Heidi klumt

4. Jänner 2011, 18:17
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Seit Monaten kreischt es mit gebleckten Zähnen den Trottelsatz "Mein Styling hält es aus!" in die Wohnzimmer

Es ist das reine Grauen. Von so vollendeter Perfektion, dass die verantwortlichen Werber frohlocken dürfen. Seit Monaten kreischt es mit gebleckten Zähnen den Trottelsatz "Mein Styling hält es aus!" in die Wohnzimmer des deutschen Sprachraums. Spitz wie ein Schraubenzieher im Gehörgang, kalt, gefühllos und dünn.

Der fleischgewordene Lautsprecher, der diese fast schon kippenden Schallwellen ausschickt, ist Heidi Klum. Dabei spreizt sich das deutsche Model ein Lachen übers Gesicht, das jene vorschützen, die den Witz todsicher nicht kapiert haben.

Trotz gespielter Ekstase bleibt ihre Mimik so teilnahmslos wie ihr blonder Drei-Wetter-Helm im Windkanal oder während der Achterbahnfahrt unbewegt - ein Negativwunder.

Auf diese unvergleichliche Art quält sie uns Zuseher. Klums Organ zählt zu den schlimmsten aller Nichtstimmen, die je aus der Glotze quäkten.

Während der wenigen Sekunden, die der Werbespot dauert, fühlt man sich wie der Boden unter ihren Stöckelschuhen, mit denen sie als Model den Catwalk perforiert: Stiche durchs Trommelfell, in die Weichteile, ins Herz und in die Seele.

Es dämmert einem, warum Models ihre Körper ohne Text über den Laufsteg bewegen. Sie müssen ja davon ablenken, dass sie eigentlich aussehen wie ein Hirschgeweih in einem Stoffsack mit Stöckelschuhen. Diese angestrengte Arbeit für die bescheidene Aura wäre jäh zerstört, würden die Schönen den Mund aufmachen. Klum hält sich nicht an dieses ungeschriebene Gesetz. Und wir leiden: "Mein Styling hält es aus!", klumt es uns in den Ohren.

Schön fürs Styling, schlimm für unser Gemüt. (Karl Fluch/DER STANDARD; Printausgabe, 5./6.1.2011)

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    Heidi Klum.

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