Wie Vogelkolonien genug Fisch für alle fangen können

5. Jänner 2011, 14:51
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Untersuchung zeigt: Tiere handhaben ihre ökologische Nische flexibler als gedacht

Radolfzell - Man rufe sich das Bild vor Augen: Eine kleine Felseninsel, deren Küsten mit den Brutkolonien verschiedenster Vogelarten überzogen sind. Jede Kolonie wimmelt nur so vor Mitgliedern - und eines haben sie alle gemeinsam: Sie alle ernähren sich von Fisch. Doch wie schaffen es tausende von Tieren, aus dem gleichen Nahrungsreservoir zu schöpfen und sich nicht gegenseitig ins Gehege zu kommen? Hier greift eine als "ökologische Einnischung" bezeichnete Form der Spezialisierung - und die Tiere zeigen dabei überraschende Flexibilität: Wissenschafter des Max-Planck-Instituts für Ornithologie berichten darüber in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift "Ecosphere".

Die Wissenschafter stellten sich die Frage, wie mehrere in ihren Ansprüchen ähnliche Arten gemeinsam auf einer Insel brüten können und wie genau sich ihre ökologischen Nischen unterscheiden. Mit GPS-Tauchtiefeloggern, die eine detaillierte dreidimensionale Darstellung des Tauchverhaltens eines Vogels ermöglichen, haben Forscher in der Vergangenheit bereits von mehreren Tauchseevögeln wie Pinguinen und Kormoranen die Jagdgebiete und Tauchtiefen untersucht, jedoch immer nur für eine Beispielkolonie. Nicht bekannt war bisher, ob sich solche Daten auf die ganze Art übertragen lassen.

Die Untersuchung

Auf New Island, einer kleinen Insel im Falkland-Archipel im Südwest-Atlantik, untersuchten die Max-Planck-Forscher erstmals gleichzeitig die Jagdgewohnheiten von vier Tauchseevögeln: Eselspinguinen, Felsenpinguinen und Magellanpinguinen sowie von Blauaugen-Kormoranen. Außerdem verglichen die Forscher jeweils zwei Kolonien von jeder der drei Pinguinarten. "Die Ergebnisse haben uns sehr überrascht." sagt Juan Masello. "Wir hatten, der ökologischen Nischentheorie entsprechend, vor allem starke Unterschiede zwischen den Arten erwartet. Die Daten zeigten dann jedoch, dass sich die räumliche und zeitliche Verteilung der Vögel auch innerhalb einer Art sehr stark unterscheiden kann."

"Magellanpinguine zum Beispiel schwammen, selbst wenn die Kolonien an Land nur zwei Kilometer voneinander entfernt waren, zur Nahrungssuche in etwa 40 Kilometer weit auseinander liegende Meeresgebiete. Bei den Eselspinguinen waren Vögel einer Kolonie auch nachts auf Jagd, während die Nachbarkolonie ausschließlich am Tag jagte. Die Tiere vermeiden so eine Überschneidung der Nahrungsgebiete, und die kleinräumigen Unterschiede im Jagdgebiet werden effizient genutzt", ergänzt Petra Quillfeldt. Bei den Blauaugen-Kormoranen gehen am Vormittag die Weibchen in Küstennähe auf Jagd, am Nachmittag jagen die Männchen auf dem offenen Meer. So haben die einzelnen Seevogelarten verschiedene Lösungen gefunden, um innerartliche Konkurrenz weitgehend zu vermeiden. "Die Nahrung ist nicht der einzige Faktor, der die Verbreitung der Vögel um die Insel herum bestimmt", führen die Forscher weiter aus. " Bei zwei Pinguinarten war sehr deutlich zu erkennen, dass die Tiere es vermieden, in die Nähe einer Seelöwenkolonie zu schwimmen, um nicht selbst zur Beute zu werden. Diese Gefahrenzone trug zusätzlich zur räumlichen Trennung der Vögel auf dem Meer bei."

Die ökologischen Nischen der untersuchten Arten sind also weit weniger festgelegt als bisher angenommen. Bereits kleine Unterschiede der Lebensräume oder im Verhalten - sei es bei der Konkurrenzvermeidung mit Nachbarn oder beim Ausweichen vor Fressfeinden - tragen zu dieser Spezialisierung bei. (red)

  • Eselspinguine in der Kolonie von New Island: Das Tier in der Mitte wacht über zwei Küken und trägt einen GPS-Tauchtiefelogger, der an den Federn befestigt wurde. Das Klebeband zeigt deutliche Spuren vom letzen Tauchgang, als der Vogel in über 100 Metern Tiefe auf Jagd war.
    foto: mpi für ornithologie / petra quillfeldt

    Eselspinguine in der Kolonie von New Island: Das Tier in der Mitte wacht über zwei Küken und trägt einen GPS-Tauchtiefelogger, der an den Federn befestigt wurde. Das Klebeband zeigt deutliche Spuren vom letzen Tauchgang, als der Vogel in über 100 Metern Tiefe auf Jagd war.

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