Bildungsprogramm

ÖVP: Neue Mittelschule kommt, Hauptschule weicht, Gymnasium bleibt

7. Jänner 2011, 11:50
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    foto: standard/newald
  • Das ÖVP-Bildungskonzept "Unser Bildungsweg für Österreich".

Zehnprozentgrenze bei Neuer Mittelschule soll fallen - Hauptschule durch Neue Mittelschulen ersetzt werden

Monatelang hat man diskutiert, nun hat sich die ÖVP auf ein Bildungskonzept für den Kindergarten, die Volksschule, die Sekundarstufe I und die Oberstufe geeinigt. Heute Vormittag wurde es auf einer Pressekonferenz von Parteichef Josef Pröll, Wissenschaftsministerin Beatrix Karl und Generalsekretär Fritz Kaltenegger präsentiert.

Es soll ein "Angebot an den Koalitionspartner" sein, so Pröll. Drei Prinzipien liegen dem Programm zu Grunde, führt der Vizekanzler aus: "Fördern und Fordern", "Vielfalt statt Zwang" und "Das Beste für jedes Kind und nicht das Gleiche für alle". Angesprochen ist hierbei vor allem die Kernforderung der SPÖ, die Gesamtschule. Die Neue Mittelschule will die ÖVP nun jedoch als flächendeckenden Ersatz zur Hauptschule bei gleichzeitiger Beibehaltung des Gymnasiums. "Die Neue Mittelschule kommt, das Gymnasium bleibt", so Pröll.

Die wichtigsten Vorschläge im Detail:

Im Kindergarten will die Volkspartei "regelmäßige Sprachstandsfeststellungen" durchführen. Bei einer negativen Feststellung sieht das ÖVP-Bildungspapier „verpflichtende und ganztägige" Betreuungsformen im letzten Jahr vor dem Schuleintritt vor. Zusätzlich soll bei jedem Kind vor Schuleintritt die "Schulreife" überprüft werden. Reichen die Deutschkenntnisse nicht aus, soll „vor Schuleintritt ein Vorschuljahr" absolviert werden.

In der Volksschule soll es künftig nach dem Wunsch der ÖVP eine Bildungsvereinbarung zwischen Eltern und Schule geben. Damit soll betont werden, dass die Eltern für die Erziehung zuständig sind und nicht die Schule. Die "Grundkulturtechniken" Lesen, Schreiben, und Rechnen sollen im Zentrum stehen. Bei Sprachdefiziten soll es eine verpflichtende Sprachförderung am Nachmittag geben. Anstatt der innerhalb der ÖVP diskutierten Aufnahmeprüfung vor dem Eintritt in die Mittelstufe soll es "individuelle Bildungsempfehlungen" geben. Diese soll auch "sehr konkrete Hinweise in Richtung Schultyp" - also ob Gymnasium oder Neue Mittelschule - beinhalten - so Josef Pröll.

Die wohl größte Bewegung gibt es in der ÖVP bei der Schule der 10- bis 14-Jährigen. Die Zehnprozentgrenze für die Neue Mittelschule soll fallen, "die Hauptschulen werden zu neuen Mittelschulen aufgewertet". Das Gymnasium in seiner Langform soll jedoch erhalten bleiben. Das Gymnasium ist für die ÖVP unantastbar, "denn der Einheitsbrei führt zur Nivellierung nach unten", sagt Pröll. Vereinheitlichen will die ÖVP weitestgehend den Fächerkanon und die zu erreichenden Bildungsstandards, dadurch soll die Durchlässigkeit zwischen den beiden zukünftigen Schultypen der Sekundarstufe I gefördert werden.  Sowohl in der Neuen Mittelschule wie auch im Gymnasium soll ein "modulares System" den Übergang erleichtern. Wie auch schon in der Neuen Mittelschule, soll es im Gymnasium zu einer stärkeren Leistungsdifferenzierung kommen. Die genaue Form soll jedoch am Schulstandort bestimmt werden.

