"Ich finde es gut, wenn es aktiven Feminismus gibt"

9. Jänner 2011, 16:31
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Die Künstlerin begann im Alter von acht Jahren zu malen - Skizzen einer Biografie

"Ich finde es gut, wenn es aktiven Feminismus gibt als Parallelaktion. Doch glaube ich nicht, dass man ihn benützen sollte, um Karriere zu machen", meinte Birgit Jürgenssen in Anspielung an Frauen, die sich das emanzipatorische Klima der Kunstszene in den 1970er-Jahren zunutze gemacht hatten, um als Galeristinnen durchzustarten und kurz darauf Feminismus und die Solidarität zu anderen Frauen zu vergessen.

1949 Birgit Jürgenssen wurde am 10. April 1949 in Wien als zweites Kind einer Arztfamilie geboren. Als Achtjährige begann sie Bilder von Pablo Picasso abzuzeichnen und sie mit "Bicasso Jürgenssen" zu signieren; als Mädchen wurde sie nämlich „Bi" genannt. Mit 14 erhielt sie ihre erste halbautomatische Kamera und fotografierte "damals fast ausschließlich kleine Gegenstände, die ich vorher selbst anfertigte. Meist sollte alles in einem Farbton gehalten sein". 

Nach der Matura beschäftigte sie sich mit Surrealismus, Psychoanalyse, der Philosophie des Strukturalismus und der Ethnologie von Claude Lévi-Strauss, die ihren geistigen Horizont erweitern und auf ihr künstlerisches Schaffen Einfluss haben sollten.

Studium der Künste und Ausstellungen

1967 wurde sie überraschenderweise ohne Grundstudium an der Meisterklasse für Grafik von Prof. Franz Herberth an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien aufgenommen, wo sie 1971 ihren Abschluss machte und für ihre Diplomarbeit "Zipfeln", einer Mappe mit 42 Zeichnungen, den Förderungspreis des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung und den Wolfgang Hutter-Preis erhielt.

1972 heiratete sie den Bildhauer Bernd Hans Klinger.

1973 begann sie autodidaktisch mit Schwarz-Weiß-Fotografie zu experimentieren. 

1975, dem Internationalen Jahr der Frau, nahm sie an der von VALIE EXPORT kuratierten Ausstellung MAGNA -(Feminismus:) Kunst und Kreativität teilt, wo sie u.a. ihre Hausfrauen-Küchenschürze vorstellte. Außerdem stellte sie im Völkerkundemuseum aus. 

1978 folgte eine Einzelausstellung in der Grafischen Sammlung Albertina in Wien.

1980 war sie etwa ein Jahr lang als Lehrbeauftragte in der Meisterklasse von Prof.in Maria Lassnig an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien tätig.

1982 folgte eine Lehrtätigkeit in der Meisterklasse von Arnulf Rainer, wo sie zwanzig Jahre hindurch unterrichtete.

1984 nahm sie an der 5. Biennale in Sydney teil und hatte eine Einzelausstellung in der Jack Tilton Gallery in New York.

1988 gründete sie die Künstlerinnengruppe DIE DAMEN gemeinsam mit Ona B., Evelyne Egger und Ingeborg Strobl; Performances bis 1995. Im selben Jahr stellte sie in der Graeme Murray Gallery in Edinburgh aus.

1991 Einzelausstellung in der Mario Flecha Gallery in London.

1994 Kuratorin der Ausstellung „Wenn die Kinder sind im Dunkeln..." in der Wiener Secession.

1997 Einzelausstellung in der TZ-Art Gallery in New York.

1998 Retrospektive im Landesmuseum Linz.

2001 Kuratorin des Österreich-Beitrags bei der 8. Biennale in Kairo.
Bei einer Routineuntersuchung wurde in diesem Jahr ein Pankreastumor festgestellt.

2003 Birgit Jürgenssen starb am 25. September in Wien.
(Dagmar Buchta/dieStandard.at, 09.01.2011)

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