Mineral "fängt" Formaldehyd-Dämpfe aus Spanplatten

6. Jänner 2011, 18:18
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Deutsche Forscher melden neue Methode zur Emissionsminderung an

München - Manche Forscher gehen soweit zu sagen, dass die Luft in einem durchschnittlichen Wohnraum so stark mit Schadstoffen belastet ist wie die an einer stark befahrenen Straßenkreuzung. Unter den vielen Emissionen, die unsere unmittelbare Umgebung an uns weitergibt, befindet sich auch ausdampfendes Formaldehyd, das von  der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO als krebserregend eingestuft wurde.

Seit den 1950er Jahren ist Formaldehyd Bestandteil vieler Kunstharze und Leime, die für Span- und Sperrholzplatten verwendet werden. Es wird geschätzt, dass mehr als 85 Prozent aller Holzwerkstoffe formaldehydhaltige Kleber enthalten. Die Substanz entweicht aus den Werkstoffen und belastet - neben anderen Quellen - die Raumluft. Daher wurden bereits zahlreiche Maßnahmen zur Emissionsminderung entwickelt.

Fortschritt

Eine neue Methode haben jetzt die Forscher der Fraunhofer-Institute für Holzforschung (WKI) in Braunschweig und für Silicatforschung (ISC) in Würzburg gefunden: modifizierte Zeolithe. Dabei handelt es sich um Alumosilicate, die aufgrund ihrer extrem großen inneren Oberfläche und ihrer porösen Struktur als Molekularsieb dienen und Formaldehyd besonders gut aufnehmen können. "Zeolithe werden zwar bereits als Füllmaterial in Spanplatten eingesetzt. Sie zum Adsorbieren von Schadstoffen in Holzwerkstoffe einzubringen, ist jedoch ein Novum", sagt Katrin Bokelmann, Projektleiterin des ISC.

Bei ihren Tests konnten die Forscher mit verschiedenen, kommerziell erhältlichen und natürlich vorkommenden Mineralen keine ausreichend hohen Adsorptionsraten erzielen. Die besten Adsorptionseigenschaften unter den Alumosilicaten zeigte der synthetische Zeolith Y, den die Experten anschließend modifizierten. "Nachdem wir dem bearbeiteten Material in unseren Messkammern Formaldehyd zugeführt hatten, konnten wir eine Steigerung der Adsorptionsrate von 70 Prozent feststellen. Anschließend haben wir fünf Gewichtsprozent des Zeolithpulvers direkt in Probe-Spanplatten aus Fichtenrundholz eingebracht. Das Ergebnis: Die Formaldehydemission aus der Platte verringerte sich um 40 Prozent. Sowohl Kurzzeit- als auch Langzeittests von einem Monat zeigten dieses Resultat.

"Unsere Tests deuten darauf hin, dass Schadstoffe aus der Innenraumluft sogar abgebaut werden können", sagt Jan Gunschera, Projektleiter am WKI. Und was die Industrie freuen dürfte: Auch die Eigenschaften der Holzwerkstoffe seien durch die Zeolithe nicht negativ beeinflusst worden. Die Forscher haben das neue Verfahren mittlerweile zum Patent angemeldet. (red)

  • Strukturmodell eines Minerals mit eingelagertem Schadstoffmolekül. 
Eingebracht in Spanplatten reduziert das Mineral die Formaldehydemission
 aus dem Holzwerkstoff.
    foto: fraunhofer isc

    Strukturmodell eines Minerals mit eingelagertem Schadstoffmolekül. Eingebracht in Spanplatten reduziert das Mineral die Formaldehydemission aus dem Holzwerkstoff.

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