Insgesamt soll der Vollausbau der Neuen Mittelschule 130 Millionen Euro mehr kosten. Am Ende der Sekundarstufe I will die ÖVP eine "Mittlere Reife" einführen. Diese Zwischenprüfung in Deutsch, Mathematik, einer lebenden Fremsprache und zwei weiteren Fächern soll zum weiteren Schulbesuch in einer Oberstufe - ob Gymnasium oder Berufsbildende höhere Schule steht dem Schüler hier offen - befähigen. Die "Mittlere Reife" soll "ähnlich wie die teilstandardisierte Reifeprüfung" aussehen, so Karl.

Weiters will die ÖVP die ganztägige Betreuung - unter der Prämisse der Wahlfreiheit - ausbauen, die Schulautonomie soll gestärkt werden. Das Sitzenbleiben soll nur mehr "ultima ratio" sein, durch ein Modulsystem und Fördermaßnahmen soll schon "präventiv" dagegen gearbeitet werden. Nur noch in jenen Fächern in denen Defizite bestehen, soll das Modul wiederholt werden. Die Notenbeurteilung soll bleiben, hinzu kommen soll jedoch eine verbale Beurteilung.

"ÖVP kann diese Last nicht alleine stemmen"

Zusätzlich zu den Prüfungen und der Mittleren Reife sollen während der gesamten Schullaufbahn sogenannte "Talentchecks" durchgeführt werden. "Mehr Mut zur Elite", fordert Wissenschaftsministerin Karl. Durch die Talentchecks sollen Hochbegabte frühzeitig gefunden und gefördert werden.

Die ÖVP will mit ihrem Bildungspapier "auf den Koalitionspartner" zugehen, so Pröll. "Die ÖVP kann diese Last nicht alleine stemmen", so Fritz Kaltenegger und richtet sich unter Bemühung eines Kreisky-Zitats an den Koalitionspartner: "Lassen Sie uns dieses Stück des Weges gemeinsam gehen."

(seb, derStandard.at, 7.1.2011)

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goope
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10.1.2011, 10:07
ÖVP: " Eltern sollen mehr mit ihren Kindern lernen "

http://www.orf.at/stories/2035465/

Diese verdammte ÖVP. Es ist aufgabe des staatlichen Bildungssystems den Schülern (zumindest) Wissen und (ich wage zu träumen) selbstständiges Denken sowie selbstständiges Organisieren beizubringen.

Die Aufgabe der Eltern ist es ihre Kinder zu erhziehen, nicht ihnen Nachhilfe zu geben, weil das Bildungssystem versagt.

pacatianus
 
01
Schwindel

Das ist keine Schulpolitik, das ist einfach ein Betrug an der nächsten Generation. Dass die neue Mittelschule ein Etikettenschwindel sondergleichen ist weiß jeder Lehrer. Aber die Wald -und Wiesenpädagogen der ÖVP, die in Koedukation mit Kühen aufwachsen sind, werden solange es geht verhindern, das Österreich eine Zukunft hat.

sam duke
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teamwork is essential

it allows you to blame someone else.

quelle: unbekannt

AttenTexter
 
13
...

Einfache Rechnung:
Aus 3 Leistungsgruppen eine gemacht, dafür einen AHS-Lehrer (was in den meisten Fällen "Jungspund direkt aus der Uni heißt) "zusätzlich" rein in die Klasse.
Spart dem Staat in Summe eine Lehrkraft.

Und dann getrauen die sich noch davon zu sprechen, dass die Neue Mittelschule die heilige Kuh der Bildung sein soll???

W(ikileaks) T(ask) F(orce)???

Heavyweather
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über 40% mehr Werteinheiten!
Das bedeutet mehr Lehrerzeit pro Schüler.

Noch besser wäre eine Senkung der Klassenschülerzahl auf maximal 12.
In 20 Jahren sind wir vielleicht so weit, wenn es die ÖVP nicht mehr gibt und andere Kräfte die Wichtigkeit von Bildung verstanden haben.

suchoi7
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Schade, dass die Information fehlt.

