Ex-BayernLB-Vorstand Gribkowsky in Haft

5. Jänner 2011, 16:23
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Deutsche Justiz will Quellen der 50 Millionen Dollar aufspüren, die in der österreichischen Stiftung "Sonnenschein" stecken

München/Wien -  Der frühere Risikovorstand der Bayerischen Landesbank (BayernLB), Gerhard Gribkowsky, ist wegen des Verdachts der Bestechlichkeit verhaftet worden. "Das Amtsgericht München hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft München I Haftbefehl erlassen, da der dringende Verdacht besteht, dass sich der Beschuldigte der Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr, der Untreue und der Steuerhinterziehung schuldig gemacht hat", teilten die Strafverfolger am Mittwoch mit.

Der Manager war wegen der ungeklärten Herkunft seines 50-Millionen-Dollar-Vermögens in das Visier der Ermittler geraten (derStandard.at berichtete). Gribkowsky habe das Geld in seiner Amtszeit aus Mauritius und der Karibik erhalten und in einer österreichischen Privatstiftung namens "Sonnenschein" mit Sitz in Salzburg angelegt.

"Könnte Deutschlands größter Korruptionsfall werden"

Die Staatsanwaltschaft kam am Vormittag zu Gribkowskys Haus im Münchner Vorort Grünwald, um ihn wegen "dringenden Tatverdachts" zu verhaften, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" online.  Aus der Causa könnte "Deutschlands spektakulärster und größter Korruptionsfall werden", zitiert die Zeitung Ermittlerkreise.

Die Behörden prüfen nun, woher die Millionen stammen und ob im Zusammenhang mit der Zahlung Straftaten geschehen sind. Konkret hegen die Ermittler den Verdacht, dass das Geld aus kriminellen Geschäften stammen könnte, die mit der Formel 1 zu tun haben.

Gribkowsky war von 2003 bis Frühjahr 2008 im Vorstand des skandalgebeutelten Kreditinstituts und verhandelte 2005 auch den Verkauf der Formel-1-Vermarktungsrechte der BayernLB an den britischen Finanzinvestor CVC. Die Rechte waren der Landesbank nach dem Konkurs des Medienkonzerns Leo Kirch zugefallen. Kirch hatte sich mit Milliarden-Krediten der BayernLB bei der Rennserie eingekauft und war dann pleite gegangen.

Volte hin zu Ecclestone

Die Großbank war damit quasi über Nacht Mehrheitsinhaber der Formel 1 und versuchte, die Anteile möglichst teuer wieder zu verkaufen, um zu ihrem Geld zu kommen. Dafür sollte Gribkowsky sorgen. Er lernte den Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone kennen, der sich zu diesem Zeitpunkt gerade mit mehreren in der Formel 1 engagierten Autokonzernen überworfen hatte. Zudem wurde der Brite von der Landesbank verklagt und drohte, die Macht über die Formel 1 zu verlieren.

Wenig später kam aber alles anders: Gribkowsky erklärte plötzlich öffentlich, dass die Bayern Ecclestone unterstützen würden. Die Bank verkaufte Ende 2005 ihre Anteile an der Rennserie an CVC; Ecclestone konnte durch diesen Schritt und mit Hilfe des Finanzkonzerns seine Macht einzementieren.

Nach Erkenntnissen der Münchner Staatsanwaltschaft hat die BayernLB außerdem ihre Formel-1-Anteile damals verkauft, ohne zuvor deren Wert ermitteln zu lassen. Für dieses Entgegenkommen habe Gribkowsky, getarnt über zwei Beratervertäge, die 50 Millionen Dollar erhalten, schreibt die "SZ". Die Summe sei an zwei Firmen in Österreich geflossen, die von Gribkowsky gegründet worden waren. Diese Einnahmen habe er zudem in Deutschland nicht versteuert.

Verdacht der Untreue auch in Hypo-Causa

Gribkowsky steht neben anderen Topmanagern der Bank auch wegen des umstrittenen Kaufs der österreichischen Hypo Group Alpe Adria (HGAA) im Visier der Strafverfolger. Gegen ihn wird wegen des Verdachts der Untreue ermittelt.

