Österreich vom Dioxin-Skandal vermutlich nicht betroffen

5. Jänner 2011, 16:16
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Razzia bei Hersteller - Bis zu 150.000 Tonnen Futter verseucht - Österreich nicht betroffen

Berlin - Im Skandal um Dioxin-verseuchtes Tierfutter in Deutschland gerät die Herstellerfirma zunehmend unter Druck. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Geschäftsführung des Betriebes Harles und Jentzsch und ordnete eine Razzia an. Die Darstellung des Unternehmens, das Dioxin sei durch einen Fehler beigemischt worden, wird bezweifelt. Weiter unklar ist, woher das Dioxin in dem Zusatzfett für Tierfutter stammte und welche Massen an Eiern, Geflügel- und Schweinefleisch belastet sind.

Die belasteten Eier werden in einer Tierkörperbeseitigungsanlage entsorgt. Bei 133 Grad und einem Druck von drei Bar werden die Eier 20 Minuten lang gekocht und so sterilisiert. Danach kommt die Masse in einen Ofen, wo sie zu Tiermehl trocknet. Dieses wird dann verbrannt, erläuterte der Leiter des niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), Eberhard Haunhorst.

Österreich nicht betroffen

Nach Angaben der Bundesregierung kann das krebserregende Dioxin bis zu 150.000 Tonnen Tierfutter zugesetzt worden sein. Österreich ist laut AGES nicht von dem Skandal betroffen.

Zum Mengenvergleich: Ein Huhn pickt bis zu 160 Gramm pro Tag. Verbraucher meiden im Supermarkt Eier und Geflügelprodukte. Der Einzelhandel sieht noch keinen Grund für eine groß angelegte Rückrufaktion. Mehr als 1.000 landwirtschaftliche Betriebe sind inzwischen gesperrt.

Auch wenn nach ersten Erkenntnissen des Ministeriums in Berlin kein Dioxin-verseuchtes Futtermittel in die EU exportiert wurden, gingen Anfang Dezember 136.000 verdächtige Eier in die Niederlande.

Ermittlungen gegen Leitung

Polizisten und Staatsanwälte gingen am Mittwoch auf das Betriebsgelände in Uetersen (Schleswig-Holstein), um Beweismittel sicherzustellen. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe führt ein Ermittlungsverfahren gegen die Leitung des Unternehmens. Es soll technische Mischfettsäuren, die für die Papierherstellung bestimmt waren, für Futtermittel verwendet haben.

Das niedersächsische Agrarministerium erhob neue Vorwürfe gegen Harles und Jentzsch. Die Firma Harles und Jentzsch habe erklärt, mit Dioxin belastete technische Fettsäuren seien versehentlich in Futterfette gelangt. "Wir glauben dieser Darstellung nicht mehr", sagte Ministeriumssprecher Gert Hahne in Hannover. "Die Darstellung, da hat einer den falschen Hahn aufgedreht, erscheint uns sehr unglaubwürdig." Wegen der großen Menge verseuchten Fettes sei menschliches Versagen unwahrscheinlich.

Die Staatsanwaltschaft Itzehoe bestätigte, dass es eine gerichtlich angeordnete Durchsuchung gebe. Das betreffe auch einen Betrieb im niedersächsischen Bösel, sagte Behördensprecher Friedrich Wieduwilt. Das Werk bei Cloppenburg betreibt ein Tanklager und eine Futterfett-Rührstation für Harles und Jentzsch. Die Staatsanwaltschaft in Oldenburg kümmert sich um die Firma in Bösel (Kreis Cloppenburg). Es gebe ein Vorermittlungsverfahren, sagte Staatsanwalt Rainer du Mesnil. "Wir wollen wissen: Was ist in den Tanks, wo kommt es her und wo ging es hin?"

AGES: Keine kontaminierten Lebensmittel in anderen Staaten

Österreich dürfte vom deutschen Dioxin-Skandal nicht betroffen sein. Wie die AGES am Mittwoch mitteilte, hat die Europäische Kommission über das Europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel bekanntgegeben, dass nach derzeitigem Informationsstand weder kontaminierte Lebensmittel noch Futtermittel in andere EU-Staaten oder Drittstaaten ausgeliefert wurden. Eine Ausnahme bildet die Auslieferung zweier Chargen von möglicherweise kontaminierten Eiern nach Holland.

"Zum gegenwärtigen Zeitpunkt liefert das Europäische Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel keinen Hinweis darauf, dass Produkte aus den betroffenen deutschen Betrieben auf den österreichischen Markt gelangt sein könnten. Die amtlichen Lebensmittelbehörden AGES, Bundesministerium für Gesundheit, Lebensmittelaufsicht der Länder überwachen und setzen gegebenenfalls weitere Maßnahmen", hieß es in einer Aussendung der AGES. (APA)

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