Erst schießen, dann reden

9. Jänner 2011, 16:47
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Über virtuelles Tomatenwerfen und Verabredungen zum Skifahren

Im Web 2.0. war es vergangene Woche weihnachtlich ruhig, das Parlament ist nach seinen Marathonsitzungen in der Weihnachtspause und viele Politiker weilten auf Urlaub. Die einen öffentlichwirksam, wie Maria Fekter, die bei der Vierschanzen-Tournee den österreichischen Sportlern die Daumen drückte. Andere urlauben weniger öffentlichkeitswirksam, wie Werner Faymann in Lech - ohne Bilder. Wieder andere geben zuerst ein Interview und fahren dann auf Urlaub - wie Peter Pilz mit Selbstportrait auf Facebook.

So begann für die Grünen das Jahr mit einer internen Meinungsverschiedenheit, die extern (online) ausgetragen wurde und wird. Ausschlaggebend dafür war eben das Standard-Interview mit Peter Pilz, wo er eine weitere Öffnung der Gemeindebauten für Zuwanderer ablehnt. Die Reaktionen seiner Parteifreunde folgten schneller als erwartet. Besonders die Wiener Grünen zeigten sich empört.

Will Pilz die Fekter der Grünen werden?

Dass die Grünen sich nicht immer einig sind, ist nichts Neues. Jetzt geht es aber um eines ihrer Kernthemen, das auch im Wiener Koalitionsabkommen verankert ist. Gemeindebau-Bewohner Pilz verlässt durch seine Aussagen die Parteilinie und löste eine emotionale Debatte auf Facebook, Twitter und in diversen Blogs aus. Klaus Werner-Lobo, Menschenrechts- und Kultursprecher der Wiener Grünen postete auf Facebook „ist verärgert über Peter Pilz und Philipp Sonderegger hat recht". Unter seinem Status entbrannte bald eine intensive Diskussion. Dazu der Link zu Sondereggers Blog, der seine Empörung in dem Blogeintrag „Verteilen von Armen statt Wohlstand" ausdrückt. Er schreibt, durch die Distanzierung von der klassischen Grünen Position will Pilz die Partei mehrheitsfähig machen und selbst Innenminister werden. Der Kurswechsel scheint auch Pilz selbst zu überraschen und er präzisiert daher seine Position in seinem eigenen Blog.


Der öffentliche Aufschrei prominenter Grüner fehlt: Weihnachtszeit = Urlaubszeit. So war auch Maria Vassilakou für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Zur Diskussion möchte auch Franz-Josef Huainigg, Nationalratsabgeordneter und Behindertensprecher der ÖVP, aufrufen. Auf seiner Homepage wählt er dazu ein etwas unorthodoxes Mittel- Er lässt Besucher mit virtuellen Tomaten auf sich werfen. Als Reaktion auf jeden Treffer fragt Huainigg „Wollen sie nicht lieber mit mir reden?". Huainigg will, dass die Menschen ihre Aggressionen gegen Politiker freien Lauf lassen können und die Gründe dafür ausdiskutieren. Ein offenes Ohr eines Politikers für die Anliegen seiner Wähler ist immer gut, aber ob er damit den Grant der Menschen auf Politiker besänftigen kann, ist fraglich.

In der ZiB 2 waren rund um den Jahreswechsel die Parteichefs als Studiogäste eingeladen. Am 3. Jänner war Eva Glawischnig, Bundessprecherin der Grünen, an der Reihe. Bereits im Vorfeld rief Moderator Armin Wolf die Twittergemeinde dazu auf, ihm Fragen zu schicken. Ob er tatsächlich Fragen übernommen hat, ist unklar bis unwahrscheinlich. Fest steht aber, dass der Auftritt von Glawischnig auch in der Twittergemeinde mitverfolgt wurde. Besonders ihre Einschätzung der Grünen Performance im vergangenen Jahr traf nicht nur auf Zustimmung.

2011 ist Kreisky Jahr

Am 22. Jänner 2011 ist der hundertste Geburtstag von Bruno Kreisky - 2011 ist Kreisky Jahr mit zahlreichen Feierlichkeiten. Robert Misik widmete seinen ersten Video Blog im neuen Jahr dem Sonnenkönig: "Was würde Bruno Kreisky heute sagen".

Sowohl im Forum als auch auf Twitter rief diese "Fast-Huldigung" geteilte Reaktionen hervor. Nicht nur Misik lässt Kreisky auferstehen:  atpolitics stellte die Frage "Schlafen Sie auch gut, Herr Pröll?" mit diesem zeitgeschichtlichen Clip verlinkt.

Und um abschließend über den Tellerrand zu blicken: Alle, die sich gefragt haben, was Arnold Schwarzenegger jetzt mit seiner vielen Freizeit anfangen wird, nachdem er nicht mehr Gouverneur von Kalifornien ist: Er nützt seine sozialen Kontakte und verabredet sich zum Schifahren...

(mte, derStandard.at, 9.1.2011)

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