Übungen in Bescheidenheit

4. Jänner 2011, 17:42
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Die Forschungsszene blickt mit gedämpften Erwartungen in die nahe Zukunft

Karlheinz Töchterle hat nicht den Ruf, ein Fantast zu sein. Dennoch hat der Rektor der Universität Innsbruck für 2011 einen Wunsch, der angesichts des letzten Jahres, das durch Budgetknappheit, Wachstumsstillstand und Flurbereinigungen in der Grundlagenforschung gekennzeichnet war, alles andere denn realistisch erscheint. Töchterle will "ein ehrliches Bekenntnis zur Bildung, Forschung und Innovation als wesentliche Ingredienzien für eine erfolgreiche Zukunft" .

Aber woran ließe sich diese Ehrlichkeit erkennen? Christoph Kratky, Präsident des Wissenschaftsfonds FWF, weiß die schlichte Antwort: mehr Geld. Er bezieht sich dabei nicht auf ganz persönliche Wünschträume, sondern die Regierungserklärung. Und fordert eine "Förderung der Grundlagenforschung und Einräumung eines Finanzierungsanteils, der sich am Europäischen Spitzenfeld orientiert." Dies würde aber im Vergleich zur Schweiz eine Verdoppelung des Finanzierungsanteils erfordern.

Davon ist der FWF im Besonderen und die Grundlagenforschung im Allgemeinen freilich meilenweit entfernt. Das vom Wissenschaftsministerium zur Verfügung gestellte Budget des Fonds wurde von 2009 bis 2013 auf 160 Millionen Euro jährlich eingefroren, "bescheidene Erhöhungsvorschläge" (Kratky) für 2014 und 2015 sind noch nicht genehmigt. Von Steigerungen kann man derzeit auch bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) nicht sprechen. Das heurige Budget (87,5 Mio. Euro) entspricht inklusive Indexanpassung jenen Mitteln, die man zuletzt zur Verfügung hatte.

Akademische Schwerpunkte

Der Wunsch nach einer "langfristigen budgetären Grundlage mit Planungssicherheit" , den ÖAW-Präsident Helmut Denk äußert, dürfte im Wissenschaftsministerium übrigens Gehör gefunden haben. Bisher hatte die ÖAW jährliche Budgets. 2011 werden Leistungsvereinbarungen mit der Akademie ausverhandelt, die von 2012 bis 2014 gelten sollen. Umfang und Inhalt der Vereinbarungen sind freilich noch nicht bekannt. Mehr Geld als bisher wird es wohl eher nicht geben. Denk hat bereits angekündigt, dass es innerhalb der Akademie-Institute zu Schwerpunktsetzungen kommen muss. Evaluierungen einzelner Institute wurden Ende 2010 durchgeführt, weitere folgen in diesem Jahr. Schließungen seien nicht ausgeschlossen. Mit Sicherheit nicht betroffen: Giulio Superti-Furga, Direktor am Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der Akademie. Er wünscht sich eine Bündelung von klinischer und Grundlagen-Forschung nach dem Vorbild des US-Gesundheitsinstituts NHI.

Deutlich bescheidener legt Josef Hochgerner seinen Blick in die Zukunft an. Der Chef des Zentrums für soziale Innovationen (ZSI), eben erst von der Streichung der Basissubventionen durch das Wissenschaftsministerium betroffen, fordert "mehr Förderung statt weniger" . In den EU-Forschungsprogrammen seien die sozialwissenschaftlichen außeruniversitären Zentren mehr als doppelt so aktiv wie Uni-Institute und "tragen überproportional zum Rückfluss des österreichischen Anteils bei" . Was Wissenschaftsministerin Beatrix Karl immerhin bewusst sein dürfte: Sie fördert seit Anfang Jänner das Einwerben von Geldern aus EU-Fördertöpfen wieder mit Zusatzförderungen. (pi/DER STANDARD, Printausgabe, 05.01.2011)

 

Weitere Zukunftsgedanken der Forschungsszene im nächsten Forschung Spezial am 12. Jänner.

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