Westerwelle: "Ich werde kämpfen"

6. Jänner 2011, 23:22
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Umstrittener Parteichef ruft Partei zu Geschlossenheit auf und ignoriert Kritik

Die massive Kritik an seiner Person ignoriert FDP-Chef Guido Westerwelle beim Dreikönigstreffen der Partei völlig. Auch von Rückzug ist keine Rede. Stattdessen verbreitet der umstrittene Parteivorsitzende seine frohe Kunde: Dank der FDP stehe Deutschland gut da.

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Stuttgart/Berlin - Nicht jeder, der im ehrwürdigen Stuttgarter Staatstheater auf der Bühne steht, kann sich einer solchen Aufmerksamkeit sicher sein. Mucksmäuschenstill ist es, als FDP-Chef Guido Westerwelle am Donnerstag beim traditionellen Dreikönigstreffen seiner Partei das Wort ergreift.

Wochenlang hat er sich zur Kritik an seiner Person nicht geäußert, umso heftiger schossen in dieser Zeit die Gerüchte ins Kraut. Von freiwilligem Rückzug war die Rede, später dann sogar von Putsch. Weil, so der Tenor hinter vorgehaltener Hand in Berlin: So könne es ja nicht weitergehen. 14,6 Prozent hatte die FDP bei der Bundestagswahl im September 2010 eingefahren. Jetzt, 15 Monate später, liegt sie in Umfragen bei drei bis vier Prozent.

Doch Westerwelle ist bester Laune, als er zu jener Rede ansetzt, die Medien zuvor als "Rede seines Lebens" eingestuft haben. Er strahlt und lächelt, er grüßt auch Gegner des Stuttgarter Megabahnhofs 21 freundlich, als diese kurz die Veranstaltung stören und ein Transparent enthüllen. "Lasst es hängen, ist doch nett", meint er generös.

Schließlich gibt ihm das kurze Intermezzo auch Gelegenheit, sich als Kämpfer darzustellen. "Wer ein Land führen will, muss bereit sein, Durststrecken zu ertragen." Aber von schweren Zeiten will Westerwelle eigentlich gar nicht reden. Lieber von den guten, den momentanen also. Die Arbeitslosigkeit sei so niedrig wie lange nicht, alle Deutschen (in Ost und West) lebten in Freiheit, es herrsche ein "fröhlicher Patriotismus", die schwarz-gelbe Regierung habe begonnen, die Steuern zu senken und die Familien zu entlasten. Selbst einen minimalen Ansatz von Selbstkritik erstickt Westerwelle gleich selbst wieder, als er die Leistungen der Koalition aufzählte: "Natürlich kann man sagen: Das reicht noch nicht. Einverstanden. Aber man kann auch sagen: Der Anfang stimmt."

Überhaupt zeigt sich Westerwelle von der Debatte um seine Person völlig unbeeindruckt: "Mir ist ein schwieriges Dreikönigstreffen lieber, bei dem es Deutschland gutgeht, als ein einfaches Dreikönigstreffen, bei dem es Deutschland schlechtgeht."

Einen möglichen Rückzug beim Parteitag im Mai spricht er ebenfalls nicht an. Im Gegenteil, Westerwelle macht klar, dass er die FDP weiterhin führen will: "Wir werden kämpfen, ich werde kämpfen."

Und dann klatschen sie alle höflich und lächeln: etwa Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die Westerwelle vor ein paar Tagen noch die Rute ins Fenster gestellt und mehr Engagement sowie eine "inhaltlich-pointierte" Rede gefordert hatte. Ebenso die beiden "Youngsters", Gesundheitsminister Philipp Rösler und Generalsekretär Christian Lindner, die auch vor dem traditionellen Dreikönigstreffen (in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung) mehr thematische Breite in der FDP verlangt hatten. Westerwelle winkt fröhlich. Er weiß, diese Runde hat er fürs Erste gewonnen. (Birgit Baumann/DER STANDARD, Printausgabe, 7.1.2011)

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    Guido Westerwelle will kämpfen.

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    Der FDP-Chef verteilt beim Dreikönigstreffen Almosen.

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