Der Ex-Top-Manager schweigt bislang zu den Vorwürfen. Erst nach Abschluss der Strafermittlungen werde er sich öffentlich zur Herkunft des Geldes äußern, zitierte ihn die "Süddeutsche Zeitung" kürzlich. Seit seinem Ausscheiden bei der BayernLB ist Gribkowsky dem Vernehmen nach vor allem Privatier. Er hat außerdem mehrere Aufsichtsrats-Mandate inne, unter anderem bei der Strabag AG Köln, der deutschen Tochter der österreichischen Strabag SE - in deren Aufsichtsrat er zuvor, von 2006 bis 2010, ebenfalls saß. Als er Ende April 2010 aus dem Aufsichtsrat der Strabag SE ausschied, bekam als einer seiner Nachfolger übrigens der ehemalige Bundeskanzler Alfred Gusenbauer einen Sitz in dem Gremium.

Seine berufliche Karriere begann der 53-jährige promovierte Rechtswissenschafter Gribkowsky bei der Deutschen Bank. 2003 wechselte er als Risikovorstand zur BayernLB.

Im April 2008 trennte sich die Münchner von Gribkowsky wieder. Grund waren Kreditbelastungen in Milliardenhöhe, die in seiner Amtszeit angehäuft wurden. Kurz zuvor hatte sich das Institut schon von seinem Mentor getrennt, dem einstigen Vorstandschef Werner Schmidt. Seitdem ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Gribkowsky, Schmidt und andere ehemalige Vorstandsmitglieder wegen ihrer Rolle beim Erwerb der Hypo Group Alpe Adria, der für die BayernLB zum milliardenschweren Fiasko wurde. Kurz vor Weihnachten 2010 kündigte die Bank deshalb zusätzlich Schadensersatzklagen gegen die Ex-Vorstände an.

Die BayernLB wollte zu den Vorgängen bisher keine Stellung nehmen.

Anwalt Toifl: "In Österreich alles legal"

Der österreichische Rechtsanwalt Gerald Toifl, der für Gribkowsky die Privatstiftung in Salzburg errichtet hat, sieht in diesem Zusammenhang in Österreich keine Rechtswidrigkeiten. Bei den Ermittlungen der deutschen Justiz gehe es offenbar um das "ursprüngliche Geschäft". Die Gelder in der Stiftung seien in Österreich "voll versteuert" worden. Die Salzburger Staatsanwaltschaft habe ihre Geldwäsche-Ermittlungen eingestellt. In Österreich sei also alles legal abgelaufen, betont der Anwalt Mittwochnachmittag.

Die deutsche Justiz könnte bei Verdachtsmomenten auf die Gelder in der Privatstiftung "Sonnenschein" zugreifen bzw. diese sperren lassen. Er selber wisse aber bisher nichts von einem derartigen Vorgehen. Toifl hatte die in Salzburg ansässige Stiftung selber eingerichtet. Der Anwalt sitzt zwar nicht im dreiköpfigen Stiftungsvorstand, aber er ist Geschäftsführer der Stiftungsbeteiligung GREP GmbH, in der das Geld angelegt ist. Von einer eventuellen Sperrverfügung müsste er also wissen, bestätigt Toifl: "Die deutsche Justiz hat sich noch nicht gemeldet".

Er selber wisse, von wem die 50 Millionen Dollar Gribkowskys kamen, ebenso wisse dies die Salzburger Justiz. Aufgrund dieser Auskünfte seien die Geldwäsche-Ermittlungen gegen den Banker in Österreich ja eingestellt worden. Zu den nunmehrigen strafrechtlichen Ermittlungen gegen den Ex-Bank-Manager in Deutschland könne er gar nichts sagen, er sei im Strafverfahren auch nicht sein Anwalt.

Toifl steht als früherer Anwalt (bis Juni 2010) des Buwog-Beschuldigten Walter Meischberger selber im Visier der österreichischen Justiz. Diese ermittelt gegen ihn als Beschuldigten, und zwar wegen des Verdachts auf Beweismittelfälschung im Zusammenhang mit dem Buwog-Verfahren. Ob diesbezügliche Unterlagen der Staatsanwaltschaft überhaupt verwertet werden dürfen, müsse aber noch das Oberlandesgericht klären, so Toifl.

Laut Medienberichten wurden im Oktober 2009 bei einem Treffen mit Toifl die Vorgehensweise der Buwog-Beschuldigten abgesprochen, es ging um eine Immobilieninvestvereinbarung und einen Kreditvertrag. Meischberger hatte darüber in seinem Tagebuch geschrieben. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung. (APA/Reuters/red)

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    Der frühere Risikomanager der BayernLB, Gerhard Gribkowsky (hier im Bild bei seiner Einvernahme vor dem U-Ausschuss des bayrischen Landtags im Juni 2010) gerät immer stärker ins Visier der deutschen Justiz.

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