Darabos entdeckt Charme des Berufsheers

5. Jänner 2011, 17:25
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SPÖ will Berufsheer mit Freiwilligenmiliz - Generalstabschef Entacher: Kolportierte Zahlen falsch

Wien - Laut "Kurier" ist der Generalstab des österreichischen Bundesheers mit der Erstellung unterschiedlicher Modelle zur Aussetzung der Wehrpflicht fertig. Demnach gibt es sieben Modelle, die von einem reinen Berufsheer bis zu diversen Mischformen reichen.

Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) deutete in der "Tiroler Tageszeitung" neuerlich an, dass er seine Meinung geändert hat und jetzt zu einem Ende der Wehrpflicht tendiert: "Eine Berufsarmee mit einer Freiwilligenmiliz hat durchaus einen gewissen Charme."

SPÖ-Modell mit nur gering höheren Kosten

Das von der SPÖ favorisierte Modell besteht aus einem Berufsheer und einer Freiwilligenmiliz. Die Rekruten werden durch Milizsoldaten ersetzt, die Personalkosten steigen nur geringfügig.

Einige der erarbeiteten Modelle bezeichnen die Planer des Bundesheers laut "Kurier" aber ohnehin als unrealistisch, etwa in Hinblick auf die Rekrutierung der Milizsoldaten und die Finanzierung.

Entacher: Modell-Berechnungen liegen nicht vor

Der Chef des Generalstabs, Edmund Entacher, dementierte umgehend die vom "Kurier" publizierten Zahlen zu den neuen Bundesheer-Modellen. Es kursierten jetzt viele Zahlen und Berechnungen: "Die tatsächlichen Varianten werden dann der Öffentlichkeit präsentiert, wenn sie fertiggestellt und vom Herrn Bundesminister freigegeben sind", sagte Entacher, der höchste Offizier des Bundesheers, in einer Aussendung. Darabos will die Modelle in den nächsten zwei Wochen vorlegen.

Die vom "Kurier" veröffentlichten - und vom Generalstab dementierten - Zahlen besagen, dass das Bundesheer von einem Gesamtrahmen von etwa 55.000 Mann ausgeht. Die Differenz zu den unterschiedlichen Berufspersonalständen werde durch Miliz ausgeglichen. Allerdings würden Militärs bezweifeln, dass die gebrauchten Berufs- und Milizsoldaten aufbringbar sind.

Modell 1 bis 7

Modell 1 ist ein Vergleichsmodell zum heutigen Bundesheer mit 15.000 Berufssoldaten, 9000 Zivilbediensteten, 12.000 Wehrpflichtigen und 19.000 Milizsoldaten.

Beim Modell 2 werden bei gleichbleibender Größe Rekruten und Milizsoldaten durch Berufssoldaten ersetzt. Die Planer schätzen es als unrealistisch ein.

Modell 3 (SPÖ-Favorit) besteht aus Berufsheer und Freiwilligenmiliz. Modell 4 ist ein Auslandseinsatzmodell, bei dem ein kleiner Kader Berufssoldaten nur Auslandseinsätze und Luftraumüberwachung wahrnimmt. Beim Modell 5 ist eine kleine Berufstruppe ausschließlich für Inlandsaufgaben zuständig. Beide Modelle werden laut "Kurier" von den Bundesheer-Verantwortlichen als unrealistisch eingeschätzt.

Modell 6 wäre ein Mischheer mit selektivem Grundwehrdienst und Freiwilligenmiliz. Es geht davon aus, dass sich jährlich Grundwehrdiener freiwillig verpflichten. Modell 7 ist ein Freiwilligenheer und Freiwilligenmiliz mit beorderter Miliz. (APA/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Minister Darabos (im Bild mit General Entacher, re.) scheint seine innere Reise vom Wehrpflicht-Verteidiger zum -Abschaffer langsam zu vollenden.

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