Poker um den Nationalpark-Status

6. Jänner 2011, 17:45
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In Salzburg wird erneut über eine Stollenbahn auf das Schareck debattiert - Bislang gibt es keine konkreten Projektpläne

Salzburg - Ist eine unterirdische Stollenbahn aus dem Salzburger Gasteinertal hinauf zum Mölltaler-Gletscher-Skigebiet auf der Kärntner Seite des 3122 Meter hohen Schareck mit dem Nationalpark Hohe Tauern vereinbar? Diese Frage beschäftigt derzeit die Salzburger Landespolitik - wieder einmal, denn neu ist die Idee nicht. Sie wird von den Gasteiner Touristikern in schöner Regelmäßigkeit seit Jahrzehnten an die Politik herangetragen.

Die Fronten sind klar: Auf der einen Seite stehen die Fremdenverkehrswirtschaft im Gasteinertal und die Bauwirtschaft. Ihr Hauptargument lautet: Eine unterirdische Bahn würde den Nationalpark nicht tangieren, da die Oberfläche nicht berührt würde. Finanziert werden könnte das Projekt von einem Konsortium rund um Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner, heißt es.

Auf der anderen Seite stehen Alpenverein, die Grünen und der Naturschutzbund. Ihr Hauptargument: Die Stollenbahn mitten durch die Kernzone würde den Nationalpark als Gesamtes gefährdet. Die Salzburger Politik sei "außer Rand und Band", entrüstet sich beispielsweise der Leiter der Naturschutzabteilung des Alpenvereins, Peter Haßlacher.

Neue Landesrätin

Die Salzburger Landesregierung hält sich bedeckt. Im Büro der zuständigen Landesrätin Tina Widmann (ÖVP) verweist man auf eine noch nicht abgeschlossene Willensbildung. Widmann sei erst seit November im Amt und müsse sich erst ein Bild machen. Auch eine Anfrage der Grünen an die Neolandesrätin brachte keine Klarheit. Widmann beantwortete die Frage nach ihrer persönlichen Meinung nur mit dem Verweis auf das geltende Nationalparkgesetz.

Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) wiederum lässt auf Anfrage des Standard ausrichten, man könne und wolle Widmann die Entscheidung nicht abnehmen.

Die Rechtsexperten der Landesregierung hingegen sprechen hinter vorgehaltener Hand von einer Scheindiskussion. Nach der aktuellen Gesetzeslage wäre die Bahn nicht genehmigungsfähig. Selbst wenn der Landtag als Gesetzgeber das Nationalparkgesetz mit einer "Lex Schareck" ändere, könnte die Bahn nicht so einfach gebaut werden. Der Nationalpark sei nach EU-Recht als Natura-2000-Schutzgebiet ausgewiesen. Salzburg würde also ein Vertragsverletzungsverfahren riskieren.

Dazu kommt freilich auch noch, dass es vorerst keine wie auch immer gearteten konkreten Projektpläne gibt. So müsste beispielsweise - gerade nach der Brandkatastrophe von Kaprun im Jahr 2000 - die Frage nach Rettungsstollen geklärt werden. Für den Fall, dass für die kilometerlange Bahn Stollen an die Oberfläche nötig wären, würden im Nationalparkgebiet auch an der Oberfläche bauliche Eingriffe vorgenommen werden. Und das wiederum wäre mit jeder Nationalparkidee unvereinbar. (Thomas Neuhold/DER STANDARD, Printausgabe, 7.1.2011)

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  • Der Mölltaler Gletscher. Für den Tourismus wäre eine neue Stollenbahn 
auf das Schareck wünschenswert. Doch Alpenverein und Naturschutzbund 
fürchten um den Nationalpark Hohe Tauern.
    foto: privat

    Der Mölltaler Gletscher. Für den Tourismus wäre eine neue Stollenbahn auf das Schareck wünschenswert. Doch Alpenverein und Naturschutzbund fürchten um den Nationalpark Hohe Tauern.

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