Schadenersatz für BayernLB-Karibik-Millionen

4. Jänner 2011, 18:08
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München/Klagenfurt - In München gehen wegen jener 50 Mio. Dollar, die Ex-BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky aus der Karibik in die österreichische Stiftung Sonnenschein transferiert haben soll, die Wogen hoch. Die Süddeutsche Zeitung (SZ) äußerte den Verdacht, Gribkowsky könnte das Geld auf Umwegen als Dankeschön vom Finanzinvestor CVC oder von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone beim Verkauf der Rennsportrechte erhalten haben. Die BayernLB erbte die Rennsportrechte aus der Leo-Kirch-Pleite.

Der heute 52-jährige Gribkowsky soll die 50 Mio. Dollar (37,5 Mio. Euro) in Österreich versteuert haben. Mehr als 25 Mio. Euro davon sollen in die 2007 gegründete Stiftung samt Tochterfirmen geflossen sein. Gribkowsky, der von 2002 bis 2008 BayernLB-Vorstand war, hat zu dem Vorgang bisher nicht öffentlich Stellung genommen, gegenüber der Staatsanwaltschaft bestritt er illegale Machenschaften.

Nun wird über die Hintergründe der späten Enthüllungen gerätselt: Im Umfeld der BayernLB spricht man von einem Zerwürfnis zwischen Gribkowsky und ehemaligen Vorstandskollegen, die möglicherweise die Tipps bezüglich der Stiftung Sonnenschein und der Zusammenhänge mit der Formel 1 geliefert hätten. Gegen den Banker und seine ehemaligen Kollegen ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft seit langem im Zusammenhang mit dem Hypo-Alpe-Adria-Fehlkauf. Der BayernLB-Aufsichtsrat kündigte deswegen eine Schadenersatzklage gegen acht frühere Vorstände, darunter Gribkowsky an.

Bayerische Politiker drängen nun auch darauf, dass die Bank sich das Stiftungsvermögen als Schadenersatz für das Hypo-Desaster holen solle. Die BayernLB habe auf das Geld weder Anspruch noch Zugriff, so Gribkowsky vor Tagen im SZ-Gespräch. Es sei nicht sein Vermögen, sondern jenes der Stiftung. Und diese sei dafür gedacht, Krebskranken zu helfen. Allerdings wird in der Stiftungsurkunde Gribkowsky nach wie vor als Begünstigter der Stiftung genannt. Für den karitativen Zweck gibt es die Stiftungstochter Aktion Zeitgeschenk, aber diese hatte laut Jahresabschluss 2009 nur ein Vermögen von 33.717,44 Euro.

In der Causa Hypo muss Gribkowsky - ebenso wie der Ex-BayernLB-Chef Werner Schmidt - damit rechnen, 2011 auf der Anklagebank zu landen. Vorwurf: Sie hätten die Hypo Group Alpe Adria wissentlich (entgegen der Warnung von Beratern) überteuert gekauft und so der BayernLB schweren Schaden zugefügt. Die Anklage gegen Schmidt sei sicher. Bis zu fünf Manager könnten betroffen sein, Gribkowsky eingeschlossen. (dpa, APA, cr, DER STANDARD, Printausgabe, 5.1.2011)

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