Fischmännchen führen allzu attraktive Rivalen in die Irre

5. Jänner 2011, 16:37
8 Postings

Der Mexiko-Kärpfling richtet sein Verhalten nach der Konkurrenz aus

Frankfurt - Fischmännchen können offenbar die Attraktivität ihrer Rivalen auf das weibliche Geschlecht einschätzen - und richten späteres Paarungsverhalten taktisch danach aus. Haben Männchen des Mexiko-Kärpflings (Poecilia mexicana) einen Konkurrenten als attraktiv und dazu noch sexuell aktiv eingestuft, zeigen sie betontes Desinteresse an dem Weibchen, auf das sie es eigentlich abgesehen haben - und schwimmen sogar zu einem anderen, das sie in Wahrheit gar nicht interessiert. "Sie fürchten, ihr bevorzugtes Weibchen könnte ihnen weggeschnappt werden und legen deshalb eine falsche Fährte", sagt der Biologe David Bierbach von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

"Solch ein Verhalten wurde bisher eher bei Primaten und höher entwickelten Tieren angenommen", erklärt der Wissenschafter - die "spannende Frage" sei nun, für welche Fischarten und überhaupt anderen Tiere die neuen Erkenntnisse noch zutreffen. Als attraktive Geschlechtspartner gelten eher große Männchen, die für gewöhnlich auch bunter sind. In Versuchen ließen die Forscher Mexiko-Kärpflinge einander für eine Woche im Becken kennenlernen. Einige Männchen wurden immer abgetrennt, also "solo" gezeigt, andere stets in der Nähe von Weibchen, weshalb diese von den Konkurrenten automatisch auch als sexuell aktiv wahrgenommen wurden. "Und desto stärker reagierten die anderen Männchen auf diese Konkurrenten."

In der Natur gibt es auch sexuell inaktive Fische, zum Beispiel, wenn einer krank, verletzt oder unterernährt ist. "Auf solche Rivalen zu reagieren, wäre reine Zeitverschwendung", erläutert der Biologe. Überhaupt erst nötig wird dieser harte Konkurrenzkampf, weil meistens Weibchen-Schwärme existierten und sehr viel weniger Männchen. Und die männlichen Fische seien immer auf der Suche nach Weibchen, die gerade paarungsbereit sind. Bierbach: "Um dies abzuchecken, müssen sie direkt mit dem Weibchen in Kontakt treten. Und dafür nippen sie mit dem Mund an der Genitalöffnung des Weibchens." Davon ließen sie ab, wenn sie ein großes, sexuell aktives Männchen in der Nähe wähnten. (APA/red)

Share if you care.