Stadt-Land-Schere geht immer weiter auf

4. Jänner 2011, 15:54
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Re/Max-Index: Eigentum und Miete in zentralen Lagen wird empfindlich teurer - Preise von Gewerbe-Immobilien unter Druck

Wien - Eigentums- und Mietwohnungen in Landgemeinden sowie Wochenendhäuser werden 2011 billiger, außerdem dürften auch die Preise von Gewerbe-Immobilien im neuen Jahr weiter zurückgehen, erwartet das Makler-Netzwerk Re/Max anhand seines "Real Estate Future Index". Empfindlich teurer dürfte aber das Wohnen in zentralen Lagen werden, die Schere zwischen Stadt und Land damit noch weiter aufgehen. Zentral gelegene Eigentums- und Mietwohnungen werden heuer um rund sieben Prozent teurer werden, schätzt der Regionaldirektor von Re/Max Austria, Alois Reikersdorfer.

Stabiler Markt

Baugrundstücke, Stadt- und Zinshäuser sowie Eigentumswohnungen am Stadtrand dürften um 3,0 bis 3,5 Prozent teurer werden, das "gehobene Segment" mit Penthouses, Lofts und Maisonetten um 2,9 Prozent. Einfamilienhäuser in Siedlungen, Mietwohnungen am Stadtrand und Wohnobjekte in Einzellage dürften um 1,5 bis 2,1 Prozent zulegen.

Grundsätzlich sei der heimische Markt sehr stabil, so Reikersdorfer. Auch eine Finanzierung zu bekommen sei wieder leichter. Eher stärkere Preisrückgänge gibt es außer bei Wochenendhäusern (-4,1 Prozent) nur im Gewerbe-Segment. Büroflächen dürften um 3,7 Prozent, Geschäftslokale um 3,5 Prozent und Gewerbeobjekte um 3,0 Prozent billiger werden. Eigentums- und Mietwohnungen in Landgemeinden werden um 2,5 bzw. 1,8 Prozent billiger, land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen tendieren mit -0,6 Prozent nur unwesentlich nach unten.

Insgesamt wird der Markt für Gewerbeimmobilien auch 2011 unter Druck bleiben, allerdings nicht mehr so stark wie im "Krisenjahr" 2009. Das Angebot steigt weiterhin, aber etwas moderater als zuletzt. Bei Geschäftslokalen wird eine Angebots-Ausweitung von 3,0 Prozent, bei Büroflächen von 3,3 Prozent und bei Gewerbeobjekten von 1,9 Prozent erwartet. "Die Phase der Restrukturierungen und des Hinauszögerns von Investitionen scheint also immer noch im Gang zu sein, die Trendumkehr hat jedoch mit der Halbierung der Angebotsausweitung deutlich eingesetzt", so Reikersdorfer.

Blick in die Bundesländer

Nach Bundesländern betrachtet dürften heuer die Preise in Wien und Oberösterreich am stärksten anziehen. Zinshäuser, Miet- und Eigentumswohnungen in der Bundeshauptstadt dürften wegen des starken Nachfrage-Überhangs um fünf bis sieben Prozent teurer werden.

Die günstigsten Preise, sowohl bei Miet- als auch bei Kaufobjekten, gibt es derzeit in der steirischen Mur-Mürz-Furche sowie im niederösterreichischen Waldviertel. In der Steiermark sei insbesondere bei Eigentumsobjekten weiterhin eine starke Nachfrage-Verschiebung vom Land in die Stadt zu merken, was die Preise dort empfindlich steigen lässt. Im niederösterreichischen "Speckgürtel" rund um Wien werden Preisanstiege von 3,8 Prozent erwartet, was eine Abflachung der Verteuerungen darstellen würde.

Im Burgenland sei ein Trend hin zu renovierungsbedürftigen Einfamilienhäusern um bis zu 120.000 Euro zu bemerken, im Bundesland Salzburg seien insbesondere "trendige" Wintersportorte wie Zell am See, Saalbach oder das Gasteinertal sehr beliebt. "Wie eh und je" begehrt sei auch die Stadt Salzburg, hier könnte heuer ein Verkaufs-Volumen von 800 Millionen Euro erreicht werden, berichtete der Managing Director von Re/Max Austria, Anton Nenning.

Bei Top-Objekten in Tirol könnte allerdings mittlerweile eine Preisgrenze erreicht worden sein. So gebe es in Kitzbühel derzeit rund zwei Dutzend freistehende Häuser, die jeweils zwischen drei und fünf Millionen Euro kosten würden. Reikersdorfer vermutet, dass hier vor allem russische Käufer ausbleiben.

In Vorarlberg werden sowohl Baugrundstücke als auch Einfamilienhäuser teurer werden, weil das Angebot gering bleiben, die Nachfrage aber steigen wird. In Kärnten beobachten Re/Max-Makler einen Trend zu den Seengebieten, außerdem dürften die erleichterten Finanzierungsmöglichkeiten die Nachfrage nach Eigentums-Objekten wieder ankurbeln.

Deutschland pusht den Westen

Die Preise in den westösterreichischen Ballungsräumen könnten allerdings auch durch die starken Verteuerungen am deutschen Markt, insbesondere in München, beeinflusst werden. Vor allem auf Salzburg könnten diese Marktbewegungen ausstrahlen und die Preise in die Höhe treiben, so Reikersdorfer. "Der deutsche Markt hinkt dem österreichischen etwas nach" - früher sei es umgekehrt gewesen.

Re/Max konnte das Transaktionsvolumen 2010 um 18,3 Prozent von 675 auf 795 Millionen Euro steigern, gab der Österreich-Chef am Dienstag weiter bekannt. Die Provisionsumsätze seien sogar um 21,4 Prozent gestiegen. Die Anfang September in Kraft getretene Immobilienmakler-Verordnung bzw. die darin enthaltene Senkung der Makler-Provisionen habe sich bisher nicht negativ ausgewirkt, und Reikersdorfer erwartet auch weiterhin keine großen Einbußen. 98 Büros wirtschaften derzeit im Zeichen des Re/Max-Ballons, um drei mehr als vor einem Jahr. Heuer sollen bis zu 15 neue dazukommen, vorwiegend in Salzburg, Kärnten und Wien, wo man noch etwas schwächer aufgestellt sei als anderswo, so Reikersdorfer. 15 neue Büros wurden allerdings auch vor einem Jahr für 2010 schon angekündigt. Die Zahl der für Re/Max tätigen Makler stieg aber stark von 400 auf 440. (map, derStandard.at, 4.1.2011)

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    Alois Reikersdorfer (l.) und Anton Nenning von Re/Max Austria sehen einen anhaltenden Aufwärtstrend im gesamtösterreichischen Immo-Markt, einige Segmente, insbesondere Gewerbe-Immobilien, werden aber günstiger.

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