Kneissl-Chef ist sicher: "Der Scheich zahlt"

5. Jänner 2011, 14:40
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Geschäftsführer Gebauer rechnet mit den angekündigten 1,2 Millionen Euro von Al Jaber: "Er weiß, dass es notwendig ist"

Innsbruck - Der Geschäftsführer der strauchelnden Kneissl Tirol GmbH, Andreas Gebauer, hat sich am Mittwoch zuversichtlich gezeigt, dass die von Eigentümer Al Jaber angekündigten 1,2 Millionen Euro bezahlt werden. "Ich gehe davon aus, dass nächste Woche Geld fließt", sagte Gebauer gegenüber dem ORF-"Radio Tirol". Er sei davon überzeugt, "dass der Scheich zahlt", betonte Gebauer. Es gebe aber keine gesetzliche Frist. Al Jaber wisse, dass es notwendig sei, erklärte der Geschäftsführer.

Staatsanwaltschaft beschäftigt

Das Tauziehen um die drohende Pleite der Tiroler Traditionsfirma beschäftigt nun auch die Innsbrucker Staatsanwaltschaft. Gebauer kündigte am Mittwoch in einer Aussendung eine Sachverhaltsdarstellung wegen des Verdachts der Bereicherung durch das Wiener Modeunternehmen "Susan Strasser GmbH" an. Die Firma hatte, wie berichtet, Exekution gegen Kneissl geführt. Susan Strasser-Investor Thomas Lang sprach von einem "letzten Aufgebot", Gebauer könne einfach seine Schulden nicht bezahlen.

Gebauer äußerte den Verdacht, dass die Exekution gegen die Kneissl Star Lounge in Innsbruck am 9. Dezember wider besseres Wissen durchgeführt wurde. Dies entspreche einem Prozessbetrug. Die Wiener Firma habe das gesamte Inventar der Star Lounge Innsbruck GmbH pfänden lassen, obwohl sie keinen rechtsgültigen Exekutionstitel gegen das Unternehmen gehabt habe. Obwohl während der Pfändung darauf hingewiesen worden sei, sei "auf Nachdruck der Susan Strasser GmbH das gesamte Inventar der Star Lounge Innsbruck GmbH gepfändet" worden.

Kneissl-Anwalt Günther Gast sprach in der Aussendung von einem "Fall von Betrug (Prozessbetrug), der nun von der Innsbrucker Staatsanwaltschaft rechtlich zu würdigen ist. Ebenfalls in Vorbereitung ist eine Schadenersatzklage der Star Lounge Innsbruck GmbH gegen die Susan Strasser GmbH".

"Mehr Fragen als Antworten"

Steuerberater Lang betonte, dass sein Unternehmen auf die Justiz vertraue. Man müsse sich anschauen, welche rechtliche Substanz die Einwände hätten. Eine Exzendierungsklage (das in diesem Verfahrensstadium mögliche Rechtsmittel, Anm.) Gebauers beim BG Innsbruck sei aus formellen Gründen abgewiesen worden. Ein Beweis für die behauptete Eigentumsübertragung von der Kneissl Tirol GmbH an die Star Lounge sei bisher nicht erbracht worden. Übermittelte Buchhaltungsunterlagen würden "mehr Fragen als Antworten" aufwerfen, sagte Lang.

Das Wiener Modelabel wartet auf rund 158.000 Euro. Auch Kneissl-Alteigentümer Fritz Unterberger hatte bereits einen Konkursantrag gegen die Kneissl Holding eingebracht. Unterberger gewährte Al Jaber Zahlungsaufschub bis zum 31. Dezember 2010. Diese Frist ließ der Scheich allerdings verstreichen. Beim KSV hieß es am Mittwoch, dass bei einer Unterberger-Eingabe vermutlich Wochen bis zu einer Exekutionsentscheidung vergehen könnten. Der Tiroler KSV-Leiter Walter Hintringer verwies auf den Fristenlauf. Vermutlich könne erst am Freitag ein Richter mit derartigen Anträgen befasst werden. Dann müsse wiederum die Stellungnahme von Kneissl eingeholt werden.

Neben Strasser warten auch noch weitere Unternehmen auf ihr Geld, darunter die in Deutschland ansässige Vierke-Gruppe und der oberösterreichische Betrieb Solutions of Sport. Ihnen soll Kneissl 120.000 bzw. 12.000 Euro schulden. Die Inhaberin einer kleinen Traditionsdruckerei soll seit dem Frühjahr auf rund 5.500 Euro warten. Auch im Zusammenhang mit einem geplanten Hotelprojekt im Kärntner Goldeck gibt es offenbar Unstimmigkeiten zwischen Architekten und Kneissl. Das mit der Planung beauftragte Innsbrucker Architekturbüro "din a4" soll ebenfalls auf die Bezahlung einer Teilrechnung in Höhe von 50.000 Euro warten. (APA)

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    Das Tauziehen um die drohende Pleite der Tiroler Traditionsfirma Kneissl beschäftigt nun auch die Innsbrucker Staatsanwaltschaft.

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