Tom Sawyer und Huck Finn nun in "politisch korrekter" Version

6. Jänner 2011, 21:24

Neuauflage ohne "schädliche Beiworte" - Scharfe Kritik von Bürgerrechtler

Montgomery  - Gut 100 Jahre nach dem Tode Mark Twains erscheinen seine beiden bekanntesten Bücher in den USA jetzt in einer "politisch korrekten" Version. Die neue Auflage der Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn werde um zwei "schädliche Beiworte" bereinigt sein, teilte der Verlag NewSouth Books in Montgomery, Alabama, mit. Welche Worte das konkret seien, ging aus der offiziellen Erklärung nicht hervor.

Es hatte sich allerdings schon herumgesprochen, dass die Worte "Nigger" und "Injun", die als Schimpfwörter für Schwarze und für Indianer gelten, nicht mehr in den Büchern vorkommen. Dutzende Medien in den USA berichteten über die Neuerscheinung  - unter Verwendung der Umschreibung "N-Wort" -, teilweise sehr kritisch. 

Statt der 219 "N-Wörter" soll jetzt einfach das Wort "Sklave" im Text stehen, statt der "Injun", das man vielleicht mit "Rothaut" übersetzen könnte, "Indian". Das seien "zwei weniger verletzende Wörter",  hieß es seitens des Verlages.

Die Zensur war von Politikern und Aktivisten einer "politischen Korrektheit", die in puritanischer Tradition auf Weltverbesserung durch Sprachverbesserung hoffen,  immer wieder gefordert worden; an vielen Schulen sind Mark Twains Jugendliteratur-Klassiker schon verboten.

Scharfe Kritik kam von dem schwarzen Schriftsteller und Bürgerrechtler Ishmael Reed. Offenbar hätten die Zensoren die Bücher gar nicht verstanden, schrieb er im "Wall Street Journal". "Warum zensieren sie dann nicht die schwarzen Autoren, die das Wort verwenden? ... Zensieren wir dann auch Liedtexte? Zum Beispiel beim Musical 'Show Boat'? Und Hip-Hop, wie wir es kennen, wäre tot."

Statt auf Wörterjagd zu gehen, sollten die Zensoren die 130 Jahre alten Bücher lieber mal lesen. "Sie würden feststellen, dass der 'Nigger' Jim mehr Tiefgang und Profil hat als die Schwarzen, die man heute in Film, Theater und Literatur findet." (APA)

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Posting 1 bis 25 von 60
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Zitronenbaum
00
10.1.2011, 13:29
Mag ich nicht, könnt ihr behalten.

Wer dieses Buch auch noch kauft ist selbst schuld. Zum Glück gibt es aber verschiedene Auflagen, sodass man solch einen Unsinn umgehen kann.

vheissu
02
Twain zu zensieren ist barbarisch!

Gerade die Herausforderung, das N-Wort in dem sozialen und textimmanenten Kontext zu interpretieren, würde dieses hervorragende Buch doch für den Unterricht besonders fruchtbar machen...

AltFreak
03

Ich weiß, ich wiederhole mich...
Aber George Orwell ist aktueller als jemals zuvor.

Entropix
03
politisch korrekt

ist das Äquivalent zu intellektuell inkorrekt ;-)

systemfehler1
01
Einen festen Huscher ham die schon.

Bin neugierig, wenn die ersten deutschen Moral- Sprachwappler das Götz Zitat entsschärfen wollen:
"Er habe die Güte mich an den Ausläufern meines Rückens mit seiner Zunge zu liebkosen!" - oder so.

Villón wird in F verboten, Bukowsky weltweit.

Einfach nur hirnrissig.

Poldi Fesch
00
sobald sie es

verstehen werdens das Heidenroeslein verbieten, darauf wart ich schon seit geraumer Zeit

Club-der-dichten-Toten
04

Echt widerwärtig.
Da sieht man, wo diese ganze political correctness hinführt. Ist doch wirklich lächerlich.

KTHXBYE
01

Das ganze politisch korrekte Gezuppe möge lieber früher als später an seinem eigenen zusammengekniffenen Arsch zugrundegehen.

muhme
00
das ist diese saublöde reflex-politik

ein wort - eine reaktion. sind die zensoren frühe PISA -opfer, die nicht mehr sinnerfassend lesen können? wie kann man so was tun? jeder, der mark twain lesen kann, versteht seine menschlichkeit und die kritik an den zuständen im süden amerikas dieser zeit - einen anitrassisten wegen seiner wortwahl, die für seine arbeit unumgänglich war und seine kunst definiert, zu zensieren, ist das letzte!

Wurzelloser Kosmopolit
03
Die Zensur ist unangebracht. Denn im Gegensatz zum noch eher harmlosen Tom Sawyer ist Huckleberry Finn keine Jugendliteratur, sondern steht klar in der Tradition klassischer Schelmenromane.

Die zwei Helden, der Whitetrash Unterschichtler Finn und sein treuer Begleiter, beinah schon ein Sancho Pansa, der "Nigger" Jim durchleben das ganze Abenteuerspektrum der Südstaaten von Rassismus, Sklaverei, Pieätismus, Familienfehden, Puritanertum bis hin Seperationismus.
Es ist eine einzige Gesellschaftskritik, natürlich in rustikalem Humor verpackt.

