Banker mit überhöhter Geschwindigkeit

6. Jänner 2011, 18:52
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Gerhard Gribkowsky gilt als kommunikationsfreudiger Macher, Lebemann und Genießer

Gerhard Gribkowsky sollte auf Vorstandsebene die Finanzrisiken für die Bayerische Landesbank kleinhalten. Doch offenbar ging er andere Risiken ein - was zu Deutschlands größtem Korruptionsfall werden könnte. Der Vorwurf: Gribkowsky soll die Formel-1-Anteile der Bank verkauft haben, ohne zuvor den Wert ermitteln zu lassen. Für dieses Entgegenkommen habe er, getarnt über zwei Beraterverträge, 50 Millionen Dollar erhalten.

Erst vor einer Woche erschien der 52-Jährige bei der Münchener Staatsanwaltschaft und beichtete das heimliche Millionenvermögen, das er in einer österreichischen Privatstiftung geparkt hatte. Auf dieses waren die Beamten zu diesem Zeitpunkt bereits gestoßen.

Im Februar des Vorjahres wurde Gribkowsky in München als Beschuldigter in der Causa Hypo Alpe Adria einvernommen. Die Beteiligung an der notverstaatlichen Kärntner Bank kostete den Freistaat fast vier Milliarden Euro. Damals gab er an, er besitze eine Immobilie, in der seine Mutter lebe, die aber mit 300.000 Euro belastet sei, und ein Aktiendepot von 300.000 Euro. Die Stiftung erwähnte er nicht.

Am vergangenen Mittwoch kam die Staatsanwaltschaft zu ihm nach Hause in den vornehmen Münchener Vorort Grünwald, um ihn wegen dringenden Tatverdachts zu verhaften. Ihm werden Veruntreuung von Vermögen der Landesbank, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung in Millionenhöhe vorgeworfen.

Macher und Lebemann

Gribkowsky kam 2003 von der Deutschen Bank zur BayernLB. Er galt als kommunikationsfreudiger Macher und auch als Lebemann und Genießer. Früher sah man ihn mitunter im mondänen, protzigen Umfeld der Formel-1-Rennstrecken.

Als er 2008 nach dem Skandal um den Kauf der maroden Hypo Alpe Adria und Verlusten mit US-Immobilienpapieren in Milliardenhöhe vorzeitig den Sessel räumen musste, bekam er für seinen bis 2012 laufenden Vertrag noch jährlich 500.000 Euro von der Bank.

Die Zahlungen wurden erst im Herbst des Vorjahres gestoppt. Seither ist Gribkowsky Privatier. Dass er das bleiben kann, ist seit Mittwoch ziemlich sicher. Der Finanzmanager dürfte wissen, was nun auf ihn zukommt: Er hat einst in Freiburg in Jus promoviert.

Vertraut auf Gribkowsky hat auch Hans Peter Haselsteiners Strabag-Konzern. Bis zur Hauptversammlung 2010 war er im Aufsichtsrat der Strabag, derzeit ist er Aufsichtsrat in deren deutscher Tochter Züblin und einer österreichischen Beteiligungsholding im Strabag-Umfeld.  (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.1.2011)

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    Gerhard Gribwkowsky wurde am Mittwoch in München verhaftet.

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