Kärntner Kulturpolitik

Im Geiste Jörg Haiders: "A Gaude muass sein"

6. Jänner 2011, 19:22
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    foto: ap/eggenberger
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    Harald Dobernig Anfang 2009 als BZÖ-Wahlkämpfer

Kärntner Kulturpolitik: Das Musikschulwesen floriert, das Brauchtum feiert fröhliche Urständ. Und die freie Szene darbt

Vor mehr als zwei Jahren katapultierte sich Jörg Haider ins Jenseits. Die Kärntner Kulturpolitik wird von dessen Büroleiter Harald Dobernig in seinem Sinne fortgeführt.

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Klagenfurt - Er warte nur darauf, sagte Jörg Haider süffisant zu Valentin Oman, dass er endlich das Land verlasse. Dies hatte der Kärntner Slowene zwar nie in Aussicht gestellt. Die Drohung, Kärnten den Rücken zu kehren, war von Giselbert Hoke geäußert worden. Oman hatte bloß geschworen, nicht mehr in der Heimat auszustellen, solange Haider Landeshauptmann sei. Und dieses Versprechen hielt er konsequent ein.

Doch seit etwas mehr als zwei Jahren ist Haider, der die Kultur zur Chefsache erklärt hatte, tot: Bis Ende Jänner zeigt Oman in der Personale "Nazaj (Zurück)" an drei Schauplätzen in Villach all das, was in den letzten 13 Jahren entstand. Die Stadt Villach, die ihm 2003 den Kulturpreis verliehen hat, sei, sagt er, "ein etwas anderes Aquarium. Den Dobernig hingegen hätte ich nicht sehen wollen."

Denn mit der Kulturpolitik des Landes will Valentin Oman nach wie vor "nichts am Hut" haben: Die Aussprüche von Kultur- und Finanzreferent Harald Dobernig (FPK), der gesagt haben soll, keine Bücher zu lesen, würden ja schon zeigen, "wessen Geistes Kinder wir als Kulturpolitiker" hätten. Zudem hätte sich, so Oman, im Land nichts geändert: Haider lebe weiter.

Kein Wunder: Jungspund Dobernig, Jahrgang 1980, war von 2005 an Haiders Büroleiter. Er exekutierte u. a. die finanzpolitischen Geschäfte mit der Hypo-Alpe-Adria-Bank. Nach Haiders nächtlicher Raserei übernahm er die Kulturpolitik.

Omans Einschätzung teilen manche. Denn abgesehen vom Desaster Wörtherseebühne gab es einen "Kulturkampf", den Haider ab 1999 gegen die schon in SP-Zeiten nur halbherzig geförderte freie Szene führte. Das damals erzeugte Vakuum bleibt bestehen: Von einst vier Off-Bühnen in der Landeshauptstadt gibt es nur mehr das Klagenfurter Ensemble. "Es gibt auch keine Tanzszene in Kärnten", so Angelika Hödl, Obfrau des Dachverbandes IG Kikk. "Es gibt kaum Kindertheater und nichts im Bereich neue Medien. Es fehlen ganze Sparten."

Gerhard Pilgram vom Unikum ergänzt: "Die Szene wurde total ausgedünnt. Dobernig verwaltet nur das Erbe von Haiders Kulturpolitik." Diese sei "minderheitenfeindlich" - sprich: kaum Geld für slowenische Initiativen - und "heimattümelnd". Dass Kikk und Unikum keine Subventionen vom Land bekommen: Wen wundert es?

Dobernig sieht das alles natürlich ganz anders. Die Unterstellung, dass er keine Bücher lese, sei "der Witz des Sommers 2010" gewesen: Er lese sehr wohl, derzeit "Das Mädchen im See" von Egyd Gstättner, aber er lese nicht mehr, wenn er nach vielen Terminen um Mitternacht heimkäme.

Auch Kritik prallt an ihm ab. Das Unikum habe nach Haiders Tod ein Problem bekommen: "Es ist nicht so attraktiv, sich an Dobernig zu reiben." Und Oman sei nur jemand, der Jörg Haider verwendete, um sich selbst in den Vordergrund zu spielen.

Dobernig beteuert, er versuche, Kultur zu ermöglichen, und lasse sich dabei nicht von seinem persönlichen Geschmack leiten. Als Beispiel führt er das Choreografische Zentrum an, das in Bleiburg entstehen soll. Mit von der Partie ist Johann Kresnik - und dieser zähle "sicher nicht zu unseren politischen Freunden".

Im Gespräch mit dem "Standard" zählt Dobernig die Schwerpunkte der letzten Jahre auf: der Ausbau des Musikschulwerks samt der neuen Musikakademie in Ossiach und der Kultursommer. Nun werde die Messehalle 11 als Mittelbühne etabliert, spätestens im Februar stehe die neue Leitung für das Landestheater fest.

Dass die freie Szene mehr Geld als früher bekomme, wie Dobernig behauptet, lässt sich an den Zahlen der Kulturberichte nicht wirklich ablesen. Auffällig ist aber eine Diskrepanz: Einerseits listet man penibel jede 100-Euro-Förderung auf, andererseits schafft man größtmögliche Intransparenz. Im Bericht 2009 werden 328.424,65 Euro als "diverse Zahlungen" bezeichnet - u. a. für die 10.-Oktober-Feier, das Haus der Volkskultur und "A Gaude muass sein".

