Die Flops des Jahres

5. Jänner 2011, 19:46
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Von der NFC West über die San Diego Chargers und die Dallas Cowboys zur überharten Regelauslegung

NFC West

Auch NFC Waste genannt ist sie die Division des Schreckens. Schlechter Football, schlechtes coaching, schwache Teamführung querbeet.

Arizona ist nach dem Abgang von Kurt Warner dort angekommen, wo auch St. Louis nach seinem Abgang war: Am Boden der Tatsachen. Die NFL ist eine quarterback Liga. Punkt. Die Jets sind die Ausnahme der Regel. Derek Anderson war nie ein fähiger NFL quarterback. John Skelton wird auch keiner. Max Hall und Richard Bartell - netter Versuch. Der „quarterback" mit dem besten rating ist wide receiver Steve Breatson (79.2). Bei zwei Pässen ist das nicht ernst zu nehmen, aber das genannte Quartett findet man nicht nur statistisch in der tiefsten Etage des Profifootballs wieder.

Die San Francisco 49ers haben mit Mike Singletary einen tollen postion coach und netten Menschen engagiert. Als head coach war er jedoch völlig überfordert. Von seinen Spielern wegen seiner offensichtlichen strategischen Mankos belächelt, angeschrien und schließlich von den Besitzern viel zu spät gefeuert.

Die St. Louis Rams haben es zwar wieder einmal nicht in die Playoffs geschafft, dafür können sie wenigstens hoffen. Mit quarterback Sam Bradford ist Licht am Ende des Tunnels zu erkennen. Der goldene Junge braucht „nur" noch fähige receiver. Die Niederlage im Saisonfinale gegen Seattle sprach in die Richtung Bände.

Die Seattle Seahawks haben es als erstes Team in der Geschichte der NFL geschafft, mit einem losing record (7-9) eine Division zu gewinnen. Das sagt alles über die NFC West. Gratulieren dazu werden ihnen in einer Woche die New Orleans Saints, denn die Seahawks haben gegen den Super Bowl Champion Heimrecht in der Wild Card Runde. Der Playoff Modus der NFL wird wieder einmal öffentlich debattiert und hinterfragt. Vox populi: Die Seahawks haben unter den besten zwölf Teams der Liga einfach deshalb nichts verloren, weil sie tatsächlich nur die Nummer 18 sind. Ein Argument, welches nicht von der Hand zu weisen ist. Außer für die Seahawks natürlich.

San Diego Chargers

Die Bolts stellten Anfang 2010 ihren ehemaligen Superstar LaDanian Tomlinson vor die Tür, der nun bei den New York Jets einen mehr als nur schönen Karrierewinter verbringt. Der runningback wollte mit 30 noch nicht zum alten Eisen gehören und hat Heißhunger auf einen Ring. Der Abgang allein kann es aber nicht gewesen sein, dass die Truppe von Norv Turner den Einzug in die Playoffs verpasst hat. Fast erniedrigend die Niederlage gegen Cincinnati, die das Scheitern am Minimalziel klar machte. In San Diego stellt man seit längerer Zeit hohe Ansprüche. Nur gerecht wird man diesen nie. Fragwürdiges playcalling und oft schlecht durchdachte gameplans, lassen selbst ein Team mit unglaublichen Talenten (Philip Rivers, Antonio Gates, Vincent Jackson, DIESE Defense) dann immer noch schlecht aussehen. Von den Raiders regelrecht vorgeführt und von den Kansas City Chiefs als Divisionsherren abgelöst, behält Turner trotzdem seinen Job. Ein Fehler mehr.

Dallas Cowboys

So schön hatte man sich das in Texas vorgestellt. Am 6. Februar findet in Arlington, im Stadion der Cowboys, die 46. Super Bowl statt. Und bei „Americas Team" war alle darauf ausgerichtet an dieser teilzunehmen. Bloß die Mannschaft, die spielte bei dem Plan nicht mit. Eine Niederlagenserie kostete head coach Wade Phillips den Job, quarterback Tony Romo beendete seine Saison mit einem Schlüsselbeinbruch, danach ging es mit dem Oldie Jon Kitna als Spielmacher und Interimstrainer Jason Garrett zwar wieder aufwärts, das Playoff versäumten die „boys" am Ende trotzdem klar.

Neben Phillips und dem erwähnte Childress verloren ihre Jobs als Cheftrainer außerdem bisher Tom Cable (Oakland), Josh McDaniels (Denver), Mike Singletary (San Francisco), John Fox (Carolina) und Eric Mangini (Cleveland). Am Schleudersitz befindet sich Jeff Fisher (Tennessee), der quarterback Vince Young los werden will, was die Teambesitzer eher nicht wollen.

Über(harte) Regelauslegung

Die NFL versucht mit einer ständigen Überarbeitung ihres Regulativs die Sicherheit ihrer Spieler zu erhöhen. Das ist an und für sich auch gut so. Nur man kann es auch übertreiben. Die überarbeitete Regel „hitting a defenseless Player" sorgte für Kopfschütteln und Entrüstung vor allem bei Spielern der Defensive. Es geht darum, dass ein ballträgender Spieler, der sich eines kommenden hits (u.U. von der „blind side") nicht bewusst ist, nicht im Kopf- und Nackenbereich „gehittet" werden darf, sondern im besten Fall an der Brust oder Schulter. Liest sich am Papier wunderbar, ist in der Praxis, in der solche Situation oftmals in Zehntelsekunden passieren, nicht immer umzusetzen. Es gibt auch keinen Spieler in der NFL dem nachgesagt wird, er würde mit voller Absicht seinen Gegner in den Rollstuhl schicken wollen. Dazu kam noch eine erkleckliche Anzahl von Falschauslegungen der Regel seitens der Schiedsrichter, die in der Geschwindigkeit nicht erkannten, ob ein hit nun gegen den Kopf, oder doch - wie erwünscht - gegen die Schulter ging. Das alles konnte den NFL Commissioner Roger Goodell nicht davon abbringen zum Teil hohe Geldstrafen gegen Spieler auszusprechen. Vince Lombardi wird angesichts dessen wohl in seinem Grab rotieren. Das bekannteste Zitat des legendären Green Bay Trainer, nach dem auch die Super Bowl Trophäe benannt ist: "Football is not a contact sport, it's a collision sport - dancing is a contact sport." (Walter Reiterer; 5. Jänner 2010)

Zur Person

Walter Reiterer ist Herausgeber und Chefredakteur des Online Football-Magazins "Football-Austria". Er schreibt für das Print Magazin „KICK OFF“ und ist Kommentator der NFL-Spiele auf PULS 4.

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    Die Chargers präsentierten sich von ihrer dunklen Seite.

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