Frauen haben über ihre Gehälter zu schweigen

4. Jänner 2011, 16:50
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Bei Einkommensdiskriminierung drohen allzu widerspenstigen Beschwerdeführerinnen 360 Euro Strafe

Wien - Für dieselbe Arbeit bekommen Frauen hierzulande im Schnitt immer noch um ein Viertel weniger aufs Konto als ihre männlichen Kollegen - doch künftig drohen Arbeitnehmerinnen, die sich über Einkommensdiskriminierung allzu sehr aufpudeln, sogar 360 Euro Strafe.

Ausgerechnet eine Novelle des Gleichbehandlungsgesetzes, mit dem die Gehältertransparenz forciert werden soll, macht das möglich. Hintergrund: Ab heuer sollen Unternehmen (vorerst nur jene mit mehr als 1000 MitarbeiterInnen) alle zwei Jahre anonymisierte Einkommensberichte vorlegen. Für Betriebe, die das verweigern, sind keinerlei Sanktionen vorgesehen - wohl aber für Frauen, die sich außerhalb der Firma über Ungerechtigkeiten beschweren.

Ursprünglich waren in dem Entwurf für widerspenstige Beschwerdeführerinnen sogar 1500 Euro Strafandrohung vorgesehen, in Absprache mit der ÖVP hat Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) die Höhe der Pönale auf rund 360 Euro runterverhandelt.

Am 13. Jänner widmet sich noch der Gleichbehandlungsausschuss im Parlament der Angelegenheit - doch die Chancen auf einen Wegfall der Strafen stehen bei null. "Stimmt, es ist herb", gibt Heinisch-Hosek zu.

Die grüne Frauensprecherin Judith Schwentner spricht deshalb von einem "Einkommensverschleierungs-Modell". Die Berichte der Firmen könnten nicht einmal von der Gleichbehandlungsanwaltschaft kontrolliert werden. Bei den Pönalen für Frauen habe sich "die männlich dominierte Wirtschaft und Gewerkschaft bei Heinisch-Hosek durchgesetzt". Sie verlangt stattdessen Strafen für säumige Unternehmen. (nw/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 05.01.2011)

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