Die Anzahl der Lehrerstunden wird erhöht!!! Angenommen ich habe 51 Kinder, das ergibt 3 Klassen und 3 D,M,F(Leistungs)gruppen. NMS erhält 4-6 Stunden pro Klasse dazu, was eine zusätzliche Gruppe ergibt. Wie ich die Stunden verteile ist (noch) schulautonom zu regeln. Teamteaching, Halbgruppenmodell, zusätzliche Kleingruppe, das kann so oder so geregelt werden.
Was kaum bedacht wird: Die einsetzende Pensionierungswelle erzeugt Lehrermangel. Daher werden für die zusätzlichen Stunden kaum Lehrer da sein.

ljack
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Das ist ja das Grandiose:

Die Politiker beschließen etwas, was sich einfach nicht umsetzen lässt. Aber weil ihre Idee ja so toll klingt, können sie sich entspannt zurücklehnen. Und weil man nicht vorhandene Lehrer auch nicht einstellen kann, muss man für sie auch kein Geld ausgeben.
Perfekt! Schulreform ohne Mehrkosten.
Gut, mit den Schulen geht es bergab und die Kinder haben das Nachsehen, aber das hat Politiker noch nie gestört...

superstring
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Gesamtschule

Es ist schon interessant... Alle sagen man könne mit 10 ja die Entwicklung nicht abschätzen... sprich man muss ja quasi alle in einen Topf stecken, Neue Mittelschule dazu sagen und Pisa wird automatisch besser.

Meine Erfahrung ist da eine ganz andere: Von 15 Schülern unserer Klasse in der VS waren 8 fürs Gymnasium geeignet und die sind dann auch dort hin gegangen, die anderen hätten es nicht geschafft, so ist das. Das Gymnasium abzuschaffen wäre ja das hirnrissigste gewesen, was ich je gehört habe...

Aber ich gebe anderen recht: Was die ÖVP macht ist dass man die Hauptschule in NEUE MITTELSCHULE umbennent, mehr eigentlich nicht...

Heavyweather
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Warum hätten die anderen es nicht geschafft?

Bist du das Bildungsorakel?

sam duke
22
die nms

ist der größte rückschritt in österreichs bildungsgeschichte.

R. Lexer
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Der größte Rückschritt der Bildungsgeschichte war es, die Neue Mittelschule parallel zu Hauptschule und Gymnasium einzuführen, um damit aus einem zweigliedrigen ein dreigliedriges zu machen.

Seien wir froh, dass dieser Schulversuch nicht zu einem Dauerprovisorium geworden ist.

perau1
 
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ja eh, da ist das retro-bildungsprogramm der övp unter gehrer ja sooo viel besser. denn alles was teuer ist muss doch gut sein - oder?
österr. hat das 4.-höchste bildungsbudget und dafür sind wir ja auch die 4. - allerdings das 4. schlusslicht.

wie immer hält die övp die wählerInnen für blöd, sie darf sich nicht wundern, wenn sie von ihnen bei der nächsten nr-wahl das danke erhält, dass schüssel 2006 bekam, weil er sich von gehrers retro-bildungs-programm nicht trennen wollte und der meinung war nur die elite hätte ein recht auf bildung.

R. Lexer
00

Wäre schön, wenn die ÖVP abgewatscht werden würde. Eher sieht es aber so aus, als würden die Wähler ausgerechnet dem, der bildungspolitisch wohl noch viel rückständiger ist, überlaufen: Strache.

ente52
 
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Heiße Luft
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nichts kommt, verstand weicht, dummheit bleibt!

Abendland
 
22
Diese ewige rote Zwangsnivellierung nach unten nervt.

Der Abbau von Leistungshürden ist vor allem für bildungsfern aufgewachsene Kinder unsozial, weil sie dann auch in der Schule nicht gezwungen werden, das zu lernen, was die Eltern versäumt haben. Als krasse Folge gehen etwa in der Wiener Brigittenau (ein Bezirk mit hohem Migrantenanteil) fast alle Volksschüler mit lauter Einsern ab. Obwohl viele weder Lesen noch Rechnen beherrschen.

perau1
 
11

woher haben sie ihre weisheiten?
övp-seminar? wie schreibe ich die övp-schön-kurs?
wie patze ich den koalitionspartner mittels mail, leserbriefe etc. an? wie schiebe ich wieder einmal einem anderen die övp-versäumnisse unter?
sie können einem wirklich leid tun.

