch einen gewaltigen Strahlungsausbruch erschüttert.

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