Obama wechselt neue Spieler in sein Team ein

6. Jänner 2011, 18:50
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Erfahrene demokratische Politcracks sollen in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit das Match machen

Im Weißen Haus dreht sich das Personalkarussell: Barack Obama wechselt fast all seine Topberater aus. Frische Gesichter sollen seinen Politikschwenk, einen resoluten Marsch in die Mitte, überzeugender verkaufen, als es die alte Mannschaft tun könnte.

Die Rochade ist umso bemerkenswerter, weil der amerikanische Präsident, vom Naturell her eher zur Vorsicht neigend, Veränderungen im persönlichen Umfeld eigentlich scheut. Die neue Kräftebalance, das Erstarken der Republikaner im Kongress, lässt ihm jedoch kaum eine Wahl. Die aufrückenden Adjutanten sind zumeist abgebrühte Veteranen, die sich aufs Kompromisse-Schmieden mit den Konservativen verstehen.

Neuer Chefökonom der Machtzentrale soll Gene Sperling werden, bisher Assistent von Finanzminister Tim Geithner. Bekannt als lupenreiner Pragmatiker, hatte er den Posten schon einmal inne, von 1995 bis 2000 unter Bill Clinton. "Gene, the Machine" hieß er damals, weil er arbeitete wie ein Besessener und sich mit einem Minimum an Schlaf begnügte. Sperling, der am Freitag offiziell ernannt werden soll, tritt an die Stelle von Larry Summers, der an die Universität Harvard zurückkehrt. Während der Clinton-Jahre hat er ein Gesetz zum Abbau der Staatsschulden ausgearbeitet. Schon deshalb gilt seine Berufung als Signal, dass es das Oval Office ernst meint, wenn es die Verringerung des rekordhohen Haushaltsdefizits zur Priorität erklärt.

Beschlossene Sache ist auch, dass Pressesprecher Robert Gibbs spätestens Ende Jänner seinen Hut nimmt. Der Südstaatler aus Alabama will sich nach eigenen Worten vom Stress erholen, Reden halten und seinem Idol Obama aus der Ferne beratend zur Seite stehen. Überraschend kommt sein Ausscheiden nicht. Gibbs erledigt schon seit 2004 Obamas Medienarbeit. Als er anfing, schickte sich der damals unbekannte Juraprofessor gerade an, in den Senat zu Washington einzuziehen und damit die nationale Bühne zu betreten. Nach sechs Jahren täglicher Mühle stand Gibbs die Erschöpfung zuletzt immer öfter ins blasse Gesicht geschrieben.

Zeitgleich mit ihm nimmt David Axelrod seinen Hut. Bis dato politischer Chefstratege, soll er in seiner Heimatstadt Chicago an einem Konzept für den nächsten Präsidentenwahlkampf basteln. Axelrods Platz wird David Plouffe einnehmen, ein Perfektionist, der 2008 eine beispiellose Graswurzelkampagne organisierte, die Obama beim Duell der Demokraten gegen die Favoritin Hillary Clinton siegen ließ.

Pete Rouse, ein stiller Strippenzieher, im Herbst auf Abruf zum Stabschef gekürt, wird durch William Daley ersetzt, Spross einer Politikerdynastie, die seit dem Zweiten Weltkrieg fast ununterbrochen den Bürgermeister der "Windy City" Chicago stellte und als Inbegriff mittelwestlichen Klüngels gilt. Daley sitzt zurzeit im Vorstand von JPMorgan Chase. 1993 hatte ihn Clinton zum Sonderberater gemacht, um das Freihandelsabkommen Nafta durch den Kongress zu bringen. Von 1997 bis 2000 war er Handelsminister. Danach leitete er den Wahlkampf Al Gores, der nach umstrittener Stimmenauszählung den Kürzeren gegen George W. Bush zog. (Frank Herrmann aus Washington/DER STANDARD, Printausgabe, 7.1.2011)

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    David Plouffe (Obamas Wahlkampfmanager) wird Chefberater im Weißen Haus.

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    Gene Sperling könnte sich um Wirtschaftsbelange kümmern...

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    ...William Daley wird Kabinettschef.

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