Morgenstern macht ÖSV-Hattrick perfekt

6. Jänner 2011, 18:06
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Nach Loitzl und Kofler sorgt der Kärntner für das Tournee-Triple - Hilde gewinnt Abschluss in Bischofshofen vor dem Tourneesieger

Bischofshofen - Tom Hilde hat die Party nicht wirklich gestört. Der Norweger gewann das Dreikönigsspringen in Bischofshofen, ansonsten gab es ein österreichisches Festival. Der Kärntner Thomas Morgenstern (24) als Zweiter vor Andreas Kofler ist gleichzeitig überlegener Sieger der 59. Vierschanzentournee. "Er wollte nicht unbedingt Erster werden", also wurde Morgenstern von Cheftrainer Alexander Pointner erklärt, "und genau deshalb ist er jetzt Erster." Pointners Skispringer haben es oft genug gesagt, dass sie "nicht Ergebnis-orientiert", sondern "aus Spaß" springen wollen. Aus Spaß wurde Sieg, das lässt sich sagen.

Zur Orientierung das Ergebnis: in Bischofshofen, vor 30.000 Zusehern, siegte Hilde vor Morgenstern, Kofler, dem Schweizer Simon Ammann sowie den Österreichern Martin Koch und Manuel Fettner. Insgesamt verwies Morgenstern ("Bin nur happy") den Schweizer Simon Ammann und Hilde auf die Plätze, dahinter landeten Fettner und Koch.

Würdiges Finale

Im Finale war Fettner auf 135, Koch auf 140,5 Meter gesegelt, dann verkürzte die Jury den Anlauf. Ammann (140) wurde von Kofler (139, 5) geschlagen, Morgenstern (135) hätte fast noch Hilde (132) geschnappt. Der Kärntner war im K.o.-Duell des ersten Durchgangs just auf seinen ersten Verfolger in der Gesamtwertung Simon Ammann getroffen. Er setzte sich mit 136 Metern durch, ohne dass Ammann (133) wirklich k.o. gegangen wäre - Lucky-Loser-Regel. Allein Hilde (138) flog weiter als Morgenstern. Und Morgenstern hatte 33,2 Punkte (18 Meter) zwischen sich und Ammann gelegt. Der Schweizer blieb erster Verlierer, wie 2009, als er sich nur dem Steirer Wolfgang Loitzl geschlagen gab. Damals hatte Ammann schon in Oberstdorf verhindert, dass Loitzl den zweiten Grand Slam nach Sven Hannawald (2002) schaffte. Diesmal vergab Morgenstern schon in Garmisch-Partenkirchen als 14. diese Chance.

ÖSV-Cheftrainer Pointner bilanzierte "zufrieden und glücklich", auch und gerade wegen des nach einem Durchgang abgebrochenen zweiten Springens. Die Tournee sei noch nie und auch diesmal "nicht leicht zu gewinnen" gewesen. Die Schlappe in Garmisch mit Koch als bestem Österreicher auf Rang zehn war "der Knackpunkt" für Pointner. "Keiner meiner Athleten hat sich zu einem verbalen Rundumschlag hinreißen lassen."Das spreche für die Ruhe im Team, die sich auch in Innsbruck äußerte, wo trotz gelungener Revanche "keine Heldensagen" zu hören waren.

Zwölf ÖSV-Gesamtsiege, drei en suite

Bradl, Pürstl, Neuper, Vettori, Goldberger, Widhölzl, Loitzl, Kofler. Und seit gestern: Morgenstern. Die Liste der heimischen Tournee-Gesamtsieger. Dank Morgenstern hat Österreich sozusagen die DDR abgehängt, nach dem zwölften ÖSV-Erfolg - da Neuper, Vettori und Goldberger je zweimal triumphierten - liegt nun bloß noch Finnland (16) voran.Morgenstern checkte den dritten ÖSV-Sieg en suite nach Wolfgang Loitzl (2009) und Andreas Kofler (2010). Es ist erst der zweite "Hattrick" in der Tournee-Geschichte. Den ersten schaffte ein einziger Norweger, Björn Wirkola, der 1967, '68 und '69 alle überflügelte.

Wirkola, mittlerweile 67 Jahre alt, war ein, daran erinnern sich auch nicht mehr alle, herausragender Sportler. Zunächst kombinierte er nordisch, beispielsweise 1964 in Innsbruck, wo er Olympia-Elfter war. Dann konzentrierte er sich aufs Springen, wobei er neben drei Tourneen auch zwei WM-Titel gewann. Nach seiner Skikarriere begann Wirkola professionell zu kicken, holte mit Rosenborg Trondheim 1971 das norwegische Double.

Das wäre in etwa so, als würde Morgenstern bei Rapid Wien anheuern. Vorerst konzentriert er sich auf die Nordische WM in Oslo (Ende Februar). Dort könnte er seine Sammlung komplettieren. Olympiasieger war er, Weltcup-Gesamtsieger war er, Tournee-Gesamtsieger ist er, Weltmeister war er auch, aber "nur" im Team. Oslo könnte ihm den fehlenden Einzel-Titel bescheren. Dann stünde er auf einer Ebene mit Weißflog, Funaki, Nykänen und Bredesen, die gewonnen haben, was es zu gewinnen ist. "Ja, das ist mir bewusst", sagt Thomas Morgenstern. Mit Ergebnis-Orientierung hat das klarerweise nichts zu tun. (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe 07.01.2011)

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    Thomas Morgenstern hat sich einen weiteren Skispringer-Traum erfüllt.

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    Nur einer hat die Tournee noch nicht gewonnen: Gregor Schlierenzauer.

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