J. R.
29

Meine ältere Tochter besuchte das Gym auch mit Segen Ihrer VS Lehrerin.. Ihre jüngere Schwester sollte nach Meinung Ihrer Lehrerin eigentlich in die HS. Beide haben maturiert. Die ältere mit Nachzipf und manchen Stress, ihre jüngere Schwester gab bald Nachhilfe und maturierte mit Auszeichnung. Soviel zur Selektion mit zehn. Menschen wie Pröll sollten bei Bildungsfragen sehr leise sein. Alleine der gestrige ZIB2 Auftritt war schon beschämend genug. Seine Aussage B&O-Elsner fern von jeder Realität. Spätestens beim berühmten auf „Punkt und Beistrich“ Sager, frage ich mich welche Schule dieser Herr wohl positiv abgeschlossen hat?

Der Unbekannte
01
Beschämand

sind auch die dummen Kommentar auf ihren Thread. Tatsache ist doch, daß man mit 10 Jahren gar nicht abschätzen kann, wie sich das Kind entwickelt. Förderung muß her. Egal, wie subjektiv so mancher Lehrer auch so manchen Kind keine Chance gibt. Selbst erfahren, und trotzdem gegen all die Schrottaussagen jetzt eine Keyperson. Und was da aus der Uni nachkommt erschreckt nicht nur mich.

Cornwell
22
Tja, und wenn sich die SPÖ schon in der Vergangenheit

durchgesetzt hätte, wäre keiner ihrer Töchter ins Gym gegangen.

perau1
 
01

sie wissen aber schon wer für die größte bildungsreform in österreich verantwortlich war?
wer ermöglichte, dass ALLE studieren konnten und nicht nur die kinder der sogenannten elite?
sie wissen sicher auch, wer seit jahrzenten alles was nach bildungsreform aussah von d.övp blockiert wurde, d.ihr retro-bildungsprogramm gegen jede verbesserung verteidigte?
sie können alles auch umgekehrt sehen: wenn kreisky u.d.spö ab 1970 nicht die größte bildungsreform gemacht hätte und das bildungssystem all d. jahrzehnte in händen der övp gelegen hätte - wie würde unser bildungssystem heute aussehen?
denken ist für viele övpler anscheinend luxus, sonst würden sie merken, d.österreich zwar d.4.teuerste bildungssystem hat aber am 4.-letzten platz liegt.

suchoi7
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Das wäre auch besser gewesen.

Die NMS ist eine "Gesamtschulverhinderungseinrichtung". Schmied und Co. glauben, in kleinen Schritten die ÖVP zu einer Gesamtschule "verführen" zu können. Das ist natürlich falsch. Das Gegenteil ist der Fall. In kleinen Schritten verrät die SPÖ ihr Klientel. Bitter für unsere Kinder. Es wäre ja auch noch schöner, wenn der Özcan in der gemeinsamen Schule neben dem Peter (Vater Architekt, Arzt, Anwalt usw.)sitzen könnte.

ricko
22
ein kurzer zusammenfassender kommentar zu den geschehnissen:

- die 'österreichische' gesamtschule ist ein desaster an den kindern und auf jeden fall abzulehnen. niemand hat angemerkt die bildungsausgaben zu verdreifachen, um skandinavische lehrer/schüler quoten zu erreichen. einfaches zusammenlegen in 32 schüler klassen ist monströs fahrlässig

- die SPÖ ist, da braucht man nichts beschönigen, umgefallen. wieder mal

- die nms ist die hs mit umgeschachtelten lehrprogramm. auch hier keine spur von investition. ein lehrer mehr pro klasse heißt nicht die lehreranzahl verdoppeln, sondern die zeiten neu einteilen

fazit: nichts geschehen, aber viele leute auf den arm genommen (sehr erfolgreich, siehe postings)

Heavyweather
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Bisschen mehr Information für dich.
NMS
über 40% frei einteilbare Werteinheiten (Förderunterricht).
Klassenhöchstschülerzahl 24.
Lehrplan=Gym Lehrplan inklusive Zweige, Sprachen,...
Kein Unterschied zur AHS Unterstufe.
Umgestellte Schulen haben weiter eine AHS Oberstufe.

ricko
10
sehr gut heavyweather

genau so ist es und wird es auch sein. dein kreuz auf liste 2 nicht vergessen und immer brav in die kirche gehn,

j.pröll

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