So ein Buch darf gar nicht politsch korrekt sein.
Oder waren es vielleicht ein Grimmelshausen, ein Grass oder Cervantes im Verhältnis zu ihrer Zeit ?

Ausserdem:
Fast das ganze Buch ist nicht in Schriftenglisch geschrieben, sondern in Dixie, einem Art Südstaatendialekt.
Twain hat sich ganz bewusst dafür entschieden, ebenso wie er dabei den damals umgangsprachlichen Wortschatz einbaute.

RaceOfficer
 
00
Longhorn schau oba, it´s Dixie-time!

"das ist karl, mein sohn. die eher subintelligente frucht meines leibes"

wir schreiben das jahr 2111. die zensurbehörde hat einstimmig entschlossen das ordinäre konvolut einer eingehenden reinigung ihres wortschatzes zu unterziehen.

der mundl wird reformiert. basta!!

danach im jahr 2011 aufwachen und schreckensbleich und schweissnass im bett zu sitzen, wird nach einem solchen albtraum wohl erlaubt sein dürfen.

ein oarschloch bleibt ein oarschloch. auch wenn wir es heute, wie damals und wohl auch in der zukunft nicht so nennen sollen.

so hat halt jedes volk sein dixie.

und mir mein wort oarschloch. hehe

bekennender Schlechtmensch
00
Nicht aufregen.

Die Amis sind - fast - schon Geschichte.

Sherlock85
02

Das gleiche bei Agatha Christie und ihrem großartigen Krimi "Ten little Niggers" - der Titel ist am Kinderlied "Zehn kleine Negerlein" angelehnt, weil von anfangs 10 Leuten alle der Reihe nach sterben. Ein echter Klassiker, der nicht mehr unter dem Originaltitel erscheint, sondern in der deutschen Version mit "Zehn kleine Zinnsoldaten" (sic!!!) oder "Und da gabs keines mehr" erscheinen. Echt traurig diese p.c., es geht hier um ein Kinderlied!

Alpha-Wolf
03
So politisch korrekt das sein mag ...

... ist es doch Dokumenten- und Geschichtsfälschung. So haben die Menschen damals nicht gedacht und nicht gesprochen. Ist (in zugegebenermaßen überspitzter Form) so, als würde man die Ausdrucksweise des NS-Regimes verniedlichen.

RaceOfficer
 
09
Bitte nix ändern!!!

die literatur ist das kind ihrer zeit. zu twains zeiten gab es halt "nigger". gelebter sprachgebrauch. man sollte in einem appendix nur erklären und aufzeigen, dass sich der sprachgerauch im lauf der zeit eben geändert hat. bücher sind denkmäler aus vergangenen zeiten. man soll dem leser schon zumuten können zu wissen, wie damals die gesellschaft getickt hat.
vielleicht können manche leser damit auch animiert werden sich ein wenig fremdzuschämen. (ein neues wort. werden nächste generationen dieses wort noch kennen wollen??)

in der literatur unliebsame begriffe zu ändern, hieße, den geschichtlichen kontex zu ändern.

das wäre das wahre verbrechen an der geschichte.

The Chaos Path
00
ich sag nur eins....

http://www.archive.org/details/texts

sollen sie doch zensieren, die effen.

Literat
00
Nichts Neues

Das ist doch nicht das erste Mal, dass in der Literatur ein Begriff durch einen anderen ersetzt wird. Erinnert sei nur an den großen Bur­Malottke, der dem armen Dr. Murke damit soviele Mühe machte. Und "1984" gab es dafür sogar schon einmal ein eigenes Ministerium.

joergipoergi
21
Find ich gut

wenn man danach (und nur dann) konsequenterweise, die Bibel von wissenschaftlichen Unsinn befreien würde. DAs fände ich politisch korrekt.

mfg

Eadwulf der Fette
08
an vielen Schulen sind Mark Twains Jugendliteratur-Klassiker schon verboten

Die Welt ist KRANK.

nachtdenker
 
03
grenzt irgendwie an geschichtsverfälschung

die menschen haben früher nunmal oft das n wort verwendet. das ist ein historischer fakt oder?

der zukünftigen generationen von twainlesern verwehrt werden soll.

n*gger & sklave sind NICHT dasselbe...

Johannes Benn
00
.

irgendwie ist sklave aber das noch herabwürdigerende wort oder?:-)

Flann O'Brien.
01
Bitte sofort das Alte Testament verbieten!

Ein Märchenbuch, das vor Gewalt und Rassismus nur so strotzt!

franz der freie
 
05
seltsame moral.

der ku klux klan darf in amerika unbehelligt arbeiten. die haben auch eine homepage und spendenkonten bei allen banken. auch die neonazis gehören in amerika fest zur kultur und werden von niemanden verfogt. aber meine jugendliteratur umschreiben. in meiner jugend habe ich auch "mein kampf" gelesen. ich bin schon gepannt auf die umgeschriebene version. dieses buch kan man in amerika im originaltext überall kaufen.

joergipoergi
00

Das letzte mal gesehen am Flughafen in Chicago.

opti
03
der nächste schritt

ist dann die religionspolizei....

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