Überhaupt macht das Kapitel Brauchtums- und Heimatpflege Staunen: Mit Subventionen bedacht wurden hunderte Trachtenkapellen, Sängerrunden, Gesangsvereine, Volkstanzgruppen, Abwehrbünde; die Brauchtumsmesse erhielt 337.774 Euro, der Heimatherbst 431.171. Insgesamt flossen 2,16 Millionen in die Brauchtumspflege: "Dazu stehe ich zu 100 Prozent", sagt Dobernig. "Diese 2,37 Prozent des Kulturbudgets sind zumutbar."

Josef E. Köpplinger, der scheidende Intendant des Landestheaters, sieht es gelassen. Gegenüber dem "Profil" fragte er sich, was ihn mehr aufregt: dass sich Dobernig "eher für Volkskultur und Finanzen begeistern kann" - oder dass Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) keine einzige Vorstellung besuchte. Womit der Ball wieder beim Bund wäre. (Thomas Trenkler/ DER STANDARD, Printausgabe, 7.1.2011)

 

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IG Kultur Österreich
01
11.1.2011, 17:39
Und was sagt die KIK?

Kulturinitiativen in Kärnten: Laut veröffentlichtem Kärntner Kulturbericht 2009 beträgt das Kulturbudget 36,9 Mio. Laut Standard 68,6 Mio. Da sind vermutlich sämtliche Personalkosten der Musikschullehrer und Ausgaben für alles Mögliche und Unmögliche, die aus anderen Abteilungen finanziert werden, mit dabei. Die Zahlen aus anderen Abteilungen werden aber nicht veröffentlicht.

Lt. Kulturbericht 2009 erhalten "Kulturinitiativen und - zentren" in Summe 127.465 euro !!!!!
Der Anteil am Kulturbudget (36,9 Mio) beträgt daher mikrige 0,35 %
(Zum Vergleich: 2001 waren es 0,53% und 1999 lag der Anteil noch bei 0,93%.)

*lol*lol*
10

Das ist ein skandal! eh klar: alle politischen depperln und kirchenlichterln haben angst vor der sprengkraft von kritischer, zeitgenössischer kunst!

IG Kultur Österreich
00
11.1.2011, 17:01
Gute Serie, jedenfalls!

Selten wurde in österreichischen Medien in der Form Landeskulturpolitik gegenüber gestellt. Insbesondere die Arbeit von Kulturinitiativen wird sehr selten beleuchtet, daher von unserer Seite Anerkennung. Ob Vorarlbergs freie Szene (inkl. Blasmusik) wirklich einen derartig hohen Anteil (29,14%) am Budget hat, lässt sich vielleicht nicht verifizieren. Nach Berechnungen der IG Kultur Vorarlberg sind es eher 9,02%. Interessant wäre jedoch der Anteil des Kulturbudget am Landesbudget, der nach unserem Wissen in keinem der Länder die 4% Marke übersteigt.

Gobi Todic
12
So ein Clown

Zuerst im Interview (mit der kleinen zeitung) großartig verkünden keine bücher zu lesen und dann wieder einen auf "diese linxlinkn medien haben mich absichtlich falsch zitiert um mich blöder darzustellen als ich eigentlich bin" machen.

gr.ado
 
11

... dieser Dobernig ist nicht nur fachlich eine Niete ...

Nutze den Tag
02
Der Skandal und die Provokation ist heute das Schöne und Angenehme.

Erbärmliche "Aufrüttelversuche" von manchen "Künstlern" werden schon von der ZIB bei weitem übertroffen, täglich!

astrein
01
Brücken bauen

Es ist noch nicht alles verloren: Mit der "Brücke" hat Kärnten eine einzigartige Plattform für Kunst und Kultur aller Volksgruppen, Farben und Facetten - seit 111+1 Ausgaben!

http://www.bruecke.ktn.gv.at

Bleibt zu hoffen, dass es mind. weitere 111 geben wird!

E.Dietl
20
Dobernig!

Guter Mann...:)

Wir sind die Guten!!
00
ja sinngemäß aus dem slowenischen!

Susanne_B
22

Was erwartet man in einem Land, in dem der ORF 'die millionenshow' als Bildungsfernsehen verkauft, und der Geschaeftsfuehrer dennoch nicht mit nassen Fetzen verjagt wird?

*lol*lol*
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so viele nasse fetzn gibts ja gar net um da finales ramatama zu machen!

ravenna
32

Locker 3/4 der Weltbevölkerung würden sicher sehr gerne mit Ihnen tauschen und in "so einem Land" leben.

Wer wie Sie alles in Österreich schlecht redet, mag zwar anders ein, aber trotzdem keinen Deut besser, als das FPK/BZÖ/FPÖ-Gesindel.

*lol*lol*
00

was, soviele altnazis hat die weltbevölkerung? beeindruckend!

HugoGrotius
12
KÄRNTEN

wird euch standard leser wohl immer beschäftigen, nicht? :-)

*lol*lol*
00

und? wen störts?

Cle Mens
00
18.1.2011, 02:07
leilei

charley franchini
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weil ihr kein standardleser seid?

Wir sind die Guten!!
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euch nicht-standard-leser-aber-trotzdem-poster wohl auch, oder?

Soboscy
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über 90 Mio für Kultur!

und ich dachte Kärnten sei pleite.

invodaseibua
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es sollten wieder mehr fäkalkünstler gefördert werden.

1010001010001010010
00
30.3.2011, 19:42

ich steh ja nicht so auf realistische kunst.

*lol*lol*
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die passen ja dann perfekt in ein land, wo sehr viel sch####e heilig gesprochen wird!

Cle Mens
01
18.1.2011, 02:09

Dann solltest du gefördert werden.

charley franchini
01

braune sauce abwehrbund

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