Facebook & Co: Drahtlose Rettungsleine ins Outback

4. Jänner 2011, 14:41
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Die australische Stadt Rockhampton ist fast völlig von der Außenwelt abgeschnitten, doch auf Sozialen Netzwerken können sich Opfer und Helfer organisieren

Der sonst vielbefahrene Highway nach Rockhampton, einer mittelgroßen Stadt in Queensland steht seit Tagen unter Wasser. Die Stadt im Osten Australiens ist die von den Überschwemmungen am meisten betroffene, ihre Einwohner sitzen zum Teil regelrecht fest. Anna Bligh, Ministerpräsidentin von Queensland, beschrieb die Situation vorort so: "Rockhampton gleicht einer Stadt, die mitten in einem See liegt."

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Trotz der überfluteten Straßen finden die Einwohner von Rockhampton andere Wege, sich mit der Außenwelt zu vernetzen. Tausende sitzen - in den eigenen Häusern eingesperrt - vor ihren Computern und suchen Anschluss im Web. Diesen finden sie auch zuhauf: Viele Facebook-Gruppen haben sich in den vergangenen Wochen zu Hilfsplattformen entwickelt. Auf der Seite der Facebook-Gruppe "Rockhampton And CQ Floods 2010" findet seit Wochen ein reger Austausch von Betroffenen, Helfern und Menschen, die den Opfern beistehen wollen, statt.

6.000 Personen gefällt das

Die 6.000 Mitglieder der Gruppe beziehen aktuelle Informationen von der Seite und teilen Fotos und Videos über die Auswirkungen der Katastrophe. Einige User suchen nach Booten, mit denen sie zu ihren Häusern fahren wollen, andere vermissen ein Haustier und starten einen Online-Rundruf.

Userin Amber wiederum sucht einen Weg nach Süden: "Muss von Mackay nach Toowoomba - Irgendwelche Ideen, was der beste Weg dorthin ist???" Innerhalb von wenigen Minuten reiht sich ein Kommentar nach dem anderen an Ambers Nachricht und verschiedene Routen werden diskutiert. Auch Userin Wendy versucht den Betroffenen zu helfen: "Wenn irgendjemand auf der Suche nach einem sauberen, trockenen und sicheren Platz ist, das Archer Park Motel hat noch freie Zimmer", schreibt sie auf die Pinnwand.

Pegelstände auf Twitter

Auf Twitter informieren Nachrichtenagenturen und Medien permanent über den Anstieg der Pegel, geschlossene Straßen und Wetterprognosen. Ein User weist auf  Vorher-Nachher-Aufnahmen der NASA hin, auf denen das Ausmaß der Katastrophe zu sehen ist. Das überflutete Gebiet umfasst mittlerweile eine Fläche von Deutschland und Frankreich zusammen.

Auf der Gruppe "CQ-Floods and Helping Hands" stehen Sachspenden im Vordergrund. Hier werden kontinuierlich Treffpunkte bekanntgegeben, an denen Hilfslieferungen ausgeteilt werden. Auf der Seite "Adopt-A-Flood Victims family for School Supplies" wird dazu aufgerufen, speziell Schulsachen zu spenden. In Diskussionsforen werden Listen mit Schulutensilien veröffentlicht, die die Helfer für betroffene Schüler besorgen können. Eine andere Userin, deren Familie in Queensland lebt, hat ein eigenes Spendenkonto eröffnet.

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Neben all der Hilfe und Zusammenarbeit zeigen sich allerdings auch viele Menschen frustriert über die Hilflosigkeit gegenüber der Wassermassen. "Ich will einfach nur Heim nach Emerald", schreibt Gruppen-Mitglied Hedley verärgert. "Stecke hier in Rocky fest - ohne Geld um zurückzugehen und aufzuräumen."

Das Wasser sollte in den nächsten 24 Stunden seinen Höchststand erreichen. Manche schreiben auch über die Sorgen um die Zeit nach der Flut, wenn das sinkende Wasser die wirklichen Schäden an ihren Häusern offenbart.  In den vielen Communities überwiegen allerdings Optimismus und Humor. Facebook-User Andrew schreibt: "Nur ein Gedanke, wie wir dabei helfen können, Geld für die Opfer zu sammeln...Nach der vergangenen Flut wurde eine Flasche 'Fitzroy River flood water' auf e-Bay versteigert" - mehrere "Gefällt mir"-Klicks waren Andrew dadurch gewiss. (Daniela Neubacher, derStandard.at, 4.01.2011)

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    Australien wird vom schlimmsten Hochwasser seit Jahrzehnten heimgesucht. Die Stadt Rockhampton ist vollständig überflutet.

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    Straßen in und um Rockhampton lassen sich oft nur mehr erahnen.

  • Video: Die Stadt Rockhampton ist das jüngste Opfer der Flutkatastrophe. (The Guardian)

  • Video: Radar-Messungen der Regenfälle im Oktober an der australischen Westküste

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