Glückwunschsaison

4. Jänner 2011, 19:59
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Von Wolfgängen, Markussen und anderen Un-Ästheten

Und noch ein letztes Resümee bleibt zu ziehen, nämlich über die Glückwunschflut der soeben ausgestandenen Feiertagssaison. (Gut, die Heiligen Drei Könige gehören auch noch dazu, sind im kollektiven Gedächtnis jedoch eher in der Rubrik Heimsuchung abgespeichert.) Was mir heuer auffiel, war das dramatische Anwachsen der gemailten Weihnachts- und Neujahrswünsche, von bekannten, aber auch unbekannten Absendern, in letzterem Fall oft von Firmen, die man nicht kennt - und aufgrund der Ästhetik ihrer virtuellen Glückwunschkarten auch gar nicht kennenlernen möchte.

Es ist nicht nur Geiz

Es besteht der dringende Verdacht, dass Mailkartenverschicker nicht nur aus Umweltbewusstsein, Geiz und mangelndem Vertrauen von der Post auf E-Mail umsteigen, sondern weil sie sich hier ganz den Infantilitäten hingeben können, die auf Papier seltsam daherkommen.

Was die Snailmail-Glückwünsche betrifft, häuften sich heuer jene Karten, deren Absender wegen der Unleserlichkeit der Unterschriften nicht identifizierbar waren. Ihnen allen: Ich habe keine Ahnung, wer ihr seid, trotzdem danke für die lieben Wünsche! Dieser Dank gilt auch jenen Menschen, die mir am 31. eine mitternächtliche SMS schickten und nur mit Vornamen zeichneten. Manche habe ich erraten, andere nicht. Denn nein, ich habe nicht von allen 99 Wolfgängen und Markussen, die ich kenne, die Nummern gespeichert oder auswendig gelernt. (Gudrun Harrer, DER STANDARD Printausgabe, 5.1.2011)

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